„Der Anfang einer internationalen Friedensbewegung“
Weihbischof Dr. Thomas Löhr feierte mit vielen Gläubigen „100 Jahre Fatima“ im Kloster Tiefenthal

Vor der Fatima-Kapelle beteten Weihbischof Dr. Thomas Löhr und die Mitpriester um Frieden in der Welt und gedachten der Marien-Erscheinung vor 100 Jahren.

Martinsthal. (chk) – Am 100. Jahrestag der Marien-Erscheinung von Fatima hat Papst Franziskus in dem portugiesischen Wallfahrtsort vor Hunderttausenden Gläubigen zwei Hirtenkinder heilig gesprochen. Den Geschwistern und ihrer Cousine soll am 13. Mai 1917 die Jungfrau Maria erschienen sein. Im Kloster Tiefenthal, wo seit mehr als sechs Jahrzehnten das Fatima-Gebet gepflegt wird, wurde dieses Jubiläum besonders feierlich begangen. Weihbischof Dr. Thomas Löhr, Pater Matthias Rummel und zwei nigerianische Priester feierten in der voll besetzten Kapelle einen festlichen Gottesdienst mit Rosenkranzgebet und anschließender Prozession zur Fatima-Kapelle im Park des Klosters.

„Fatima 1917 war so etwas wie der Anfang einer internationalen Friedensbewegung“, sagte Weihbischof Löhr. Die Erscheinung der Jungfrau in Fatima sei wohl von allen Marienerscheinungen die prophetischste und erstmals habe sie der ganzen Welt gegolten. Über die Hirtenkinder Jacinta und Francisco habe Maria die Menschen zur Buße aufgerufen, damit nicht ein weiterer schrecklicher Krieg die Welt heimsuche. „Einfach ‚weiter so‘ kann man der Welt nicht empfehlen.“

Für die Kinder wiederholte sich die Erscheinung Jahr 1917 auch an jedem 13. der Folgemonate – bis zum 13. Oktober. Ihre Cousine Lucia hat drei Prophezeiungen aufgeschrieben, die als „Geheimnis“ von Fatima gelten. Die letzte von Lucias niedergeschriebenen Botschaften wurde bis zum Jahr 2000 in einem verschlossenen Umschlag im Vatikan aufgehoben und danach veröffentlicht. Es ist die Prophezeiung, dass „ein weiß gekleideter Bischof von Kugeln getroffen zusammenbricht.“ Am 13. Mai 1981 – am Jahrestag der Erscheinung von Fatima – wurde der Papst auf dem Petersplatz von drei Schüssen getroffen, die er schwer verletzt überlebt hat. Als Johannes Paul II. diese Botschaft im Jahr 2000 las, ist er davon ausgegangen, dass Maria mit diesen Worten das Attentat auf ihn den Hirtenkindern schon 1917 vorausgesagt hat.

„Denken wir nicht 2017 auch an ein anderes Jubiläum, nämlich 500 Jahre Reformation?“, fragte Löhr. „Wer kennt denn die Thesen von Martin Luther?“ Er zitierte die erste These: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht ‚tut Buße‘, hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ Auch wer die Marienverehrung nicht mittragen könne, werde in dieser These wie in der Botschaft von Fatima, aufgerufen zu Buße und Umkehr, denn keineswegs sei nach den beiden Weltkriegen Frieden eingekehrt. Allein seit 1989, dem Ende des Ost-West-Konflikts, seien in Kriegen mehr als 100 Millionen Menschen umgekommen und 65 Millionen Menschen seien weltweit auf der Flucht.

Löhr erinnerte auch an die wechselvolle Geschichte des Klosters Tiefenthal – eine Geschichte von Krieg, Plünderungen, Wiederaufbau und Hoffnung. „Auch das am 13. Februar 1945 zerbombte Kloster entmutigte die Dernbacher Schwestern nicht, es wieder aufzubauen.“ Und er erinnerte daran, dass während der Fatima-Feier im Kloster Tiefenthal Pilger aus 50 Ländern im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima zusammengekommen seien, um der Botschaft von 1917 zu gedenken. „Wir alle können Pilger der Hoffnung und der Liebe im Alltag sein.“

Schwester Coretta Josten, Leiterin des Bildungshauses Kloster Tiefenthal, zeigte sich erfreut, über die große Anzahl von Gläubigen, die zur Fatima-Feier ins Kloster gekommen waren – sogar mehr als erwartet. Die Bänke in der Klosterkapelle reichten nicht aus, und es mussten noch Stühle herbeigeholt werden. Es waren auch mehr Messdienerinnen und Messdiener gekommen als Gewänder vorhanden waren. „Wir danken Ihnen für Ihr Kommen und Ihr Mitbeten“, sagte Schwester Coretta. „Wir lassen nicht nach im Gebet um den Frieden in der Welt.“ 1954 holten die Dernbacher Schwestern die Fatima-Madonna aus Portugal ins Kloster Tiefenthal, und seit dem 13. Mai 1954 wird in Tiefenthal nicht nur am Jahrestag, sondern am 13. eines jeden Monat um Frieden und für alle Anliegen der Menschen gebetet. Zum 100-jährigen Jubiläum der Fatima-Prophezeiungen waren auch viele Schwestern aus dem Dernbacher Mutterhaus mit Provinzoberin Schwester Simone Weber gekommen.

Nach der Eucharistiefeier und dem Rosenkranzgebet folgte die feierliche Prozession durch den Park zur Fatima-Kapelle und zur mit Blumen reich geschmückten Fatima-Madonna. Bläserinnen und Bläser der „Glaabacher Blechmusik“, die neben der Orgel auch im Gottesdienst gespielt hatten, begleiteten die Prozession. Die Freiwillige Feuerwehr Rauenthal begleitete die Prozession mit Fackeln. Vielen der Feuerwehrmännern ist die Prozession von Kindheit an vertraut. „Bis vor einigen Jahren haben wir die Prozession immer am 13. Mai und am 13. Oktober begleitet“, erzählte Feuerwehrmann Michael Kiefer, „aber in den letzten Jahren war das nicht mehr der Fall, weil immer weniger Menschen zu den Prozessionen kamen.“ Vielleicht war die Feier zum 100-jährigen Jubiläum für eine größere Anzahl von Menschen eine Anregung, wieder regelmäßiger an den monatlichen Friedensgebeten und der jährlichen Prozession teilzunehmen.

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