Black Orpheus und Nora Helene
Klaus der Geiger spielte mit Gitarrist Marius Peters „Piazzolla und mehr“ im KuTa

Zwei Meister ihres Faches: Klaus der Geiger und Marius Peters.

Rauenthal. (chk) – Wenn Klaus der Geiger alle paar Jahre im Kultur- und Tagungshaus (KuTa) auftritt, wird er jedes Mal von einem, manchmal auch von mehreren Musikern begleitet. Zum ersten Mal kam er nun mit Marius Peters, einem Kölner Gitarristen, der genau wie er, klassische Musik studiert hat. Mit großer Spielfreude verbanden die beiden Virtuosen Elemente des traditionellen Tangos mit Klassik und Jazz. Kennen gelernt haben sie sich vor dreieinhalb Jahren auf der Bühne während eines Festivals in der Kölner Südstadt.

„Und das war unser ‚Kennenlern‘-Stück“, erklärte Marius Peters, bevor er „Black Orpheus“ ankündigte. Das Stück, ein Bossa Nova, hatten Antonio Carlos Jobim und Luiz Bonfá für den Film „Orfeu Negro“ geschrieben. „Dieses Stück habe ich mit einer Sängerin bei einem Festival in der Südstadt gespielt, als Klaus bei meinem Solopart mit einem weiteren Geiger auf die Bühne stürmte und die beiden mich spontan begleiteten.“

Inzwischen hat sich aus dem „Überfall“ eine professionelle Zusammenarbeit entwickelt. Die erste gemeinsame CD von Klaus der Geiger und Marius Peters ist im vergangenen Sommer erschienen. Der Titel „Piaddolla“ bezieht sich natürlich auf den argentinischen Komponisten und Meister des Tango Nuevo, Astor Piazzolla, dessen Stücke sie auch im KuTa frei improvisiert spielten – beispielsweise „Bordell“, „Nightclub“ und „La Calle 92“. „Das ist eine etwas andere Musik als ihr sie von mir kennt, aber jetzt singe ich ein Lied, und es ist diesmal kein agitatorisches“, kündigte Klaus der Geiger an. Ein zärtliches Liebeslied hat er „Nora Helene“, seiner kleinen Enkelin, gewidmet und es wurde deutlich, dass er sich ihrem Zauber nicht entziehen kann.

Im Laufe des Abends schlug er noch andere kritische, wortgewaltige Töne an, wie man sie von ihm kennt. Klaus der Geiger, der Akademiker unter den Straßenmusikern, ist mit den 68ern aus dem etablierten Musikbetrieb ausgestiegen und hat seinen Stil bis heute authentisch durchgehalten und gelebt. An Themen hat es ihm in den letzten fünf Jahrzehnten nie gemangelt. Mit seinen 77 Jahren steht er immer noch voller Energie, in Latzlederhose und kariertem Hemd, auf der Bühne; nur die Haare sind inzwischen etwas dünner und kürzer. Bei aller Rebellion bringt er stets Menschenfreundlichkeit, Humor, Lebensfreude und Lebenslust in seinen Liedern, in seinem Auftreten und seiner ganzen Ausstrahlung zum Ausdruck. Beispielsweise in einer Improvisation zur Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für die Menschen auf der Welt. (…) Blüh im Glanze dieses Glückes, blüh in jedem Mutterland.“

Tangos, Irish Folk und ein Instrumentalstück von Marius Peters, „The Hills Of Scotland“ wechselten sich ab mit einigen Erinnerungen und „Evergreens“ von Klaus der Geiger. Dazu gehörte auch „Das Leben ist schön. Ich habe nie etwas Schöneres gesehen ….“ Das Publikum verlangte mit tosendem Applaus mehrmals nach Zugaben, und wurde aufgefordert, bei einer der Zugaben den Refrain mitsingen: „What Shall We Do With A Drunken Sailor?“, bevor die beiden großartigen Musiker die Bühne unter immer noch stürmischem Beifall verlassen durften.

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