Mit Brauchtumsfeuer Osterkerzen angezündet
Zweite Auflage des Brauchtumsfeuers in Erbach erfreute sich gestiegener Beliebtheit

Als der Holzstapel brannte, war das Brauchtumsfeuer weithin sichtbar.

Erbach. (mh) – Nach der erfolgreichen Premiere des auf Initiative der Erbacher Feuerwehr und der Erbacher Hexen im vergangenen Jahr erstmals veranstalteten Brauchtumsfeuers fand dessen Fortsetzung am vergangenen Samstag statt. Zu dem Spektakel hatten sich fast 250 große und kleine Besucher auf einer Flurbereinigungsfläche in der Weinbergsgemarkung „Hohenrain“ eingefunden.

 

Damit die Veranstaltung unter der Regie der Erbacher Feuerwehr erneut durchgeführt werden konnte, hatten Mitglieder der Einsatzabteilung und der Erbacher Hexen an den Tagen zuvor insbesondere Holzpaletten, Weinbergsstickel und ausrangierte Bretter eingesammelt und zur einem ansehnlichen 20 Meter langen, fünf Meter breiten und über drei Meter hohen Berg aufgestapelt.

„Dabei haben wir beim Abholen sehr genau darauf geachtet, dass nur unbelastetes Material verbrannt wird, denn wir möchten die Umwelt nicht schädigen“, betonte Wehrführer Frank Berg. Er sei vor allem den Winzern dankbar, „die sie uns durch ihre Mithilfe bei dieser Aktion tatkräftig unterstützt haben“.

Gleichzeitig freute Berg sich über die gegenüber dem Vorjahr gestiegene Resonanz, „denn ich habe die Idee, auch in Erbach ein Brauchtumsfeuer zu veranstalten, aus Norddeutschland nach Erbach gebracht“. Dieses sei auch hierzulande eine willkommene Gelegenheit, „dass sich die Menschen nach einem langen Winter in gesellschaftlicher Runde am wärmenden Feuer fröhlich-besinnlich auf Ostern und den nahenden Frühling einstimmen können“. Aus diesem Grund sei bewusst auf Musik verzichtet worden. Das Brauchtumsfeuer soll auch im nächsten Jahr fortgesetzt werden.

„Als wir im Verlauf des späteren Nachmittags mit dem Aufstellen von Tischen und Bänken sowie den Sonnenschirmen und dem Grill begannen und anschließend schauerartiger Regen einsetzte, befürchteten wir, dass die Veranstaltung ausfallen könnte“, so Ortsvorsteherin Claudia Rohrmann und Dieter Berghorn von den Erbacher Hexen. Doch nachdem Petrus rechtzeitig vor dem Anzünden des aufgestapelten Holzes die regenschwangeren Wolken durch aufkommenden Wind verschoben hatte und es von Westen her immer heller wurde, hellten sich auch die Gesichter aller Verantwortlicher mehr und mehr, und das kleine Festgelände füllte sich immer mehr mit kleinen und großen Besuchern, die auch aus Nachbargemeinden zum Ort des Geschehens gekommen waren.

Dann schauten die Besucher gespannt zu, als Frank Berg, sein Stellvertreter Christian Krechel und Claudia Rohrmann, zünftig mit einer Jacke der Freiwilligen Feuerwehr Erbach ausgestattet, sowie weitere Feuerwehrleute gleich von zwei Seiten her mit brennenden Fackeln anrückten, um den Holzstapel in Brand zu setzten.

Da es geregnet hatte und das Holz nass war, erwies sich das Anstecken alles andere als leicht. Doch mit Beharrlichkeit und Geschick gelang es ihnen, unter großem Beifall das Feuer zu entfachen und den Holzstoß schnell in Vollbrand zu setzen. Dabei loderten die Flammen so hoch, dass man das Spektakel sicherlich auch von der anderen Rheinseite aus sehen konnte.

Auch der achtjährige Benjamin und sein fünfjähriger Bruder Nikolas waren mit ihren Eltern aus Hattenheim gekommen und schauten mit leuchtenden Augen in das Flammenmeer. Beide waren schon im vergangenen Jahr beim Brauchtumsfeuer dabei, „weil uns das so gut gefallen hatte“. Obwohl sie gehörigen Abstand vom Feuer hatten, wunderte sich vor allem Nikolas, „dass mein Gesicht so schön warm wird“. Er freue sich, später noch Stockbrot backen zu können.

Um dieses im weiteren Verlauf der Veranstaltung zu ermöglichen, hatten Mitglieder der Jugendfeuerwehr unter der Ägide von Jugendfeuerwehrwartin Jeanette Müller bereits frühzeitig ein Feuer angefacht, um gute Glut für das Backen dieser von Kindern und Jugendlichen beliebten Leckerei zu ermöglichen. Außerdem hatte sie dafür Sorge getragen, dass dafür gut fünf Kilo Teig zur Verfügung standen.

Alle Hände voll zu tun hatten die gestandenen Männer am Grill, denn ihre Brat- oder Rindswurstbrötchen mit viel Senf oder Ketchup erfreuten sich einer regen Nachfrage. Ebenso die Getränkeangebote der Erbacher Hexen, die vom Hexensekt, -kirschsecco und -cocktails bis zu Bier und Wein reichten. Und auch der feurige Spundekäs aus heimischen Küchen fand reichlichen Zuspruch.

Da im Verlaufe des weiteren Abends kein Regen mehr gefallen war und das Feuer noch gut vier Stunden lang wärmte, wurde im Hohenrain noch lange in geselliger Runde gefeiert. Danach bewachten Einsatzkräfte noch lange das Feuer, für das sie vorsorglich ein Tanklöschfahrzeug mit 3.500 Litern Wasser bereitgestellt hatten.

Um sicherzustellen, dass am Ostersonntag noch reichlich Glut für das Anzünden von Fackeln vorhanden ist, waren einige Feuerwehrleute die ganze Nacht am Ort des Geschehens geblieben. Sie wurden im Verlaufe des Vormittags von vier Kameraden abgelöst. Jeweils zwei von ihnen begaben sich, in Ausgehuniform gekleidet, in die katholische und evangelische Kirche in Erbach, um in den dortigen Gottesdienstes mit ihren brennenden Fackeln die Osterkerze zu entzünden.

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