„Ein Buch von Männern für Männer“
Frau Luther sprach Klartext im Forum Triangelis / Bühnenstück von Heike Bauer-Banzhaf

Zwei starke Frauen: Heike Bauer-Banzhaf als Katharina von Bora.

Erbach. (chk) – Frau Luther, Katharina von Bora, die Frau an der Seite Martin Luthers, die er gerne „mein lieber Herr Käthe“ nannte, war zu Gast im Forum Triangelis in der Johanneskirche. Mit Humor, Cleverness und herzerfrischender Direktheit brachte die Schauspielerin Heike Bauer-Banzhaf den Zuschauern die schillernde Persönlichkeit der „Lutherin“ nahe – eine Zeitreise, die den Geist der Reformation auf ganz eigene Weise lebendig werden ließ.

 

„Wie habe ich mein Leben an der Seite dieses Mannes genossen!“, seufzt Katharina Luther. „Aber an den Frauen bleibt alles hängen!“ Das Ein-Frauen-Stück, mit dem Titel „Mein lieber Herr Käthe – Die Erinnerungen der Katharina Luther: Mein Leben mit Gott und Martin“ war voll von solchen Widersprüchen. Zweifellos war Katharina keine typische Frauengestalt ihrer Zeit. Ihre wechselvolle Biographie führte von der gebildeten Nonne zur Ehefrau des Reformators, wo sie die Rolle der Mutter, Gastgeberin und Gesprächspartnerin von Studenten und Gelehrten ausfüllte, und einen großen Haushalt als Finanzchefin führte, denn ihr geliebter Martin war nicht sehr alltagstauglich und zu Geld hatte er keine Beziehung. Als Wohltäter gab er es gern mit vollen Händen aus. Zweifellos war Katharina in ihrer Zeit relativ emanzipiert, doch Heike Bauer-Banzhaf zeigte viele wunde Punkte auf. Das Stück hat sie nach intensiven Recherchen selbst geschrieben, nachdem sie festgestellt hatte, dass es kaum Literatur zu Katharina Luther in ihren späteren Jahren gab – schon gar nicht als Witwe.

In der Ausgangssituation flüchtet Katharina Luther vor einem Sturm in die Schlosskirche in Wittenberg. Es ist das Jahr 1552, und Luther ist bereits sechs Jahre tot. In fiktiven Selbstgesprächen, die meist an Martin gerichtet sind, manche auch direkt an Gott, lässt sie Stationen des gemeinsamen Lebens Revue passieren – und kommentiert sie teilweise recht heftig. „Hilf mir, mein Maul zu halten“, bittet sie Gott, zeigt aber keine Ambitionen, dies wirklich zu tun. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie mit der Männerwelt abrechnet. „Eine kluge Frau wollte keiner hier draußen, eine kluge Nonne im Kloster schon eher.“ Gnadenlos ist auch ihr Urteil über die Bibel: „Die Bibel ist ein Buch von Männern für Männern. Deshalb steht auch so wenig über uns drin.“ Die große Leistung ihres Mannes weiß sie sehr wohl zu schätzen. „Deine Bibelübersetzung war ein Sprachorkan.“ Und sie gesteht ihm zu: „Dein Leben hat das Leben so vieler Menschen verändert. Auch meins.“ Vieles deutet darauf hin, dass Martin ihr gleiche Rechte zubilligte – aber nicht in der Öffentlichkeit. Die Anrede „mein lieber Herr Käthe“ lässt darauf schließen, dass er ihre Stärke zu schätzen wusste. Mit großer Energie schaffte sie ein Heim für ihn und die Kinder. „Niemand kannte deine Ängste und deine Zweifel so wie ich“, erinnert sie ihn und spricht auch von ihren eigenen Zweifeln. „Manche Nacht kniete ich vor meinem Bett und flehte Gott um Gnade an, um eine Antwort zu bekommen, ob es auch richtig ist, was wir tun.“ Sie litt unter Beleidigungen. So zum Beispiel: „Wenn der Mönch bei der Nonne ist, dann zeugen sie einen Teufel.“ „Schlimmer als die Verunglimpfungen der Feinde, waren die der Freunde.“

„Widersprüchlichkeit, dein Name ist Martinus Luther“, stellt sie fest. Bei aller Kritik an ihrem Mann und allen Anfeindungen von außen leuchtet stets die große Liebe für ihren Martinus durch. „Wir hielten zusammen – als Gefährten und als Eltern.“ Er war ein liebevoller Vater, der sich außerdem auch für die Schulbildung aller Kinder einsetzte – Mädchen wie Jungen. Dass Katharina ein strenges Regiment im Hause führte, schien Luther nicht abzuschrecken. „Meine Käthe gäbe ich für Frankreich und Venedig nicht her“, war seine Aussage.

Wie viel Biographisches und wie viel Fiktion in ihrer Katharina Luther steckte, vermag wahrscheinlich nur Heike Bauer-Banzhaf zu beurteilen. Wie sie am Ende im Gespräch mit Pfarrerin Bianca Schamp gestand, steckte auf jeden Fall eine gehörige Portion Heike Bauer-Banzhaf in der Witwe von Luther. Sehr authentisch und lebendig brachte die Autorin und Schauspielerin ihr Stück rüber. Das Publikum durfte für einige Zeit ganz vergessen, im 21. Jahrhundert zu sein, durfte Frau Luther folgen – und bedankte sich mit tosendem Beifall.

Der Abend war eine gemeinsame Veranstaltung des Forum Triangelis und der Stadt Eltville, weshalb auch das Publikum gemeinsam von Bianca Schamp und von Barbara Lilje von der Stadt Eltville begrüßt wurde. Barbara Lilje und Heike Bauer-Banzhaf haben sich bereits vor 27 Jahren am Theater in Bamberg kennen gelernt. Damals spielte Heike Bauer-Banzhaf die Rolle der Katharina von Bora, aber noch nicht ihr eigenes Stück, sondern nach einer Vorlage von Christine Brückner. Eigentlich wollte sie Pfarrerin werden, wurde aber Krankenschwester, und hat später Schauspiel studiert. In Hannover und in Bamberger hat sie prägende Theatererfahrungen gemacht. Seit mehr als 20 Jahren ist sie selbständig als Trainerin, Coach, Rednerin und Moderatorin. Über ihre eigene Katharina von Bora kam sie auch wieder zurück zum Schauspiel.

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