Jeder Wein hatte seine Geschichte
Und jede Geschichte hatte ihren Wein bei der Autorenlesung im Weingut Hans Lang

Sechs Autorinnen und Autoren aus dem Rheingau und aus Frankfurt hatten Geschichten zum Wein für diese Lesung geschrieben.

Hattenheim. (chk) – Geschichten und Wein, Musik, Leckereien und eine gastfreundliche Atmosphäre im Weingut Hans Lang erwartete die Gäste unter dem Motto „in vino poetas“. Sechs Autoren des vor einem Jahr gegründeten Netzwerks ARS – Autoren RheinMain Stammtisch – hatten sich im Sommer im Weingut getroffen und mit den neuen Besitzern Urban Kaufmann und Eva Raps diese Weinlesung abgesprochen. Dabei hatten die Autoren „Kärtchen“ mit den Namen verschiedener Weine gezogen, um sie in ihrer Geschichte eigens für diesen Abend und diesen Ort zu verarbeiten.

 

Die literarische Einstimmung übernahm eine Autorin aus dem Rheingau, Franziska von Schleyen, die das Autoren-Netzwerk mit Yvonne Pioch aus Frankfurt gegründet hat. Gleich nach dem Aperitif – ein Riesling mit Trauben-Lavendel-Sirup – las die Hallgartenerin aus ihren „Momentums“ – meditative kleine Geschichten, Gedichte oder auch genaue Beobachtungen, die sie in poetischer Weise beschreibt. Ausgewählt hatte sie einige ihrer Rheingau-Impressionen, beispielsweise mit dem Titel „Gedankenspiele am Rhein“ und „Ein Septembermorgen“, der nach Assmanshausen führte.

Den ersten Wein, der serviert wurde, beschrieb Agga Kastell, eine Autorin und Malerin aus Erbach, die seit 2005 schon einige Bücher veröffentlicht hat. Ihre Geschichte „Eigener Herd ist Goldes wert“ in Ich-Form wirkte wie eine autobiografische Erzählung, deren Krimi-Elemente nicht allen Teilen authentisch sondern ihrem schwarzen Humor zu verdanken sein dürften. Die Ich-Erzählerin, die nicht mehr in ihre Rheingauer Heimat zurückwollte, weil dort einst ihr geistiges Eigentum gestohlen wurde, fühlte sich allerdings an die guten Seiten des Rheingaus erinnert, als sie einen Grauburgunder aus dem Weingut Hans Lang trank. Und den hatten die Gäste auch zu dieser Geschichte im Glas.

Rainer Franke, der in Frankfurt lebt, las seine Geschichte „Bin schon da“, in der es um den weinkundigen Christopher und die schöne Magdalena geht, die Wein trinken und darüber plaudern. Zum Beispiel so: „Das Weingut Hans Lang hat ein Schweizer übernommen, der dort jetzt mit seiner Prinzessin Wein macht. Und einen Wein hat er sogar ‚Tell‘ genannt. Und genau diesen „Tell Riesling“ durften die Gäste dazu verkosten.

Neue Rheingauer Legende

Es gab nicht nur deutsche Prosa, sondern auch englische Lyrik – gesungen und auf der Gitarre begleitet von Harald Andres aus Aarbergen nach jeder Einzel-Lesung. In diesen musikalischen Pausen durften die Gäste sich an den Leckereien laben, die an den Tischen serviert wurden, zum Beispiel Mousse von der Wisperlachs-Forelle, Frischkäse mit Schnittlauch, Pfefferbeiser, kleine Wildfrikadellen, Roquefortpralinen und natürlich auch Appenzeller Käse, wie ihn der „Maître Fromager“ Urban Kaufmann in seinem „ersten Leben“ in der Schweiz hergestellt hat. Ihm war auch die nächste Geschichte gewidmet, „Die Legende vom Wisselbrunnen“. Meddi Müller aus Frankfurt hat sie eigens für diese Lesung erfunden und niedergeschrieben; darin schildert er den tapferen Konkurrenzkampf des jungen Nabur Faukmann gegen den germanischen Donnergott Thor. Nabur war der erste Hattenheimer, der erkannte, dass der Boden am Wisselbrunnen einen ganz besonderen Wein hervorbringen würde, und nach Jahren mühsamer und redlicher Arbeit gewann er mit diesem Wein den Wettbewerb gegen Thor. Diesen großen Wein, wenn auch aus einer späteren Epoche, durften die Gäste kosten: Der 2012er Wisselbrunnen Großes Gewächs bekam unüberhörbar ein besonderes Lob von vielen Gästen.

Zum 2009er Johann Maximilian Spätburgunder hatte Robert Maier aus Bad Vilbel einen mystischen Kurzkrimi mit dem Titel „Weingeister“ geschrieben, bei dem es zwar auch um Spätburgunder ging, allerdings nicht aus dem Hause Hans Lang, sondern aus unbekannter Quelle, vertrieben von einem Fachhändler für Computerteile – ein Wein, der mehrere Todesopfer forderte. Waren Weingeister, ein Flaschengeist oder paranormale Kräfte am Werk?

Um einen besonderen Stein und einen besonderen Wein, einer 2003er Hassel Riesling Trockenbeerenauslese ging es zum Abschluss der genussvollen Weinlesung. „Keith. Aus dem Leben eines Steins“ heißt die Geschichte von Yvonne Pioch aus Frankfurt. Keith, der Stein, ist ein guter Beobachter und lässt seine Gedanken von Yvonne Pioch niederschreiben – und auch seine amüsanten Erfahrungen als „Weinstein“.

Für die Autoren der ARS-Gruppe war es die erste Lesung im Rheingau und sicher nicht die letzte. Das wurde deutlich in den Worten von Eva Raps, die den Autoren für die vielfältigen Beiträge dankte. „Da ich selbst kaum Zeit habe, die schönen Bücher zu lesen, die auf dem Tisch liegen, werde ich öfter solche Lesungen machen“, versprach sie.

Auf dem Büchertisch hatten die sechs Autoren ihre Werke ausgelegt. Wer über die Autoren, ihre veröffentlichten Werke und geplanten Projekte mehr wissen möchte, findet umfassende Informationen im Internet unter www.arsautorengruppe.wordpress.com.

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