Aßmann erhält großen Vertrauensvorschuss
Der künftige Geisenheimer Bürgermeister verspricht „Ehrliche Arbeit ohne große Worte“

Gemeinsam geschafft: Christian und Melanie Aßmann genossen den Moment des Sieges.

Geisenheim. (hhs) — Christian Aßmann ist der nächste Bürgermeister von Geisenheim. In der Stichwahl erzielte der parteilose 34-jährige Kämmereileiter der Stadt Geisenheim überragende 80,3 Prozent der Stimmen. Der Gegenkandidat Antonio Pedron (CDU) blieb chancenlos. Aßmann wird sein Amt am 1. November antreten.

 

Er werde bis zum Schluss alles geben, hatte Antonio Pedron nach dem ersten Wahlgang angekündigt, in dem er den Einzug in die Stichwahl wohl nur deshalb geschafft hatte, weil sich das Stimmenpotenzial der SPD auf deren offiziellen Kandidaten Georg Mahr und die aus der Partei ausgetretene Susanne Göttel-Spaniol aufgespaltet hatte.

Pedrons Versuche, sich für die Stichwahl als „Bürgermeister für Alle“, für die „lange hier Lebenden“ und die „Zugezogenen“ anzubieten, gingen letztlich ins Leere. Auch der „Zuspruch und die Unterstützung von Wählern der SPD, ZfB und der CDU zur Stichwahl“, die er sich erhofft hatte, griff nicht. Der bis zu seiner Vorstellung als CDU-Kandidat weitgehend unbekannte Pedron schaffte es nicht, das Wählerpotenzial seiner Partei abzurufen.

Völlig anders die Situation bei Christian Aßmann: Seine Unterstützer ließen auch nach dem ersten Wahlgang nicht locker, warben weiter für ihren Kandidaten und mahnten, es sei noch nichts entschieden. Mit Erfolg: Aßmann bekam 3.732 Stimmen und gewann damit nochmals gut 1.000 Stimmen mehr als in der ersten Runde. Pedron hingegen, der im ersten Wahlgang noch 1.170 Stimmen erhalten hatte, kam nur noch auf 914 Stimmen.

Die von Teilen der SPD prognostizierte hohe Zahl ungültiger Stimmen blieb aus. Bei den Sozialdemokraten hatte man nach dem enttäuschenden Abschneiden ihres Kandidaten Georg Mahr gemutmaßt, dass viele, die mit keinem der beiden Kandidaten zufrieden seien, ihrem Unmut durch ungültige Stimmen Ausdruck verleihen würden.

Für eine Stichwahl zum Bürgermeister war die Wahlbeteiligung von 50,6 Prozent erfreulich hoch. Im Vorjahr bei der Wiederwahl von Frank Kilian hatten – obwohl die Wahl zeitgleich mit der Kommunalwahl stattfand – nur 46,6 Prozent ihre Stimme abgegeben. Kilian, dessen Wahl zum Landrat erst die Wahl in Geisenheim erforderlich gemacht hatte, hatte seinerzeit ohne Gegenkandidat 86,4 Prozent Zuspruch erfahren. Bei der letzten Wahl mit mehreren Kandidaten im Jahr 2010 hatte Kilian – bei einer Wahlbeteiligung von 53,3 Prozent – 67,2 Prozent erzielt.

Mentor Kilian

Nicht nur was die Ergebnisse angeht, sondern auch bezüglich des Werdegangs tritt Christian Aßmann in die Fußstapfen seines Mentors Frank Kilian. Er habe ihn in der Stadtverwaltung gefördert, ihm immer wieder hochwertige Aufgaben zugewiesen und ihn letztlich auch zu seinem Nachfolger als Kämmereileiter gemacht: „Ohne dich wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, drückte Aßmann seinem beruflichen Vorbild seinen Dank aus.

Aßmanns Dank ging aber auch an einen weiteren Altbürgermeister: Manfred Federhen, der sich nach seinem Abschied im Jahr 2010 aus der Kommunalpolitik herausgehalten hatte, hatte sich zuletzt wieder stark engagiert und Aßmann nach dessen Aussagen viele wertvolle Tipps gegeben und ihm „in schwierigen Phasen immer wieder Mut zugesprochen“.

Aßmann versprach, sich mit „100, nein 120 Prozent seiner Arbeitsleistung in das Amt des Bürgermeisters“ einzubringen. Er werde sich für „alle Bürger, gleich welcher Couleur, welcher Religion und was weiß ich noch“ einbringen. Jedem im großen Saal des Rheingau Atriums war klar, dass diese Aussage auch eine Replik war an seinen Gegenkandidaten, der im Wahlkampf immer mal wieder anklingen ließ, er fühle sich als Zugezogener mit italienischen Wurzeln in Geisenheim benachteiligt. Aßmann, der unter anderem mit dem Slogan „einer von uns“ geworben hatte, betonte: „Meine Großeltern sind selbst als Flüchtlinge aus Ungarn nach Geisenheim gekommen“. Seine Familie habe mit Nichts angefangen und sich mit harter Arbeit hochgearbeitet. Mit bewegten Worten dankte er seiner Familie. „Ich trage auch heute ein Bild meines Großvaters bei mir. Er hat mich gelehrt, dass man mit ehrlicher Arbeit ohne große Worte am weitesten kommt“. Diese Maxime wolle er auch weiterhin beherzigen.

Sachpolitik

In seiner immer wieder von Jubelstürmen unterbrochenen Dankesrede kamen neben der Familie und Freunden auch die Feuerwehrkameraden nicht zu kurz. Zuspruch habe er auch von den Bürgermeistern Volker Mosler (Rüdesheim, CDU) und Patrick Kunkel (Eltville, CDU) erfahren, mit denen er „unabhängig von der Parteizugehörigkeit“ im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit gut zusammengearbeitet habe. Beide waren übrigens ebenfalls nach Geisenheim gekommen und gratulierten ihrem neuen Kollegen aufs Herzlichste.

Als unabhängiger Bürgermeister, so Christian Aßmann, gehe es ihm nicht um politische Parteien. „Es geht um die Sache, es geht um Geisenheim. Da haben persönliche und parteipolitische Interessen im Hintergrund zu stehen“.

Seitens der Kollegen der Stadtverwaltung kann Aßmann auf die volle Unterstützung bauen. Hauptamtsleiterin Marina Klein konnte über die Aussage nur schmunzeln, nach der es den jeweiligen Hauptamtsleitern egal sei, wer unter ihnen Bürgermeister ist. Sie sah am Wahlabend jedenfalls keine Probleme darin, dass Aßmann mit 34 Jahren noch relativ jung sei und als „Lehrling“ bei der Stadt angefangen habe, der nun plötzlich Chef werde. „Wir gehen das ganz professionell an. Das wäre aber auch bei jedem anderen Bürgermeister so gewesen“, gab sie zu Protokoll.

Die beiden Wochen vor der Stichwahl seien die härtesten im Wahlkampf gewesen, räumte Aßmann ein. „Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, ich gewinne mit einem Verhältnis von 60 zu 40, wäre ich glücklich gewesen. Dass es nun 80 zu 20 ausging, ist der Wahnsinn“, zeigte er sich überwältigt. „Ich kann das noch immer nicht fassen. Ich bin total geflasht“. Für ihn sei wichtig, dass er seine berufliche Zukunft in Geisenheim fortsetzen könne. Dass er es nicht bei einer Amtszeit belassen will, wurde beim Satz deutlich, dass zum Glück „Wahlkampf nur alle sechs Jahre“ sei.

Pedron bleibt

Antonio Pedrons vage Hoffnungen auf eine Wende bei der Stichwahl – „gewinnen ist möglich“, hatte er auf seine Plakate geklebt – hatten sich am Sonntag schon nach dem ersten Wahlbezirk zerschlagen. Ausgerechnet in Marienthal, wo er mit seinem Appell an „Zugezogene“ auf Zuspruch gehofft hatte, fuhr er seine schlechtesten Wahlergebnisse ein: Zunächst kam das Ergebnis aus dem Kindergarten mit 13,2 Prozent; später sollte das Resultat aus dem Städtischen Jugendzentrum mit einer Zustimmung von 12 Prozent noch geringer ausfallen. Sein bestes Resultat erzielte Pedron in Stephanshausen, wo er exakt ein Drittel der Stimmen bekam. Hier dürfte ihm sein Bekenntnis als Windkraftgegner geholfen haben. Aßmann, der sich zu diesem Thema zurückhielt und auf das Votum des Stadtparlaments verwies, kam auch in der Höhengemeinde auf zwei Drittel der Wählerstimmen.

Ob er in sechs Jahren wieder mit Antonio Pedron als Mitbewerber rechnen muss, ließ dieser zunächst offen. Er wolle sich aber in der Kommunalpolitik engagieren, kündigte Pedron an. Derzeit ist er noch der nächste Nachrücker auf der CDU-Liste. CDU-Chef Hans Schneider deutete am Wahlabend an, dass Pedron wohl in Kürze einen Sitz als Stadtverordneter einnehmen werde. Er würde sich freuen, wenn Pedron dann in sechs Jahren wieder als Kandidat zur Verfügung stünde – dann sicherlich mit höherem Bekanntheitsgrad.

Am Tag nach der Wahl bilanzierte Antonio Pedron den Wahlkampf als „sehr intensiv und fordernd“. Er danke seinen „Wählerinnen und Wählern und Unterstützern für das entgegengebrachte Vertrauen, der CDU Geisenheim und besonders meiner Familie“. Wie schon direkt am Wahlabend wiederholte er seine Glückwünsche: „Ich gratuliere Christian Aßmann zur Wahl und wünsche ihm eine glückliche Hand für unser Geisenheim“.

Nach dem späten Ergebnis beim ersten Wahlgang ging es diesmal extrem schnell – und sogar die Zuordnung der einzelnen Wahlbezirke war ersichtlich. So wurde deutlich, dass die Marienthaler Ergebnisse schon um 18.16 Uhr vorlagen. Und selbst die Briefwahlbezirke – es gab insgesamt 2.082 Briefwähler gegenüber 2.367 Wählern, die erst am Sonntag ihr Kreuzchen machten – waren bis 19.17 Uhr ausgezählt. Danach begann – unter den Klängen von „An Tagen wie diesem“ oder „We are the champions“ die große Gratulationscour.

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