Forschung und Lehre in der Praxis erleben
Open Campus zeigte Besuchern, wie viel Geisenheim im Alltag steckt

Die schrägen Professoren Dr. Know und Dr. How von Pico Bello und der echte Professor Dr. Hans Reiner Schultz, der Präsidenten der Hochschule Geisenheim.

Geisenheim. (ak) – „Es gibt 27 Gene die feststellen, ob etwas bitter schmeckt, aber nur eins das feststellt, ob etwas süß ist“, erklärte der Präsident der Hochschule, Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, bei der Führung über den weitläufigen Campus der Hochschule Geisenheim. Im Sensorikraum des Instituts für Oenologie konnten die Besucher kleine Papierblättchen auf die Zunge legen und selbst feststellen, ob sie ein Supertaster sind. Während manche Besucher beim sogenannten Hyper-Test überhaupt nichts schmeckten, empfanden andere den Geschmack des Blättchens als „gallenbitter“

und waren somit sogenannte „Supertaster“, die Bitterstoffe viel stärker wahrnehmen und deshalb wahrscheinlich bittere Gemüsesorten, wie beispielsweise Rosenkohl meiden. Für einige Kinder war dass natürlich eine willkommene Ausrede, warum sie in Zukunft noch weniger Gemüse essen werden.

Beim Open Campus gab es ein breit gefächertes Angebot für Besucher in allen Altersklassen und der unterschiedlichsten Interessengruppen. Hobbygärtner konnte ihre Probleme bei der Bewässerung oder der Schädlingsbekämpfung im Ziergarten mit Fachleuten diskutieren. Es gab aber auch einen Ausblick in ambitionierte wissenschaftliche Projekte: Das Institut für Technik zeigte neuste Entwicklungen beim Pflanzenschutz bei denen Drohnen eingesetzt werden können.

Beim Kindercampus durften Buttons selbst gestaltet werden, ein Hochschul-Parcours lud zum Testen der eigenen Geschicklichkeit ein, die Erbinformation aus Früchten wurde isoliert, man konnte Kürbisse bemalen oder Sonnenblumen auf dem Freilandfeld pflücken.

Die Hochschule Geisenheim bot, gemeinsam mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, ein großes Beratungsangebot zu alten Apfelsorten, Rosenneuheiten und vielen anderen Beet- und Balkonpflanzen an. Forschungsprojekte zum Thema Schadenserreger und Einsatzmöglichkeiten in der Praxis wurden vorgestellt.

Der Einfluss des Klimawandels auf den Weinbau wird mit der FACE-Anlage ermittelt. FACE steht für „Free Air Carbondioxide Enrichment“. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen hier den Einfluss erhöhter Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Luft auf die Reben und den Wein.

Klimaforscher ermittelten den Co2-Fußabdruck, den die Besucher auf ihrem Weg zum Open Campus hinterlassen haben. Praktischen Nutzen hat auch das Projekt ELISA, hier werden Methoden erforscht, mit denen sich Nüsse in Lebensmitteln noch genauer nachweisen lassen, um Allergiker besser zu schützen. Ganz praktisch ging es bei den Studierenden der Lebensmittelsicherheit zu. Die von ihnen verkauften Hot Dogs wurden auch von ihnen früh morgens in der Backstube der Bäckerei Dries selbst hergestellt.

Wer Lust hatte, konnte Pflanzen kaufen oder bereits zu Saft, Wein oder Schnaps verarbeitete Produkte. „Der Schwerpunkt ist die Lehre, aber viele unserer Anlagen sind zwar im Maßstab kleiner als in geweblichen Produktionen, aber trotzdem wird bei Forschungsprojekten oder bei der Getränketechnologie so viel produziert, dass wir es heute hier verkaufen“, erzählte Prof. Dr. Mirjam Hey vom Institut für Weinanalytik und Getränkeforschung. Diese Produkte wurden in der zur Markthalle umfunktionierten Aula, in einem gut laufenden Saft- und Schnapsladen, verkauft.

Beim Open Campus geht es natürlich auch darum neue Studierende für die Hochschule zu begeistern. Ein Studieninfotag richtete sich an die 18 bis 25-jährigen Besucher und ihre Familien.

Dozentinnen und Dozenten informierten über die angebotenen Fachrichtungen: Weinbau & Oenologie, Gartenbau, Internationale Weinwirtschaft, Getränketechnologie, Landschaftsarchitektur, Lebensmittelsicherheit und Logistik & Management Frischprodukte.

Zurzeit gibt es hier 1.600 Studierende, die sich auf insgesamt 17 Studiengänge verteilen, auch ein Sprachenzentrum, ein International Office und der Hochschulsport stehen Interessierten offen. Die Hochschule beschäftigt 450 Mitarbeiter.

Um auch in Zukunft ein attraktiver Studienort zu bleiben, werden in den nächsten Jahren 75 Millionen Euro in ein neues Getränketechnologisches Zentrum, in einen Neubau Logistik und ein neues Hörsaalgebäude investiert. „Die Jugend lebt visuell, da muss alles top sein, um Studenten zu gewinnen“, erklärte Prof. Dr. Schultz und ergänzte mit einem Grinsen: „Das Nachtleben in Geisenheim ist ja nicht sensationell.“

Nächstes Jahr beginnen die Vorplanungen, der erste Spatenstich ist für 2019 geplant. Die letzte Ausbaustufe soll 2025 fertig sein. Der Parkplatz der Hochschule wird dem neuen Hörsaalgebäude weichen müssen. „Wo ein neuer Parkplatz hinkommt, weiß noch niemand. Eine Tiefgarage ist zu teuer, aber für die Anwohner wäre es eine Katastrophe, wenn die Studenten überall parken würde“, sagte der Präsident.

An beiden Tagen werden bis zu 7.000 Besucher erwartet. Über das weitläufige Gelände wurden vier farblich gekennzeichnete Wissenstouren eingerichtet, die man ablaufen konnte. Da die Stationen teilweise weit auseinander lagen, fuhr der Wissensexpress in einer Stunde einen moderierten Rundweg über den kompletten Campus. Neben der Hochschulverwaltung wurden die Gewächshäuser, das Institut für Rebenzüchtung und die Villa Monrepos angefahren. Hier gab es eine Ausstellung zum Leben von Eduard von Lade. Auch der Original-Mondglobus von 1897, den von Lade in Auftrag gegeben hatte, war als Leihgabe, während des Wochenendes, zu besichtigen. Um den auswärtigen Besuchern zu zeigen, dass Geisenheim auch jenseits von Forschung und Lehre eine attraktive Stadt mit einem großen Freizeitangebot ist, fuhr der Wissensexpress bis zur Linde. Der verkaufsoffene Sonntag und das historische Stadtspektakel mit Mittelaltermarkt zeigten eine Stadt mit engagierten Vereinen und Bürgerinnen und Bürgern die ihr Leben in ihrer Stadt genossen.

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