Mutmaßlicher Brandanschlag
Täter randalierten in der Dr. Emely-Salzig-Schule / Über 50.000 Euro Sachschaden

Am Montagabend verübte ein noch unbekannter Täter oder wahrscheinlich auch mehrere Täter einen gemeinen Anschlag auf den Kinderschutzbund Rheingau.

Geisenheim. (sf) – Die Fassungslosigkeit ist groß: Am Montagabend verübte ein noch unbekannter Täter oder wahrscheinlich auch mehrere Täter einen Anschlag auf den Kinderschutzbund Rheingau: In den Räumen des Kinderschutzbundes im Gebäude der Emely-Salzig-Schule randalierten sie, legten ein Feuer und zerstörten alles.

Die 32 Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren, die der Kinderschutzbund hier betreut, waren gerade erst nach Hause gegangen.

Die Schüler aus den Klassen eins bis vier werden hier nach dem Unterricht sozialpädagogisch betreut, können Hausaufgaben unter Aufsicht machen, lernen in Gruppen gemeinsam mit Schülern der Sankt Ursula Schule oder dem Internat Hansenberg. Anschließend wird gemeinsam gespielt oder auch musiziert. Denn die Kinder, die von Zuhause aus meist nicht die Möglichkeit haben an musikalischer Förderung teilzunehmen, können hier Instrumente wie Gitarre oder Schlagzeug erlernen. In jahrelangen Spendensammelaktionen wurden verschiedene Spielsachen, spezielle pädagogische Spiele, Bastelmaterialien, Mal- und Schreib-Utensilien und die wertvollen Instrumente angeschafft. Gerade erst zu Weihnachten hatte es eine Spende der Freunde der Waas’schen Fabrik gegeben, mit der Spielsachen für die Betreuungsgruppe angeschafft wurden, die sich die Kinder sehnlichst gewünscht hatten. „Jetzt ist alles zerstört, wir haben nichts mehr“, resümiert der Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Udo Wesemüller. Er ist genauso wie alle Betreuer und vor allem auch die Kinder geschockt über den Akt der Verwüstung.

Die Kinder und Betreuer hatten um kurz nach 16 Uhr die Räume in der Schule verlassen. In der Zeit zwischen 16.30 und 18.10 Uhr müssen der oder die Täter dann in das Gebäude eingedrungen sein, vermutet die Polizei. Bevor sie einen Brand legten, beschmierten sie die Wände der Räume mit Farbe. Dafür benutzten sie offenbar Kunststoffflaschen und Spraydosen mit Farbe, die sie vor Ort vorfanden. Dann wurde ein größerer Papierstapel in Brand gesetzt. Es kam zu einer starken Rauchentwicklung, die gegen 18.10 Uhr von Spaziergängern entdeckt wurde. Diese alarmierten Polizei und Feuerwehr. Die Geisenheimer Feuerwehr rückte sofort aus und löschte den Brand schnell, doch die Flammen hatten mit den Büchern, Spielsachen und Bastelmaterialien leichtes Spiel. Hinzu kommt auch der Schaden durch das Löschwasser. Auch Kissen, Sitzmöbel, Spiele und verschiedene Materialien sind alle unbrauchbar geworden durch das Rauchgiftgas, das durch den Brand entstanden ist. Die Polizei schätzt die Höhe des entstandenen Sachschadens auf mindestens 50.000 Euro, wahrscheinlich liegt der Schaden durch die speziellen pädagogischen Betreuungsmaterialien aber noch viel höher, wie die Helfer vermuten.

Die Räume sind zur Zeit nicht mehr benutzbar und wurden von der Brandschutzermittlung versiegelt, die genauen Untersuchungen beginnen jetzt erst richtig. Schon am Dienstagmorgen war der Brandermittler Möbius vor Ort und nahm die Arbeiten auf. Er machte auch klar, dass gerade durch die Rauchgase alles in dem Räumen unbrauchbar geworden sei.

„Das Wichtigste und einzige Gute ist im Moment, dass keines der Kinder betroffen war. Ich war überglücklich, als ich hörte, dass alle Kinder die Einrichtung bereits verlassen hatten“ sagte Udo Wesemüller. Und weiter: „Vorläufig können die 32 Kinder in den beiden anderen Räumen des Kinderschutzbundes im zweiten Stock der Dr. Emely-Salzig-Schule sozialpädagogisch betreut werden. Bis zu den schon bald beginnenden Sommerferien geht das.

Wesemüller hofft, dass man in den Sommerferien die verwüsteten und verbrannten Räumen wieder soweit herstellen kann, dass nach den Sommerferien die Betreuung wie gewohnt weiter gehen kann. Umfangreiche Renovierungsarbeiten stehen da an. Für die Räume bestehe wohl auch eine Versicherung über den Schulträger. Ob das auch für das wertvolle Spielzeug, die Bücher, Instrumente und das Bastelmaterial gilt, weiß Wesemüller noch nicht. Er befürchtet, dass man hier selbst tätig werden muss und alles neu beschaffen muss.

„Was nicht durch Feuer oder Löschwasser zerstört wurde, ist durch Rauchgiftgas kontaminiert. Damit schließt sich jede weitere Verwendung für die Kinder aus und muss neu beschafft werden“. Für Wesemüller und seine Vorstandskollegen ein Riesenproblem: „Wir sind als Kinderschutzbund ohnehin in hohem Maße auf Unterstützung und Spenden angewiesen, da bedeutet eine komplette Neueinrichtung eine riesige Herausforderung, die wir nur mit Hilfe Dritter bewältigen können“. Man hofft auf große Spendenbereitschaft in der Bevölkerung, um die sozialpädagogische Schülerbetreuung aufrecht erhalten zu können.„Die Kinder sind sehr traurig, viele hatten hier ihr Lieblingsbuch oder Lieblingsspiel“, erzählt er. Und fragt sich wie so viele, wer so etwas Gemeines und Feiges macht.

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