Roter Riesling soll Weinfreunden schmackhaft gemacht werden
Gut besuchtes Symposium der Hochschule Geisenheim, mit Vorträgen, Diskussionen und Weinprobe

Die Aufmerksamkeit auf den Roten Riesling lenken: Professor Dr. Ulrich Steger von Slow Food Rheingau (r.) war einer der Referenten beim Symposium an der Geisenheimer Hochschule.

Geisenheim. (sm) – „Wir sehen unsere Aufgabe darin, uns mit Winzern und Hochschulen zu vernetzen, die so ähnlich ticken wie wir“, sagte Professor Dr. Ulrich Steger von „Slow Food Rheingau“ beim „Symposium Roter Riesling“, das in der Hochschule Geisenheim University stattfand. Die vom Institut für Rebenzüchtung gemeinsam mit „Slow Food“ organisierte Veranstaltung möchte auf das große Potenzial dieser Rebsorte aufmerksam machen.

Zentrale Argumente für ein stärkeres Interesse am Roten Riesling sind die Bio-Diversität im Weinbau, die angesichts der Risiken des Klimawandels erhöhte Aufmerksamkeit erfordert, sowie die ökonomische Dimension. Regionalspezifische, historische Rebsorten sollen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den internationalen Standardsorten gestärkt werden.

Der Rote Riesling ist eine alte Rebsorte, die lange Zeit in Vergessenheit geriet, obwohl der heutige Riesling eine Mutation dieser Sorte ist. Vor 400 Jahren war noch die überwiegende Fläche im Rheingau mit Rotem Riesling bestockt. Aus einigen wenigen Rebstöcken, die im Rüdesheimer Berg und an der hessischen Bergstraße überlebt haben, gelang es in Geisenheim, neues Rebmaterial zu züchten. Eigentlich ist auch der rote Riesling eine Weißwein-Rebsorte. Aber im Gegensatz zum gewohnten weißen verfärben sich die Beeren des roten Riesling von Grün ins Rote und haben bei Erntereife eine ins Bläuliche spielende Färbung.

Professor Dr. Hans R. Schultz freute sich über die vielen Gäste beim Symposium, der Gerd Erbslöh Hörsaal war von den Sitzen her fast ausgelastet. Charmant begrüßt wurde das Publikum auch von der Rheingauer Weinkönigin Katharina Fladung, die an der Hochschule Geisenheim University im fünften Semester Internationale Weinwirtschaft studiert. „Deutschand ist Riesling, der Rheingau ist Riesling“, sagte sie und sprach damit das aus, was für so viele eine unumstößliche, oft ein Leben lang gelebte Erfahrung ist. Der Riesling ist untrennbar mit Deutschland und besonders mit dem Rheingau verbunden, wo er einige seiner schönsten Perlen kultiviert – aber es gibt ihn auch anderswo in der Welt. Und das, obwohl man ihn im Allgemeinen als zimperlich gegenüber Wetter- und Klimabedingungen kennt. Er braucht gemäßigtes Klima, Sonne, auch Feuchtigkeit, aber von beidem nicht zu viel. Die Mosel, die österreichische Wachau, der Veneto in Italien, Elsass, Bayuls und Champagne in Frankreich, Südtirol, das Douro-Tal in Portugal, Napa Valley in Kalifornien, Clare Valley, Mount Barker und Adelaide Hills in Australien, Blenheimm in Neuseeland – sie alle sind guten bis hervorragenden Riesling produzierende Anbaugebiete. Zu den Riesling-Anbaugebieten mit Ruf gehören auch Yakima Valley in Washington State, USA und Okanaga Valley in British Columbia, Kanada.

Slow Food macht sich stark für Biodiversität, unter dem Motto „gut, sauber, fair“. Klone, nicht im Sinne von etwas ganz und gar Künstlichem, sondern im Sinne von Spielarten, haben dabei eine herausragende Rolle. Weltweit reduziert der Mensch immer mehr die Vielfalt in der Flora und Fauna. Dagegen muss er angehen, und sei es mit der Erzeugung von neuer Biodiversität, in der Forschung, wie sie zum Beispiel in Geisenheim an der Tagesordnung ist. Hier werden seit jeher Weinblüten in Fingerspitzenarbeit „kastriert“, um dann einen fremden Bestäuber aufgepfropft zu bekommen. So erforscht man neue Traubenkreuzungen und damit neue Weine, mit möglichst optimalen Eigenschaften.

Das Klima und die Klimaveränderungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Weinerzeugung. In Deutschland sind in den letzten Jahren die Winter milder geworden, die Sommer heißer, aber das gesamte Jahresklima auch feuchter. Regen, besonders in der Reifeperiode der Trauben, also im Spätsommer und Herbst – das bedeutet zunehmende Gefahr von Fäulnis im Weinberg. Es gilt also, die Forschung auf diese Problematik hin auszurichten, betonte Professor Schultz.

Das Programm beim Symposium Roter Riesling war prall gefüllt. Nach den Fachvorträgen von Professor Schultz und Professor Steger folgte der dritte Fachvortrag von Professor Dr. Ernst Rühl vom Institut für Rebenzüchtung zum Thema des Tages. Der Nachmittag begann mit Praxisberichten von Weingutinhaber Dr. Matthias Corvers, Diplom-Ingenieur Reinhard Antes sowie Armin Treusch, Koch und Sommelier. Anschließend fanden sich der Präsident des Rheingauer Weinbauverbandes Hans-Peter Seyffardt, Dr. Uwe Hofmann vom Umweltministerium Rheinland-Pfalz und Vertreter der Hochschule Geisenheim sowie von Slow Food Rheingau zu einer Podiumsdiskussion zusammen. Danach konnten alle Symposiumsteilnehmer eine große Verkostung von Roten Rieslingen verschiedenster Weingüter genießen.

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