„Und dass der Wein erfreue des Menschen Herz“
Feierliche Übergabe einer Skulptur in Erinnerung an Josef Staab auf dem Josef-Staab-Platz

Feierliche Einweihung der Skulptur als Würdigung der Verdienste von Josef Staab, bisher einziger Ehrenbürger der Gemeinde Kiedrich.

Kiedrich. (mh) – Nachdem der Platz hinter dem Rathaus im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen e.V. im September 2015 den Namen „Josef-Staab-Platz“ erhalten hatte, wurde in Erinnerung an den Ehrenbürger dort von diesem Verein der Gemeinde eine Skulptur übergeben.

Bürgermeister Winfried Steinmacher freute sich, zu dieser Feierstunde insbesondere Elisabeth Staab, Ehefrau ihres inzwischen verstorbenen Mannes Josef, sowie dessen Tochter Barbara Beine willkommen heißen zu können. Ferner die CDU-Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper und Anne-Linke-Diefenbach, Vorsitzende des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen sowie alle, die an der Erstellung der Skulptur mitgewirkt haben.

In seiner Laudatio erinnerte Steinmacher daran, dass der Verein es sich zur Aufgabe gemacht hat, das alte Kulturgut zu bewahren und die Bindung an die Heimat zu vertiefen. Insbesondere Josef Staab habe sich voll und ganz dieser Zielsetzung verschrieben. Durch eine Vielzahl von Ausstellungen, Dokumentationen, Schriften, Vorträgen und Buchveröffentlichungen bilde der Förderkreis eine unverzichtbare Brücke zwischen den Generationen.

Josef Staab ist, wie Steinmacher ausführte, im Dezember 1919 im gotischen Weindorf als ältester Sohn der alteingesessenen Winzerfamilie Michael und Barbara Staab geboren. Der Diplom-Landwirt, Domänenrat über viele Jahre auf Schloss Johannisberg, Historiker für Kiedrich und den Rheingau, sei auch über die Grenzen der gesamten Region bekannt gewesen und geschätzt worden. Seine Heimatverbundenheit habe von Kindesbeinen an bestanden.

Ausführlich stellte Steinmacher die Vita von Josef Staab dar. Dabei wies er darauf hin, dass dieser sich bereits als junger Chorsänger dafür einsetzte, dass mit der Restaurierung der Gesänge in der Schönborn'schen Fassung analog der vatikanischen Reformausgabe mit Hilfe von Bruno Kriesel ein einmaliges Kulturgut gerettet werden konnte.

Neben diesem großartigen Einsatz für die Gregorianik im germanischen Dialekt entsprechend der Mainzer Tradition habe Josef Staab sich auch mit zahlreichen Publikationen zur Forschung auf diesem Gebiet sowie zur Geschichte des Weinbaus insbesondere im Rheingau und zur Geschichte Kiedrichs besondere Verdienste erworben. Aufgrund der von ihm erstellten kulturhistorischen Studie über seine Heimatgemeinde habe das gotische Weindorf bei der Gebietsreform 1977 als kleinste Gemeinde im Rheingau seine Selbstständigkeit bewahren können.

Völkerverständigungersten Ranges

Steinmacher wies auch darauf hin, dass Josef Staab maßgeblich am Zustandekommen der 1000. deutsch-französischen Verschwisterung zwischen Kiedrich mit Hautvillers in der Champagne, „einer Völkerverständigung ersten Ranges“, beteiligt war. Aufgrund seiner zahlreichen Verdienste habe ihm die Gemeinde, nachdem er bereits viele Ehrungen erhalten hatte, als bislang einzigem Bürger das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde verliehen. Die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz habe im 1987 die Ehrendoktorwürde Dr.rer.nat.h.c. verliehen.

Neben zahlreichen Aufsätzen und Berichten, wissenschaftlichen Vorträgen über den Weinbau und über Erkenntnisse der Baugeschichte der beiden gotischen Kirchen gehe auch die Erstellung der einmaligen Dokumentation „Kiedricher Persönlichkeiten aus sechs Jahrhunderten“ auf dessen Initiative zurück. Mit der Benennung des Platzes hinter dem Rathaus in „Josef-Staab-Platz“ haben, so Steinmacher abschließend, „dessen Verdienste für seine Heimatgemeinde und die gesamte Region eine bleibende Würdigung erfahren“.

„Als dieser so schöne Platz im historischen Kern von Kiedrich seinen Namen „Josef-Staab-Platz erhielt, konnte dies, so Anne Linke-Diefenbach in ihrer Begründung, „nach Meinung des Förderkreises lediglich der Beginn einer weiteren und vor allem schmuckeren Gestaltung dieses Platzes sein“.

Um dem Namensgeber unserer Referenz zu erweisen, haben wir, wie sie sagte, „über die bereits angebrachte Tafel hinaus im Frühjahr dort junge Weinreben gepflanzt, Grenz-, Lagen- und Gütersteine aufgestellt und eine Skulptur in Auftrag gegeben, die sowohl dem Wirken unseres Ehrenbürgers als auch unserem Heimatort gerecht werden soll“.

„Dabei haben und hätten wir uns jedoch nicht gewagt, so Anne Linke-Diefenbach nachdrücklich, „eine dem Josef Staab gerecht werdende Büste oder sein markantes Profil beispielsweise in Bronze gießen zu lassen“.

Nach intensiven Beratungen habe sich der Vorstand darauf verständigt, den Vers „Und dass der Wein erfreue des Menschen Herz“ aus dem 104. Psalm, auch gerne als ältestes Weinlied der Weltliteratur bezeichnet, zu visualisieren. Dieser rankt sich mit den gotischen Hufnagelnoten auf den Notenlinien um den Weinstock, der aus einem markanten Sandsteinblock wächst.

Man findet, wie sie zur weiteren Begründung hinzufügte, dieses älteste Weinlied im Codex A, einer Pergamentschrift, die um 1300 im Weißfrauenkloster zu Mainz geschrieben wurde. Dieser bildete die Grundlage des „Mainzer Chorals in gotischer Hufnagelnotation im sogenannten Germanischen Dialekt“, „den unsere Kiedricher Chorbuben (und -mädchen) gleich welchen Alters noch heute fast einzig auf der Welt singen“.

Diesen Schatz habe Baronet John Sutton für Kiedrich erworben, weil nachweislich seit 1333 die Choralgesänge in dieser Form im gotischen Weindorf intoniert wurden. Da auch Josef Staab den Psalm wohl einige Male gesungen habe, sei es sehr naheliegend gewesen, diesen Vers in Notenform in Verbindung mit Weinreben zu einer Skulptur zu formen.

Anschließend haben, wie sie sagte, Erwin Talosi sowie Wolfgang und Sven Weber im Dialog die Vorstellungen von Vorstand und Beirat umgesetzt mit dem Ergebnis, dass sich künstlerischer Entwurf und Kunsthandwerk im besten Sinne des Wortes vortrefflich ergänzen.

Da die Skulptur jedoch noch nicht ganz den Ansprüchen der Herren Talosi und Weber entspreche, werde diese zur Veredelung ihrer Oberfläche noch einmal auf Reisen gehen.

Nachdem Anne Linke-Diefenbach allen an dem Projekt Beteiligten herzlich gedankt hatte, konnten die zahlreichen Teilnehmer an dieser Feierstunde ihre Herzen mit Kiedricher Wein erfreuen. Zuvor hatte die Vorsitzende den Wunsch geäußert, auf dem Josef-Staab-Platz noch Sandsteinbänke aufzustellen, „damit man sich dort auch mal hinsetzen kann“.

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