20 Persönlichkeiten aus zwölf Jahrhunderten
Walter Hell stellt sein neues Buch über bedeutende Bürger aus Oestrich-Winkel vor

Hells besonderer Dank ging an Werner Kremer, ohne den die Erscheinung des Buches nicht möglich gewesen sei.

Oestrich-Winkel. (sf) – „Die Persönlichkeit des Rabanus Maurus weist weit in das Dunkel der Geschichte hinab. Seine Welt ist uns fremd und bleibt uns ein gutes Stuck unzugänglich. Umso erstaunlicher ist es, dass der Heilige des 9. Jahrhunderts in der Oestrich-Winkeler Bevölkerung bis heute eine gewisse Aufmerksamkeit, ja sogar Bewunderung findet. Gelegentlich findet man bei der männlichen Bevölkerung Oestrich-Winkels immer noch den Vornamen Raban. Unmittelbare zeitgenössische Zeugnisse zu Rabanus Maurus‘ Leben und Wirken sind rar, selbst die „Annales Fuldenses“

nennen ihn nur sechs Mal. Auch von ihm selbst gibt es kaum biographische Äußerungen. Dies bedeutet aber keineswegs, dass er ein unbedeutender Mann gewesen sei. Im Gegenteil: Er war der erfolgreichste Autor des 9. Jahrhunderts. Das literarische Werk Rabans ist etwa zehn Mal so umfangreich wie das der Heiligen Hildegard. Seine Werke sind uns in mehr als 1.000 Handschriften überliefert“, hochinteressant und weit über das hinausgehend, was zum Allgemeinwissen über den Heiligen gehört, ist das, was Walter Hell zu der Winkeler Persönlichkeit des Rabanus Maurus schreibt, der 780 oder 783 in Mainz als Sohn des adeligen Grundherrn Waluram und seiner Frau Waltraut geboren wurde. Rabanus Maurus ist eine der 20 Persönlichkeiten aus der Stadt Oestrich-Winkel, die der heimische Historiker in seinem neuen, 120 Seiten starken Buch beschreibt.

„Bei meinen langjährigen Recherchen bin ich immer wieder auf Persönlichkeiten aus der Geschichte der Gemeinden Winkel, Mittelheim und Oestrich gestoßen, von denen ich dachte, dass sie es verdient hatten, einmal etwas ausführlicher dargestellt zu werden. Deshalb lege ich mit dieser Auswahl einige Porträts von bedeutenden historischen Oestrich-Winkeler Persönlichkeiten vor, die sicher noch erweitert werden kann“, erläuterte der Autor bei der Vorstellung seines neuen Buches im Oestrich-Winkeler Bürgerzentrum am vergangenen Freitagabend. Den Stadtteil Hallgarten hat Walter Hell bewusst nur mit einem Porträt berücksichtigt. Dieses Feld überlässt er dem Verein Weindorf Hallgarten und Dr. Rosskopf, die sich ausgiebig mit der Geschichte ihres Heimatorts beschäftigen.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde, die vom Mandolinen-Orchester Winkel in Kooperation mit dem Mandolinenclub Edelweiß Kiedrich und unter der Leitung von Vladimir Korol umrahmt wurde, hatte Hell sein neustes Werk vorgestellt. Stadtrat Werner Fladung stellte in einer Laudatio den verdienten heimischen Historiker und ehemaligen Lehrer vor: „Der Heimatforscher Walter Hell stammt aus Geisenheim und studierte in den siebziger Jahren an der Johannes- Gutenberg- Universität in Mainz Germanistik, Geschichte und Pädagogik. Er ist in Oestrich-Winkel als Herausgeber zahlreicher Werke mit historischem Hintergrund bekannt“. Fladung ging darauf ein, dass Hells historisches Interesse vornehmlich dem Rheingau gelte, wo seine Familie seit dem 16. Jahrhundert beheimatet ist: „Sein enges Verhältnis zum Rheingau und seiner Geschichte ist aber durchaus ein kritisches, wie eigenständige Monografien wie „Vom Braunhemd zum Persilschein. Nationalsozialismus und Entnazifizierung im Rheingau“ unter seinen über 130 geschichtlichen Publikationen zeigen. Der 1. Stadtrat verriet, dass er selbst auch emsiger Leser dieser heimatlichen Geschichtsbücher sei und nicht nur das Buch zur Fastnacht im Rheingau besitze. Er nannte weitere Publikationen wie „Vom Mainzer Rad zum Hessischen Löwen. Aufsätze zur Rheingauer Geschichte“ und jetzt eben den neuesten Titel „Persönlichkeiten aus Oestrich-Winkel“: „Die Geschichte Oestrich-Winkels ist reich an historischen Persönlichkeiten, über deren Leben und Wirken zum Tell wenig bekannt ist. Walter Hell stellt in seinem Buch zwanzig Persönlichkeiten aus zwölf Jahrhunderten in sorgfältig recherchierten Porträts vor und nimmt seine Leser mit auf eine spannende Reise durch die Geschichte der ehemals selbständigen vier Stadtteile Winkel, Mittelheim, Oestrich und Hallgarten“, so Fladung. Es sei ein fesselndes Werk: „Für jeden interessant, der Oestrich-Winkel kennt und schätzt“.

Walter Hell selbst verriet, dass er vor mehr als vier Jahren schon mit den Recherchen begonnen hatte und ein Ende nicht in Sicht sei: „Weitere Persönlichkeiten könnten eventuell in einem weiteren Bändchen dargestellt werden“, meinte er und ging aber auch darauf ein, wie viel Arbeit und Risiko ein solches Buch im Selbstverlag mit sich bringe. Sein besonderer Dank ging an Werner Kremer aus Kiedrich und seine Frau Birgitta, die durch ihre Unterstützung das Erscheinen des Buches erst möglich gemacht hätten.

„Aus Einzelporträts entstanden gelegentlich ganze Familiengeschichten und Exkurse in die jeweiligen historischen Zeitumstande der Protagonisten. Aus der Geschichte Hallgartens habe ich nur eine Familie und eine Persönlichkeit in den Band aufgenommen, da für diese Gemeinde Dr. Josef Rosskopf schon ansprechende Porträts vorlegt hat“, so der Autor. Auf berühmte Personen wie die Brentanos in Winkel und Caroline Günderode habe er in seiner Sammlung bewusst verzichtet: „Deren Geschichte wurde schon mehrfach ausführlich beschrieben, da gibt es nichts neues mehr zu berichten“. Dafür werde der Leser andere Persönlichkeiten entdecken, die ihn bisher unbekannt gewesen sein dürften, kündigte Hell an.

Neben „Rabanus Maurus – Ein Wohltäter von Oestrich und Winkel in der Hungersnot“ gibt es Kapitel wie „Geistliche, Beamte und Soldaten – Das Adelsgeschlecht der Greiffenclau zu Vollrads“, bei dem Hell auf eine gründlichere historische Recherche als im neuen Buch von Wolfgang Junglas pochte, „Familie Geromont – aus Belgien nach Winkel“, „Johann Georg Herber – Ein aufrechter Kampfer für den Verfassungsstaat“, „Hoffmann von Fallersleben – und seine republikanischien Freunde in Oestrich-Winkel“, „Die Familie Etienne – Drucker, Herausgeber und Redakteure des „Rheingauer Bürgerfreund“, „Wilhelm Nicolay – Zwei bemerkenswerte Geistliche gleichen Namens“, Bernhard und Philipp Karl Hoehl – Sektpioniere aus Mittelheim“, „Peter Spahn aus Winkel und die Zentrumspartei“, „Dr. med. Heinrich Caster – Kurarzt und Schulgründer“, „Professor Dr. Adolf Lehne – Pionier der Färbemittel und des Patentwesens“, „Pfarrer Nikolaus Fischbach – Zentrumsmann und Weinpfarrer“, „Oestrich-Winkeler Geistliche im Konflikt mit den Nationalsozialisten“, „Pfarrer und Bischof Ferdinand Dirichs“, „Dr. Siegfried Salomo „Fritz“ Hallgarten – Jurist und Weinfachmann“, „Max Meyer – tatkräftiger Bürgermeister in schwieriger Zeit“, „Ruth Hottenroth – letzte Nachfahrin einer bedeutenden Künstlerfamilie“ und „Siegfried Richter – ein Pionier der Polstermöbelfertigung“. Auch seine eigene Geschichte beschreibt der Autor in dem Kapitel „Die Altrheingauer Familie Hell – 16.-18. Jahrhundert“.

„Die Darstellungen sind fortlaufend chronologisch angeordnet. Sie umspannen die Zeit vom 8. bis zum 20. Jahrhundert“, erläuterte er. Für andere Rheingauer Gemeinden wie Geisenheim, Johannisberg und Kiedrich würden solche Sammlungen von Kurzbiographien bedeutender historischer Persönlichkeiten und Familien bereits vorliegen: „Meine Sammlung möchte sich in aller Bescheidenheit hier einbringen. Die von mir beschriebenen Persönlichkeiten wurden entweder in den vier Gemeinden der Stadt Oestrich-Winkel geboren und verbrachten dort auch den großen Teil ihres Lebens oder sie ließen sich wenigstens für eine gewisse Zeit in Oestrich-Winkel nieder“, so der Autor. Die meisten hätten die Geschichte der vier Gemeinden mitgeprägt, einige hätten sogar über Oestrich-Winkel hinaus Bedeutung gewonnen. „Doch sind heute viele von ihnen weitgehend in Vergessenheit geraten. Ihnen wieder die berechtigte Aufmerksamkeit zu schenken, ist das Anliegen dieses kleinen Büchleins“, so Walter Hell, der seinen Lesern eine lohnende Entdeckerreise durch die Geschichte der Stadt Oestrich-Winkel wünschte.

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