Sehnsucht nach der Taiga
Neun Ural Kosaken und eine schöne Kosakin sangen mit dem GV Eintracht Oestrich

Einträchtig und sichtlich froh über den Besuch der Kosaken läuteten die Sänger der Eintracht Oestrich das Konzert ein.

Oestrich. (sm) – Von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet, von der „Russenbluse“ mit dem steilen Kragen bis hin zu den Reiterstiefeln, schritten sie vom Eingang der katholischen Kirche St. Martin und stellten sich vor dem Altarraum auf. Der russische „Ural Kosakenchor“ war im Jahr 1924 in Paris von dorthin emigrierten Kosaken gegründet worden.

Jetzt trat er im Rheingau zusammen mit dem Gesangverein Eintracht auf, geboten wurden sakrale und volkstümliche Weisen sowie Lieder der 1969 verstorbenen Sängerin Alexandra, die bei ihrer eigenen Generation und sogar bei einigen Jüngeren immer noch sehr beliebt ist.

Die „Eintracht“ begrüßte die zahlreichen Gäste und eröffnete das Konzert mit Alexandras „Sehnsucht“, einem ihrer berühmtesten Lieder, das sie aber selbst nicht besonders mochte. Danach ging es hinauf in die Berge, mit dem „Ave Maria der Berge“ – heitere, sonnige Töne mit angedeuteten Almkuh-Glöckchenklang.

In dem gemischten Chor der Eintracht stechen die weiblichen Stimmen hervor, die Russen jedoch brachten die Schönheit eines reinen Männerchores zum Ausdruck. Gewaltige, metallisch wirkende, tiefe und melodische Stimmen, neun Männer, die den Eindruck einer einzigen Riesenstimme vermittelten. Der Dirigent brachte die Sänger mit seiner Stimmgabel vor jedem Lied auf den richtigen Kurs. Geistliche Gesänge, Lieder der russischen Seele, Erinnerungen an Alexandra – das Publikum konnte in schön-romantisch-trauriger Musik baden. Besonders begeistert waren alle von der hübschen deutschen Solistin Dorothea Lotsch, die den russischen Chor bei auserlesenen Galakonzerten begleitet. Sie interpretierte vor allem Alexandras Lieder, auf deutsch oder russisch, wie „Ja lublu tebja“ (Ich liebe dich), „Schwarze Augen“ oder „Der große Strom“. Alexandra, mit bürgerlichem Namen Doris Nefedov, wurde am 19. Mai 1942 als Doris Wally Treitz in Heydekrug geboren und starb am 31. Juli 1969 bei einem tragischen Autounfall. Bekannt wurde sie Mitte der 1960er Jahre mit Liedern wie „Mein Freund, der Baum“, „Akkordeon“ oder „Zigeunerjunge“.

In einem blauschwarzen Abendkleid und mit ihrem herzlichen Lächeln eroberte Dorothea Lotsch die Herzen der Konzertbesucher. Mit viel Gefühl ließ sie das Repertoire der außergewöhnlichen Chansonsängerin Alexandra wiederauferstehen ... zahlreiche Auftritte gemeinsam mit dem Ural Kosaken Chor hat es bereits gegeben, jedes Mal ein Programm aus russischen und ukrainischen Volksweisen, Werken russischer Klassiker und anderen. Nach der russischen Revolution von 1917 emigrierten viele zarentreue Kosaken und verteilten sich über Europa und die USA. Nach Kriegsausbruch stellte die Formation 1940 ihre Tätigkeit ein, die Mitglieder zerstreuten sich in alle Winde. In der Zeit von 1951 bis 1955 leitete Andrej Scholuch dann den Schwarzmeer Kosaken Chor, dessen Mitglieder schließlich im neu aufgestellten „Ural Kosaken Chor“ aufgingen. Berühmtestes Mitglied war „der deutsche Russe“ Ivan Rebroff. Aufgrund von Scholuchs Alter und auch der Überalterung der meisten Mitwirkenden führte der Chor 1972 seine letzte Tournee durch, danach – von 2006 bis 2007, übernahm Alexander Skovitan, der Sohn von Alexandra, vorübergehend dessen musikalische Leitung und schwang den Taktstock, bevor dieses Amt an Vladimir Kozlovskkyy aus der Ukraine überging.

Der Gesangverein Eintracht wurde am 15. Mai 1881 aus der Taufe gehoben vom Männergesangverein und der Eintracht Oestrich, beide schlossen sich im Mai 1919 zum Männerchor Oestrich zusammen und änderten im Januar 1991 ihren Namen in „GV Eintracht 1881 Oestrich e.V.“ Damit war der Chor auch für Frauen geöffnet, gemeinsam übte man im Vereinslokal der Pfingstbachschule. Zurzeit gibt es in der Eintracht 36 aktive Sängerinnen und Sänger, Dirigentin ist Gabriele Lang-Engelhardt. „Wir möchten mit Spaß und Freude den Chorgesang pflegen und mit Heiterkeit ein geselliges Miteinander fördern“, sagen sie.

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