Frank Kilian ist der neue Landrat
Parteiloser Kandidat gewinnt bereits im ersten Wahlgang deutlich mit 58,7 Prozent

Der neue Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises Frank Kilian mit seiner Ehefrau am Wahlabend im Kreishaus.

Rheingau. (mg) – Die Bürger im Kreis haben entschieden. Zumindest die 37,7 Prozent der insgesamt rund 146.500 Wahlberechtigten, die am letzten Sonntag an der Landratswahl teilgenommen haben. Ab 5. Juli heißt der neuen Landrat im Rheingau-Taunus-Kreis Frank Kilian. Für viele überraschend war, dass bei drei Bewerbern die Wahl trotzdem schon im ersten Wahlgang entschieden und keine Stichwahl notwendig wurde.

Deutlich mit 58,7 Prozent holte sich der parteilose Kilian den Sieg vor den Mitbewerbern Andreas Monz von der CDU (36,9 Prozent) und dem Kandidaten der Linken, Benno Pörtner (4,4 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 37,7 Prozent, und damit höher als bei vielen anderen Direktwahlen von Landräten.

Damit steht der Nachfolger für den bisherigen Landrat Burkhard Albers (SPD), der auf eine weitere Kandidatur verzichtet hatte, fest. Die Stadt Geisenheim braucht indessen durch den Wechsel ihres Bürgermeisters an die Spitze des Landkreises einen neuen Verwaltungschef oder Verwaltungschefin.

Ab jetzt wird Frank Kilian übrigens nicht mehr auf ein eigens Handy verzichten können, wie er es als Bürgermeister noch getan hat, weil er über sein Büro ohnehin ständig erreichbar war. Als Landrat wird er jetzt wohl ein Smartphone mit sich führen müssen.

Der Wahltrend zugunsten des parteilosen Kandidaten zeichnete sich schon nach Bekanntgabe der Ergebnisse aus den ersten Wahlbezirken Heidenrod und Lorch um 18.08 Uhr ab. Für Kilian sollte es ein klarer Start-Ziel-Sieg werden, der sich in der Informationszentrale in der Cafeteria des Kreishauses abzeichnete. Die kurz nach Schließung der Wahllokale eintrudelnden Ergebnisse waren deutlich und wurden von den CDU-Vertretern vor Ort mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Als Frank Kilian, für den im Wahlkampf SPD und Grüne sowie verschiedene Wählervereinigungen eine Wahlempfehlung abgegeben hatten, mit seiner Frau und seinen Unterstützern die Cafeteria betrat, brach bereits Jubel. Als gegen 19.30 Uhr das vorläufige amtliche Endergebnis feststand, hatte Frank Kilian in allen 17 Städten und Gemeinden gewonnen und konnte von allen Seiten Glückwünsche entgegennehmen, auch in fairer Weise von seinen unterlegenen Mitbewerbern. In einer ersten Reaktion dankte Kilian für den großen Vertrauensvorschuss der Wähler in seine Arbeit. Sein Dank galt aber auch den Gegenkandidaten Monz und Pörtner für ihren persönlich fair geführten Wahlkampf.

In der von Anhängern aller drei Kandidaten sehr gut gefüllten Cafeteria des Kreishauses in Bad Schwalbach nahmen Frank Kilian und seine Ehefrau Birgit die Gratulation entgegen.

Sieg auf der ganzen Linie

Wurde zuerst noch gemutmaßt, dass der Geisenheimer Bürgermeister Frank Kilian es im Untertaunus gegen den dort bekannteren Andreas Monz schwer haben könnte, zeigten schon die ersten Ergebnisse etwas ganz anderes.

In keinem der 17 Kommunen im Kreis konnte der CDU-Kandidat eine Mehrheit hinter sich bringen. Knapp war es nur in Niedernhausen, wo Kilian mit 0,4 Prozentpunkten vorne blieb und in Taunusstein, wo er um 0,1 Prozentpunkte Monz schlug.

Das beste Ergebnis holte Kilian in Kiedrich mit 73,9 Prozent. Aber selbst in Oestrich-Winkel kam Kilian auf 71,9 Prozent und in Lorch auf 68,6, und erhielt dort also ebenso viel Zustimmung wie in seiner Heimatstadt Geisenheim.

Auffällig gegen den Trend zeigte sich allerdings das Briefwahlergebnis in Rüdesheim. Hier haben von den 647 Briefwählern 77,4 Prozent für Andreas Monz gestimmt.

Stimmen zur Wahl

Andreas Monz war angesichts der Zahlen , die an die Wand der Cafeteria projiziert wurden die Enttäuschung deutlich anzusehen. Sein Parteifreund Paul Weimann war ebenso überrascht und ging in seiner ersten Analyse davon aus, dass sich im Moment offenbar allgemein die Stimmung gegen Parteikandidaten richte und Parteilose davon profitierten.

Monz selbst erklärte, dass er in all den Veranstaltungen keine Stimmung gegen sich wahr genommen habe und insofern vom Ausgang nicht minder überrascht sei. Die Ergebnisse der Kommunalwahl seien davon völlig abgekoppelt. Woran es letztlich lag, müssten weitere Analysen zeigen. Doch möglicherweise treibe die spürbare Politikverdrossenheit die Wähler den Parteilosen in die Arme.

Gegenkandidat Benno Pörtner, der anfänglich mit der Hoffnung auf drei Prozent ins Rennen ging, war am Ende positiv gestimmt. Er habe mit 4,4 Prozent sein persönliches Ziel erreicht. Das zeige nämlich, dass die sozialen Fragen, die er in den Landratswahlkampf getragen habe, auch im Kreistag nicht mehr einfach so abgetan werden können, wozu er sozialen Wohnungsbau und Armutsbekämpfung zählt. Darüber hinaus sei er natürlich auch mit dem Ausgang der Wahl insgesamt zufrieden. Denn ein parteiloser Landrat könne dem Kreistag gut tun.

SPD-Fraktionsvorsitzender Georg Mahr hatte insgeheim eine Entscheidung im ersten Wahlgang erwartet. Nachdem sich abzeichnete, dass Monz in keinem Wahlkreis im Untertaunus die Nase vorne hatte, war für Mahr schon frühzeitig die Wahl entschieden.

Er wertet das Votum für Kilian als deutliches Zeichen an die CDU, dass deren Vorsitzender Klaus-Peter Willsch mit seiner Öffnung nach rechts und seinem Konfrontationskurs sowie der Wahlkampfstrategie, den parteilosen Kandidaten in irgendeine Ecke zu stellen, gescheitert ist.

Die CDU habe wie schon bei Röttger gegen Albers und Nothacker gegen Albers nun auch bei Monz gegen Kilian den Kürzeren gezogen und müsse sich wohl überlegen, ob sie dem „Chefstratege“ in Zukunft weiterhin noch blind folgen will.

Dass sich Monz als Landratskandidat auch auf seinen Plakaten in den Schatten von Willsch gestellt habe, scheint das falsche Signal gewesen zu sein, mutmaßt Mahr. Monz habe kein eigenständiges Profil gezeigt.

Trotzdem war auch Mahr von dem Ergebnis in dieser Höhe überrascht, angesichts des Rückhalts, den die CDU noch während der Kommunalwahl in vielen Städten hatte.

Ingrid Reichbauer, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag war selbst von der Deutlichkeit des Ergebnisses überrascht, das für die CDU, die in jüngster Zeit gerade am rechten Rand nach Wählerzustimmung gefischt habe und einen „unsäglichen Wahlkampf“ betrieben habe, eine Klatsche sei. Offenbar sei das sachliche Auftreten von Kilian von den Bürgern honoriert worden.

Landrat Burkhard Albers ist glücklich über die Wahl seines Nachfolgers. Schließlich habe Kilian auch in seiner eigenen Kommune bewiesen, dass er als Parteiloser mit schwierigen politischen Verhältnissen umgehen kann. Er bringe diesbezüglich gute Voraussetzungen mit. Das kann ihn im Kreis zugute kommen. Und da könne es von Vorteil sein, nicht in der Parteipolitik verhaftet zu seien.

Über seine persönliche berufliche Zukunft nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wollte indessen Albers noch nichts verraten. Es sei noch nichts unterschrieben.

Der CDU-Vorsitzende Klaus-Peter Willsch war sichtlich enttäuscht am Wahlabend. Welche Fehler man möglicherweise gemacht habe oder ob es falsche Themensetzungen gab, das könnten erst spätere Analysen zeigen. Die CDU habe jedenfalls mit offenem Visier gekämpft

Die SPD habe auf einen parteilosen Kandidaten gesetzt und habe damit möglicherweise die Verdrossenheit der Bürger gegenüber Parteien genutzt. Doch das könnte auch ein recht kurzzeitiger Nutzen sein, weil dies auf Dauer dazu führen könnte, dass sich die Parteien selbst das Wasser abgraben.

Das Ergebnis sei zweifellos enttäuschen für alle, die Monz unterstützt haben. Andererseits sehe er einer Zusammenarbeit mit Kilian positiv entgegen zumal er diesbezüglich schon gute Erfahrungen gemacht habe.

Andererseits werde man in Sachen Windkraft und Energiewende im Kreistag entsprechende Beschlüsse fassen, um die Verwaltung daran zu binden.

Die AfD begrüßt in einer Pressemitteilung das klare Votum der Bürger zu Kilian. Dieses Wahlergebnis zeige die starke und überparteiliche Stellung, die der zukünftige Landrat haben werde.

Klaus Gagel, Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag, gratulierte am Montag und machte deutlich, dass die AfD im Kreis mit dem neuen Landrat konstruktiv in allen Sachfragen mitarbeiten werde, solange sich die im Wahlkampf beworbene Parteilosigkeit im Nachhinein nicht als Etikettenschwindel herausstelle. Bürgernähe und das Bekenntnis zur Heimat seien Kilian`s Trumpfkarten, die auch bei der AfD auf Sympathie stoßen.

Das Wahlergebnis zeige auch die Abneigung der Bürger gegen Kandidaten von etablierten Parteien, interpretierte Dr. Frank Grobe, stellvertretender Sprecher der AfD Rheingau-Taunus, die Zahlen.

Menschen im Blick behalten

Der neugewählte Landrat Frank Kilian resümierte angesichts der Zahlen, dass seine Bemühungen, die Bürger in den Mittelpunkt seines Walkampfes zu stellen, statt den politischen Streit, wohl aufgegangen sei.

„Ich bin nicht angetreten, um zu verlieren“, bringt Kilian seine Kandidatur optimistisch auf den Punkt. Dass er aber auch im ganzen Untertaunus die Nase vorne hatte, war selbst für ihn erstaunlich.

Positiv bewertetet er den von den Kandidaten in aller Fairness geführten Wahlkampf, wofür er sich auch offiziell nochmals bedankte. Man habe sachlich die unterschiedlichen Standpunkte herausgearbeitet und dabei auch viel Konsens entdeckt, ganz im Sinne einer Demokratie, bei der es zwangsläufig in Abstimmungen Gewinner und Verlierer geben müsse.

Ob Politikverdrossenheit für ihn gearbeitet habe, vermochte er nicht zu beurteilen. Doch offensichtlich trauten die Wähler ihm zu, als Parteiloser die Kreisverwaltung zu leiten, auch angesichts der Tatsache, dass er dies als Bürgermeister in Geisenheim schon in der Praxis bewiesen habe. Diese Stimmung habe er durchaus auch schon bei den Wahlkampfveranstaltungen wahrgenommen. Letztlich wohl eher die Person und nicht die Partei wahrgenommen worden.

Aber auch wenn er jetzt für die Arbeit in einem größeren Wirkungskreis berufen worden sei, solle in den verbleibenden fünf Monaten die Arbeit als Bürgermeister in Geisenheim nicht darunter leiden.

Natürlich besteh nun die Notwendigkeit eine Vorlage zur nächsten Bürgermeisterwahl einzubringen. Das werde aber nicht schon diese Woche geschehen, so Kilian. Man habe ausreichend Zeit. Möglicherweise werde in Geisenheim ja angepeilt, die nächste Bürgermeisterwahl mit der Bundestagswahl zusammenzulegen.

Aber schon jetzt wolle er sich nebenbei auf sein neues Amt vorbereiten. Auch wolle er unbedingt die Mitarbeiter im Kreishaus persönlich kennen lernen, weil dies für eine gute Zusammenarbeit unabdingbar sei.

„Ich brenne darauf, das Amt anzutreten“, so seinSchlusswort am Wahlabend, mit dem er zugleich alle Anwesenden zu einer Wahlparty in der Waas´schen Fabrik in Geisenheim einlud.

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Kommentare

Landrat wird als Person gewählt

Beim CDU -Wahlkampf gab es für die Wähler kein Angebot für eine bestimmte Person. Der Kandidat MONZ wurde in den Block diverser Amtsträger eingebunden unter Führung des Chefstrategen Willsch. Das musste gründlich in die Hosen gehen.
Angereichert wurde das Ganze noch mit Anfeindungen gegen die Unterstützer des parteilosen Bürgermeisters aus Geisenheim, Frank Kilian.
Liebe CDU: Die Wähler haben das Spiel schnell durchschaut. Der CDU-Kandidat wäre unweigerlich zum Spielball der CDU und den Parteioberen geworden.
Eigene Meinung war gefragt und nun haben wir einen Landrat mit eigenem Format und viel Sachverstand.
Hoffentlich lernt die CDU etwas aus dem für sie sehr missglückten Wahlgang.

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