„Der Rheingau hat durch alle vier Nominierten viel gewonnen“
Wolfang Blum wurde auf der Rheingauer Wein Bühne als Rheingauer des Jahres 2017 ausgezeichnet

Wenn Wolfgang Junglas (links) Michael Gamisch auf die Bühne bittet, steigt die Spannung.

Rheingau. (chk) – „Jean-Dominique Risch, Martin Vogel, Bernd Hans Gietz und Dr. Winfried Rathke verbindet eines: Sie waren schon Rheingauer des Jahres“, eröffnete Chefredakteur Michael Gamisch seine Laudatio, bevor er im zweiten Teil der Talkshow Rheingau live mit Wolfgang Junglas die vier aktuell Nominierten auf die Bühne bat. Schwester Wilhelmine Schmidt, Wolfgang Blum, Harald Berg oder Hermann Becker – wer würde die Trophäe diesmal mit nach Hause nehmen?

Zum ersten Mal war es nicht Michael Gamisch, der das Geheimnis lüftete, auch nicht Wolfgang Junglas, sondern der Rheingauer des Jahres 2016, Dr. Winfried Rathke, der ein schnelles, originelles und natürlich heiteres Gedicht auf den Preisträger getextet hatte. Schon beim Titel „Der Django“ wussten viele im Saal, um wen es geht, denn „Django“ ist Wolfgang Blums Spitzname seit seiner Jugendzeit. Auch wer „Django“ noch nicht kannte, konnte sich die Lösung schon nach den ersten beiden Strophen erschließen. Denn wer sonst wandert, kraxelt, klimmt, klettert, schwirrt und prescht mit Gästen durch Auen, Wälder und Hecken? „Er ist ein ganz besonders Eiliger, ein Wander-Papst, ein Heiliger.“ Für Rathke ist Django das Original, und sein Deckname: Wolfgang Blum.

Für ihn hatten die meisten Rheingau Echo-Leser gestimmt und er durfte die Trophäe von Wolfgang Junglas entgegennehmen. Michael Gamisch überreichte ihm den goldenen Umschlag. Darin war ein vergrößerter Vorab-Ausdruck der Titelseite des Rheingau Echos vom folgenden Tag. Der Preisträger, der im ersten Teil von Rheingau live (siehe dazu gesonderten Artikel) von Wolfgang Junglas schon gemeinsam mit Leila Emami zum Thema Krimi-Wanderungen interviewt worden war, hatte inzwischen sein Pilger-Outfit angelegt und meldete sich nach dem tosenden Applaus des Publikums selbst zu Wort. „Danke, ihr habt mich gewählt, aber der Titel gebührt allen Akteuren, die sich auf den Wegen in unserer Region für das Wandern die Hacken ablaufen“. Dabei schloss er ausdrücklich seine Frau Ute und seine beiden Söhne Christian und Constantin mit ein, die sich bei seinen geführten Touren um das Wohl der Wanderer kümmern. Den Zuschauern im Saal legte er ein Zitat des deutschen Dichters Johann Gottfried Seume ans Herz: „Vieles ginge besser, wenn man mehr ginge“. Auf dem Jakobsweg zu pilgern sei sicher eine besondere Erfahrung. „Aber diese Erfahrung kann man auch hier im Rheingau beim Pilgern auf dem Klostersteig machen.“

Auf Initiative von Wolfgang Junglas hat das Rheingau Echo 2013 in Kooperation mit der Rheingauer Weinbühne diesen regionalen Wettbewerb ins Leben gerufen. Er soll auf individuelle Leistungen aufmerksam machen, die den Rheingau als Region stärken, ihn liebenswert machen oder die Lebensqualität erhöhen. „Auf der Bühne gewinnt heute nur einer, doch der Rheingau hat bereits durch alle vier Nominierten viel gewonnen“, hatte Michael Gamisch zuvor betont. „Allein schon in der Nominierung zeigt sich die Wertschätzung.“ Diese Wertschätzung drücke sich auch darin aus, dass viele Leserinnen und Leser namentlich für ihren Favoriten abgestimmt hätten. Und dies nicht, weil ein Gewinn lockte, sondern allein, um das Engagement der vier vorgeschlagenen Personen zu würdigen. So gab es ganz gewiss keine Verlierer an diesem Abend, sondern Silber für die drei Nominierten, die keine Trophäe mit nach Hause nehmen konnten. Die drei silbernen Umschläge enthielten die Nominierungsurkunden.

Vielfältiges Engagement

Im Rheingau Echo waren in den Wochen zuvor alle vier Nominierten vorgestellt worden, und nun präsentierten sie sich live auf der Bühne in der Brentanoscheune. „Vor 50 Jahren als alleinstehende Frau das Wagnis einzugehen und ein Seniorenheim zu gründen, war nicht leicht. Sie brauchte damals keine Frauenquote, sondern unternehmerischem Mut, Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen“, stellte Gamisch die einzige Frau unter den Kandidaten vor, Schwester Wilhelmine Schmidt, die ihr Seniorenheim inzwischen in eine gemeinnützige Stiftung überführt hat und immer noch selbst als Geschäftsführerin tätig ist, wie sie im Interview mit Wolfgang Junglas erklärte. Mit ihrer Erlaubnis verriet er ihr Alter, das man ihr keineswegs ansieht oder anmerkt: 90 Jahre. Darauf reagierte das Publikum mit einem kräftigen Applaus.

Als „Vereinsmensch durch und durch“ präsentierte Michael Gamisch den Hattenheimer Harald Berg, der dort vor 41 Jahren den Tennisclub Blau-Weiß initiiert und mitgegründet hat, seitdem Erster Vorsitzender ist und überall anpackt, wo er gebraucht wird. „Wie schaffen Sie es, über einen so langen Zeitraum Menschen für die Mitarbeit im Verein zu motivieren?“, wollte Junglas wissen. „Am Anfang war es noch leicht, aber es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die im Vorstand mitwirken oder im Verein helfen“, antwortete Berg und fügte optimistisch hinzu: „Wir üben weiter.“

„Sein kulturelles Schaffen war für ihn immer ein kreativer Gegenpol zu der Welt der Zahlen in seinem Beruf als Prokurist und Leiter des Rechnungswesens bei der Rheingauer Volksbank“, stellte Gamisch Hermann Becker vor, der sich als Moderator von Chorkonzerten profiliert hat. Den Anstoß dazu gab übrigens Bernd Hans Gietz. Außerdem hat sich Becker als Mundartdichter und -autor einen Namen gemacht und engagiert sich als Vorsitzender des Freundeskreises der Mittelheimer Basilika. Junglas ließ sich von Becker über die Vorzüge der Rheingauer Mundart aufklären, denn der Mundart-Experte gehört auch zu den Mitstreitern, die mit Hedwig Witte und Ulrike Neradt den Rheingauer Mundartverein gegründet haben.

Musikalisch eingeleitet wurde die Vorstellung der Nominierten vom Gewinner der Trophäe 2015, Bernd Hans Gietz. „Wie ist das eigentlich, wenn man Rheingauer des Jahres ist?“, wollte Junglas von ihm wissen. „Das ist ein gutes Gefühl, wenn man das Votum von so vielen hat“, versicherte Bernd Hans Gietz. Das gute Gefühl gab er dem Publikum in einem musikalischen Beitrag am Klavier weiter mit „Tenderly“ von Walter Gross und einer Variation von Erroll Garner. Ebenso virtuos begleitete er Sabine Nebel auf dem Klavier, die auf wunderbare Weise ein Lied der Comedian Harmonists interpretierte: „Irgendwo auf der Welt.“ Nach dieser eindrucksvollen Kostprobe wies Wolfgang Junglas darauf hin, dass Sabine Nebel auch sehr gut „Weihnachten kann“. Am 22. Dezember steht sie wieder mit ihrem großen Weihnachtsprogramm mit vielen Mitwirkenden auf der Bühne in der Brentanoscheune.

Das kleine „Jubiläum“ mit der fünften Auszeichnung des Rheingauer des Jahres ging überaus unterhaltsam und entspannt über die Bühne. In der Reihe der fünf Gewinner, die sich seit Jahren und Jahrzehnten auf sozialem, sportlichem, gesundheitlichem, musikalischem, kulturellem und touristischem Gebiet um den Rheingau verdient machen, würde im nächsten Jahr eine Rheingauerin des Jahres sicher gut aussehen. Und zweifellos würde sie ebenso herzlich gefeiert werden wie Wolfgang Blum, der nach dem offiziellen Teil noch von zahlreichen Gästen persönlich beglückwünscht wurde.

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