Asbach und Rüdesheim gehören einfach zusammen
Bei der Feier zum 125-jährigen Jubiläum wurde Firmengründer Hugo Asbach gewürdigt

Zum Abschluss des Festakts in der Brennerei enthüllte Emil Underberg die Asbach Jubiläums-Edition. Von links: Geschäftsführer Christopher Dellee, Dr. Hubertine Underberg-Ruder, IHK-Präsident Dr. Christian Gastl, Bürgermeister Volker Mosler, Christiane und Emil Underberg.

Rüdesheim. (chk) – Hugo Asbach war 24 Jahre alt, als er am 11. Mai 1892 unter dem Namen „Export-Compagnie für deutschen Cognac“ sein eigenes Unternehmen in Rüdesheim gründete. Er wollte dort einen Weinbrand herstellen, der dem berühmten französischen Cognac ebenbürtig war – die Kunst der Weindestillation hatte er bei französischen Brennmeistern in Frankreich erlernt. Daran erinnerte Dr. Hubertine Underberg-Ruder, Vertreterin der fünften Generation der Unternehmer-Familie Underberg, als sie auf den Tag genau 125 Jahre später in der Asbach Wein Destillerie in Rüdesheim die Gäste zur Jubiläumsfeier begrüßte und durch das Programm des Festakts führte.

Als erster Festredner ging Bürgermeister Volker Mosler in seiner Ansprache auf die beeindruckende und wechselvolle Firmengeschichte ein. Hugo Asbach habe sich 1892 für Rüdesheim entschieden und sich den Rahmenbedingungen und den Menschen angepasst, selbst in seiner Konfession: Der Altkatholik wechselte in Rüdesheim zur römisch-katholischen Kirche. Mosler erinnerte an den Pioniergeist Asbachs, an die kleinen Anfänge und die glanzvollen Zeiten, die folgten. Rüdesheim sei bis heute international mit dem Namen Asbach verknüpft. „Wenn man in den USA, in Japan oder anderen Ländern sagt, man komme aus Rüdesheim, dann werden sofort die Drosselgasse, das Niederwalddenkmal und Asbach genannt.“ Seit Ende der 1980er Jahre habe er als Kommunalpolitiker die Entwicklung des Unternehmens miterlebt, erklärte Mosler. „Und wir können der dritten und vierten Generation nicht vorwerfen, dass sie ein solches Unternehmen nicht aufrechterhalten konnten, deshalb haben wir der Familie Underberg viel zu verdanken.“ Die Zeiten, in denen Asbach einer der größten Arbeitgeber im Rheingau war, waren schon lange vorbei, als Emil Underberg das Unternehmen 2002 zu 100 Prozent übernahm. Heute sei man dankbar, dass es eine klare Sichtweise zum Standort Rüdesheim gebe, versicherte Mosler. „Und wir freuen uns, dass hier auch wieder gebrannt wird.“

125 Jahre altes Geheimnis

„Wenn der Firmengründer Hugo Asbach heute unerwartet hier auf der Jubiläumsfeier auftauchen würde – meinen Sie, er würde seine Brände wiedererkennen?“, wollte Ilka Lindemann, Chefredakteurin von Meiningers Weinwelt, von Geschäftsführer Christopher Dellee wissen. Das Interview war ein unterhaltsamer und informativer Teil des Festaktes. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Hugo Asbach diese Brände, wäre er hier unter uns zu Gast, auch gleich wiedererkennen würde. Denn im Prinzip hat sich in all den Jahren an den maßgeblichen Schritten der Herstellung und vor allem am unverwechselbaren Profil bei Asbach nichts geändert – seien es die Grundweine, die Destillation, die Lagerung oder die Vermählung“, war Dellees Antwort. Das Interview fand am Schreibtisch des Firmengründers statt, der heute noch dem Brennmeister als Arbeitsplatz dient. Daneben steht eine Brennblase, deren vier Füße unterschiedliche Tierfiguren darstellen, die die Neugier von Ilka Lindemann geweckt hatten. Dellee erläuterte den Hintergrund. Demnach stehen die vier Tierfiguren für Eigenschaften, mit denen ein Unternehmer ausgestattet sein sollte: Der Fuchs steht für Schlauheit, der Marabu für Ausdauer und Geduld, das Wildschein für Stärke und die Eule, die für Weisheit. „Damit passt die Verzierung dieser alten Brennblase auch ganz wunderbar zum heutigen Tag. Unser Haus würde heute nicht seinen 125. Geburtstag feiern können, wenn diese Eigenschaften nicht auch auf den Gründer und die nachfolgenden Generationen von Unternehmern zugetroffen hätten, die in der Vergangenheit die Geschicke von Asbach gelenkt haben und die, die sie aktuell lenken.“

Auf kurzweilige Weise vermittelten die Chefredakteurin und der Geschäftsführer Wissen über die Asbach-Produkte, angefangen von den Weinen aus weißen Rebsorten, die vor allem aus den bekannten Anbaugebieten aus dem Süd-Westen Frankreichs – den Gebieten von Armagnac und Cognac – kommen, aber auch aus der italienischen Emilia- Romagna und aus Rheinhessen, der Pfalz und von der Nahe. Erwähnt wurde natürlich auch die Asbach „Schatzkammer“ in Ottersweier, am Fuße des Schwarzwaldes, wo das größte Holzfasslager Deutschlands liegt. „Dort haben wir einen nahezu unfassbaren Fundus an wunderbaren, teilweise mehrere Jahrzehnte lang gereiften, Bränden.“ Eins ist sicher: „Ihre ganz besondere Eigenart, ihren letzten Schliff sozusagen, erhalten alle unsere Brände allerdings erst durch das geheime Asbach Reife- und Veredelungsverfahren hier in Rüdesheim.“ Und so wissbegierig Ilka Lindemann auch nachfragte – dieses über 125 Jahre gehütete Geheimnis ließ sich der Geschäftsführer nicht entlocken.

Tradition und Neuerungen

„Wir sind stolz, einem so renommierten Unternehmen in unserer Region gratulieren zu können“, sagte Dr. Christian Gastl, Präsident der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden, als er Emil Underberg die Ehrenurkunde für 125 Jahre Firmentradition überreichte und sich bei Familie Underberg und Geschäftsführer Christopher Dellee bedankte. „Meinen herzlichen Glückwunsch! Auf dass Sie Ihre beeindruckende Tradition erfolgreich in die Zukunft führen und Asbach in Ihrem Sinne weiterentwickeln: Einzigartig, unverwechselbar und mit unserer Region verbunden.“

Zuvor hatte Christian Gastl die Geschichte der Firmengründung Revue passieren lassen. „Das Haus Asbach hat in 125 Jahren eine enorme Entwicklung durchlebt – und es zeichnet Ihre Traditionsmarke aus, dass sie dabei immer ihren Wurzeln treu geblieben ist“, betonte er. Dabei habe das Unternehmen beständig die Bereitschaft gezeigt, Neuerungen zu wagen und sie mit Pioniergeist weiter zu entwickeln. Mit anfangs nur zwei Brennblasen sei es Hugo Asbach gelungen, ein Produkt zu kreieren, das dem berühmten französischen Cognac ebenbürtig gewesen sei und zugleich dem deutschen Geschmack Rechnung getragen habe. „Für seine Qualität spricht auch, dass Asbach weiterhin florierte, nachdem der Versailler Vertrag 1923 die Bezeichnung ‚Cognac‘ nur noch für französische Erzeugnisse vorsah.“ Es zeichne Hugo Asbach aus, dass er dieser Einschränkung kurzerhand eine eigene Bezeichnung entgegensetzte: Den „Weinbrand“. Die Wortschöpfung sei damals ins deutsche Weingesetz aufgenommen worden und bis heute im Sprachgebrauch geblieben.

Gastl würdigte den Firmengründer auch als einen seiner Amtsvorgänger, denn Hugo Asbach war von 1925 bis 1933 Präsident der Industrie- und Handelskammer. „Mit seinem Unternehmergeist und seinem Fachwissen rund um den Wein hat er in diesem Ehrenamt engagiert für die Wirtschaft unserer Region gewirkt. Sein gerahmtes Porträt schmückt noch heute eine Wand unseres Präsidentenzimmers. Wir sind stolz, dass sein Name von Rüdesheim aus den Weg in die Welt gefunden hat und zu einer der großen deutschen Marken geworden ist.“ Auch nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1935 habe sich das Unternehmen in seinem Sinne weiterentwickelt. Berühmte Werbeslogans seien geschaffen und die Produktpalette kontinuierlich erweitert worden.

„Seit das Haus Asbach Teil der Underberg-Gruppe ist, hat es seine deutschen Wurzeln gestärkt, etwa in der Destillierkunst und der Fasslager-Kompetenz, und ebenso seine internationale Ausrichtung in Richtung USA, China und Großbritannien ausgebaut“, lobte der IHK-Präsident. „Ich finde es bemerkenswert, dass es dem Haus Asbach dabei immer gelungen ist, seiner Philosophie treu zu bleiben, und den Geist des Weines mit höchster Sorgfalt und Handwerkskunst erlebbar zu machen.“

Jubiläums-Edition

Zum krönenden Abschluss enthüllte Emil Underberg die „Asbach 125 Jahre Jubiläums-Edition, eine einmalige Komposition von auserwählten Destillaten aus den letzten sechs Jahrzehnten – gebrannt in Rüdesheim am romantischen Rhein“, wie es auf der Flasche geschrieben steht. Das älteste Destillat ist von 1957, das jüngste von 2014. „Und wenn wir Glück haben, dürfen wir jetzt richtig gut essen“, beendete Seniorchefin Christiane Underberg den Festakt.

Und Familie Underberg und ihre Gäste hatten richtig Glück. Das Drei-Gänge-Menü wurde von allen Seiten gelobt, noch gekrönt von einer geführten Degustation der 125 Jahre Jubiläums-Edition durch Christopher Dellee und schließlich durch ein Stück der phantastischen Asbach Jubiläumstorte, die Christiane Underberg feierlich anschnitt.

Zum Ausklang waren die Gäste an die Asbach Bar eingeladen, wo sie sich schon zuvor zum Empfang zusammengefunden hatten, um bei lockeren Gesprächen, musikalisch umrahmt durch das Porterhouse Trio, die Atmosphäre an diesem besonderen Festtag zu genießen. Das Rezept für den eigens kreierten Asbach Jubiläumscocktail war übrigens kein Firmengeheimnis; jeder Gast durfte es sich, ausgedruckt auf einem kleinen Kärtchen, mitnehmen. Man nehme: 3 cl Asbach Jubiläumsbrand, 1 cl Holunderblütensirup, 1 cl Limettensaft, 2 frische Erdbeeren und Rieslingsekt und serviere das Ganze mit Eiswürfeln in einem Weinglas.

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