Die ersten Historienschilder sind fertig
Assmannshausen plant einen historischen Ortsrundgang durch die Gemeinde

Birgit Berg und Reinhold Forschner stellten die ersten Historienschilder für den geplanten Historienweg in Assmannshausen vor.

Assmannshausen. (av) – In Assmannshausen gibt es Menschen, die sich ehrenamtlich für ihre Gemeinde einsetzen. Auf Initiative der zweiten Vorsitzenden der Wirtschafts- und Tourismusförderung Rüdesheim und Assmannshausen e.V. (WTF), Birgit Berg, kommt es innerhalb eines Jahres zu regelmäßigen Zusammenkünften, bei denen die Einsatzorte für eine Unkrautentfernung in Straßen und auf Plätzen besprochen wird. Wo wird dringend ein neuer Anstrich benötigt, welche Blumenkübel in der Gemeinde müssen neu bepflanzt werden?

Einsätze gibt es ausreichend, sie reichen bis zum Freischneiden von Wegen hin zu Ortsverschönerungen. Bei einem der Treffen wurde angeregt, für Assmannshausen einen sogenannten Historienweg zu entwickeln. Ein Flyer soll interessierte Besucher zu den historischen Orten führen und die Schilder dem Betrachter Auskunft geben.

Birgit Berg und Reinhold Forschner, der die Aufgabe zur Herstellung eines Flyers und der Historienschilder ehrenamtlich übernommen hat, stellten nun die ersten sieben Schilder vor, die in Kürze angebracht werden sollen. Weitere Schilder folgen, bevor es endgültig zum Druck des Wegweisers kommt.

Angebracht wird ein Historienschild am Aufgang zur Niederwaldseilbahn, gebaut wurde er zur 1885 eröffneten damaligen Zahnradbahn. Die Bahn löste frühere Aufstiegshilfen wie Mietesel und Fuhrwerke ab. Die ersten Bahnhofsbauten der Berg- und Talstation bestanden aus Holzfachwerk. Die Wege- und Treppenführung zur Talstation besteht aus festungsähnlichen Böschungsmauern aus zweifarbigem Legelmauerwerk mit einigen Lichtöffnungen. Dahinter befinden sich Kellerräume. Die Treppe und der hochgelegene Vorplatz der heutigen Seilbahn sind mit schmiedeeisernem Geländer ausgestattet. Ein Dokument der Tourismusgeschichte im Rheingau. Nach dem Abriss der Zahnradbahn, aus wirtschaftlichen Gründen, wurde später im Jahr 1953 die Seilbahn zum Niederwald eröffnet. Sie ging als erste Seilbahn in Hessen und am Mittelrhein in Betrieb.

Ein weiteres Schild an der Kapelle in der Niederwaldstraße beschreibt deren Bau im Jahre 1912. Die heutige Maria-Hilf-Kapelle wurde anstelle des im 17. Jahrhundert erwähnten Todesangstkapellchens, nach einer Figur des blutschwitzenden Heilands benannt, das unter zwei mächtigen Linden stand.

Auch wird bei einem Ortsrundgang auf das Gefallenenehrenmal in der Lorcher Straße aufmerksam gemacht. Der große Granitblock vom Bacharacher Kopf zeigt eine Bronzetafel mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die Bronzetafel wurde von dem Frankfurter Bildhauer Johann Josef Belz geschaffen. 1951 erfolgte die Erweiterung des Ehrenmals durch drei Senit-Tafeln, ebenfalls von dem Frankfurter, zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Am 14. Februar 1491 legte Erzbischof Berthold (Mainz) den Grundstein zum Bau des „Großen Tores“. Dem Beispiel anderer Gemeinden folgend, errichtete man eine Eismauer entlang des Rheins vom „Eselseck“ abwärts zum Fachwerkhaus der „Krone“. Auf dieser Strecke befanden sich vier Tore: Das große, das kleine, das Gunste- und das Fasse-Tor. Durch Straßenaufschüttungen ist das „Große Tor“ im laufe der Jahre bedeutend niedriger geworden. Die Mauer sollte die Bewohner des Ortes vor hereindrückenden Eisschollen des Rheins schützen.

Die Aufmerksamkeit wird auch auf historische Gasthäuser gelenkt. So zum Beispiel auf die 1408 erbaute „Alte Bauernschänke“. 1908 schuf der ortsansässige Weingutsbesitzer Fritz Wittmann aus seinem Pferdestall ein gemütliches Gasthaus mit einem Angebot von Wein, Musik, Tanz und Unterhaltung, die Geburtsstunde der „Rheinischen Fröhlichkeit“. In Nachahmung eines reichen Bürgerhauses des 16. Jahrhunderts gebaut, mit breiter Giebelfront, flankiert von achteckigen Erkern mit Haubendach. Details der Fachwerkarchitektur und die ausgeführten Arbeiten zeugen von gediegener Handwerkskunst.

Zum Thomas Morus-Haus: 1489 erlaubte Fürstbischof Berthold von Henneberg seinem „liben, getreuen Hansen Siegeller aus Aschaffenburg, das warme Wasser im Ryne bei Hasemannshusen im Ryngaw uf sinen Costen zu suchen ....“. 1839 ließ der ortsansässige Baron Carl August von Klein in Assmannshausen eine Quelle erfassen. Er gründete die Gesellschaft zur Einrichtung eines Bades. 1872 wurde eine warme Lithion-Quelle, die Graf-Adolf-Quelle, erfasst. Bis 1877 wurden durch Oberlandgerichtsrat Augustin aus Potsdam Kurhaus und Kuranlage gebaut. Über der Quelle ließ er das Turmgebäude erbauen. 20 Logierräume, Billard-, Lese- und Musikzimmer und 24 Wannenbäder standen den Kurgästen zur Verfügung. 1950 übernahm die katholische Kirchengemeinde Heilig Kreuz Assmannshausen die Gebäude, in denen das Alten- und Pflegeheim eingerichtet wurde.

Die Tafeln sind neben den erklärenden Worten mit Bildern versehen. Die Tafel für die katholische Kirche zeigt den Chorraum. Die erste urkundliche Erwähnung des Gotteshauses geht auf das Jahr 1325 zurück. Die Marienglocke stammt aus dem Jahre 1383. Weitere Daten: 15. Jh. Altarbild „der Tod Mariae“, von Matthias Grünewald. 16. Jh. Agatha-Altar, 1736 Taufstein mit Johannes dem Täufer, 1750 Barocke Madonna mit Jesuskind, 1883 Orgel aus des Orgelbauers Schlimbach, Würzburg. Intensive Recherchen sind für die einzelnen Erklärungen notwendig, auch wurde für die Historienschilder nach passendem Bildmaterial gesucht. Während die Gestaltung der Schilder in ehrenamtlicher Arbeit erfolgt, wird deren Druck auf Platten vom WTF unterstützt.

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