Gut gebrüllt, Löwe! / Afrika-Abend des Lions Club Rheingau
Emotionale Benefizveranstaltung für kenianisches Waisenhaus / Lions International feiert 100-jähriges Bestehen

„Ohne unsere Damen wären wir nichts“. Bernhard Jung und Bernadine Angalusha dankten den treibenden Kräften des Abends Christine Meuer und Vera Jung.

Rüdesheim. (hhs) — Einen denkwürdigen Abend erlebten 142 Gäste des Lions Club Rheingau. Dabei fuhren die Gefühle Achterbahn – von tiefer Betroffenheit und respektvoller Anerkennung für das Engagement einer jungen Kenianerin über ein niveauvolles Unterhaltungsprogramm bis hin zu kulinarischen Genüssen boten die Lions im „mein bahnhof“ ein Programm, das in seiner Vielfalt nur schwer zu übertreffen sein dürfte.

Auch mit dem Reinerlös des Abends setzten die Lions ein Zeichen: Nach einem ersten Kassensturz liegt die zu übergebende Spende schon über 10.000 Euro. Christine Meuer vom Organisationsteam äußerte sich „völlig überwältigt von dem Ergebnis“. Sie erwartet sogar, dass die Spendensumme auf 11.000 Euro steigt. „Es gehen täglich weitere Spenden auf dem Konto der Lions ein“.

In dieser Summe nicht enthalten ist eine weitere „Sach“-Spende: Zukünftig wird neben der Kuh „Rüdesheim“ und ihrem Kalb „Rheingau“, eine weitere Milchkuh in Kenia grasen und die Waisenkinder mit Milch versorgen. Als Dank an den Spender wird sie den Namen „Hotel Trapp“ tragen.

Der Benefizabend für das kenianische Waisenhaus wurde möglich durch hohen persönlichen Einsatz einiger Mitglieder des Lions Club Rheingau und ihr dichtes Netzwerk. So gelang es, viele Sponsoren für den guten Zweck zu gewinnen. So wurden Weine und Speisen aus Afrika zu einem kreativen Menü zusammengeführt, das die Kenianerin Bernadine Angalusha und der Rheingauer Spitzenkoch mit bretonischen Wurzeln Sébastien Loison mit Unterstützung zahlreicher Helfer kreiert hatten. Der weltweit begehrte Blumendesigner Stefan Grob hatte „mein Bahnhof“ ein stimmungsvolles Ambiente verpasst, Stefan Dries vom gleichnamigen Backhaus Brot in Geweihform gebacken. Er habe sich, so der gebürtige Rüdesheimer Stefan Grob gefühlt, als wenn „man mit ein paar guten Kumpels eine Party organisiert“. Einer dieser „Kumpels“ ist die zweite treibende Kraft des Benefizabends: Vera Jung drückte mit Grob schon seit der Grundschule die Schulbank.

Selbst die Sängerin Menoosha Susungi und ihr Begleitmusiker John Paul am Keyboard spielten umsonst – ging es doch an diesem Abend doch um ihren Heimatkontinent. Da war Vicente Noguera schon fast ein Exot: Der Spanier erwies sich als ebenso charmanter Plauderer wie versierter Zauberer, der mit seinen Tricks ein staunendes und ungläubig Kopf schüttelndes Publikum zurückließ; der in Lorch ansässige Zauberkünstler wurde zu einem weiteren Höhepunkt des Abends.

100 Jahre Lions

Der Benefizabend war Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen von „Lions International“. Die Vereinigung sei „kein Club Zigarren rauchender Männer“, betonte Rheingau-Präsident Rainer Berthold. Vielmehr habe schon bei der Gründung im Jahr 1917 das soziale Engagement im Mittelpunkt gestanden.

Der Lions Club Rheingau wurde 1961 gegründet. Er hat aktuell rund 40 Mitglieder. Satzungsgemäß dürfen zwar nur Männer Mitglieder werden, doch auch viele Partnerinnen nehmen höchst engagiert am Vereinsleben teil.

Die Rheingau Lions unterstützen in der Vergangenheit schon viele Projekte im Ausland, so in Kambodscha, Namibia und Kenia. Der Schwerpunkt der letzten Jahre lag aber im Rheingau selbst, wo z.B. Sprachförderungsprojekte für Flüchtlinge mitfinanziert wurden, Kinder der Leopold Bausinger-Schule Geisenheim ebenso Zuwendungen erhielten wie die Bewohner des Alten- und Pflegeheims Fransecky-Stift in Eltville. Auch das „Netzwerk Leseförderung Rheingau-Taunus e.V.“ konnte sich über regelmäßige Spenden freuen.

Waisenhaus

Der komplette Erlös der jüngsten Veranstaltung wird an ein Waisenhaus im kenianischen Kakamega gespendet. Aus diesem Dorf kommt Bernadine Angalusha. Sie war in Kenia Lehrerin, lebt mittlerweile aber seit fast 20 Jahren in Deutschland, wo sie als Postzustellerin sicher nicht zu den Großverdienern zählt. Gleichwohl ist es ihr unter Einbringung ihrer gesamten Freizeit mit schier unglaublicher Energie gelungen, in ihrem Heimatdorf ein Waisenhaus aufzubauen. Sie hat dazu gemeinsam mit Unterstützern in Franken den Verein „In our own quiet way“ gegründet, der als gemeinnützig anerkannt ist.

Der Verein kann mittlerweile viele Erfolge vorweisen. Bislang konnten in Angalushas Heimatort Kakamega ein Waisenhaus, ein Ausbildungshaus sowie ein Haus, in dem mit dem HI-Virus infizierte Frauen Zuflucht finden können, gebaut werden. Des Weiteren wurde eine funktionierende Solaranlage installiert.

In dem Ausbildungshaus können die Jugendlichen, die im Waisenhaus leben, eine Ausbildung absolvieren und somit später, wenn sie das Waisenhaus verlassen, auf eigenen Füßen stehen. Bernadine Angalusha erzählte, dass auch täglich hungernde Kinder ins Waisenhaus kommen, um mit den Schülerinnen und Schülern zu essen.

Den Erwachsenen kommen Sachspenden zugute. Der Verein stellt beispielsweise einer örtlichen Kooperative von Näherinnen Nähmaschinen zur Verfügung. Bernadine Angalusha: „Damit helfen wir gleich doppelt, denn dort werden auch die Schuluniformen genäht, die die Kinder in unserem Waisenhaus brauchen, damit sie überhaupt zur Schule gehen dürfen“.

PAUL und Christine

Bernadine Angalusha erwirtschaftet das Geld, das sie zur Finanzierung des Waisenhauses braucht, indem sie für andere Menschen kocht. Mit ihrem Engagement war sie bereits Hauptdarstellerin in einem Fernseh-Werbespot, der auch in Rüdesheim eingespielt wurde – und der die Zuschauer tief betroffen machte. Als einziges von fünf Geschwistern hat Bernadine, die ihren Vater im Alter von drei Jahren verlor, ihre Kindheit überlebt. Mit ihrem Einsatz für die Waisenkinder in ihrem Heimatdorf will sie deren Schicksal leichter machen.

Die Rüdesheimerin Christine Meuer lernte Bernadine Angalusha eher zufällig kennen und war begeistert von deren Projekt, das sie den Rheingau Lions als „absolut unterstützungswürdig“ ans Herz legte. Weil Angalushas Ziele der Sicherstellung von Bildung exakt zu den Grundprinzipien von Lions International passt, rannte Meuer bei den Rheingau Lions offene Türen ein. Gemeinsam mit Vera Jung und der tätigen Mithilfe vieler weiterer Lionsmitglieder und deren Partnerinnen organisierte sie den Afrika-Abend.

Schon im Vorfeld hatte der Lions Club Rheingau im November letzten Jahren einen Wasserfilter in Rucksackform gespendet, der PAUL genannt wird. PAUL steht für Portable Aqua Unit for Lifesaving. Er liefert sauberes Trinkwasser und verhindert, dass sich die Bewohner des Waisenhauses mit Typhus oder anderen Krankheiten infizieren.

Spenden und Speisen

Für den Benefizabend hatten die Rheingau Lions die Tickets für 65 Euro angeboten – ein Betrag, der angesichts des Angebots eher ein Schnäppchen war. Zum Menü gab es südafrikanische Weine, u.a. aus dem Stellenbosch-Ableger des Johannisberger Weinguts Trenz eine sensationelle rote Cuvée und einen Sauvignon blanc. Ein weiterer Südafrika-Winzer mit Rheingauer Wurzeln ist Paul Barth, der in Stellenbosch mit dem Howzit aus 100 Prozent Shiraz-Trauben einen roten Kracher produziert, der ebenfalls Teil des Menüs war. Die guten Verbindungen nach Südafrika machten es möglich, mit einem Chenin blanc aus den Weingut Simonsig einen weiteren gesponserten Wein zu präsentieren. Aus dem gleichen Weingut kam auch der Sekt „Kaapse Vonkel Sparkling Brut“, den es zur Begrüßung gab.

Den beeindruckenden Weinen standen die Vorspeisen in nichts nach: So gab es u.a. Sesam-Springbock mit Koriander-Karottensalat, Straußenspieße mit Linsen-Curry-Salat oder ein Bohnen-Erdnuss-Karottensüppchen.

Alleine die Vorspeisen hätten gereicht, um den Abend mit gut gefülltem Magen zu verleben. Doch das Team um Sébastien Loison und Bernadine Angalusha hat mit seinen Helfern auch als Hauptgericht noch weitere höchstinteressante Gerichte vorbereitet: Seebarsch in Ingwer-Backteig, Mombasa-Chicken oder Kudu-Gulasch waren nur die wichtigsten „main dishes“, an denen sich die Lions-Gäste gütlich taten.

Man habe den Eintrittspreis trotz des hochwertigen Angebots niedrig gehalten, erläuterte der Rüdesheimer Bernhard Jung, der die Moderation des Abends übernommen hatte. Man hoffe, dass sich die Gäste dafür umso freigebiger bei zusätzlichen Spenden zeigen würden – eine Einschätzung, die sich mehr als richtig erweisen sollte.

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