„Mitstreiter gesucht! Denn nur gemeinsam sind wir stark“
Informationsveranstaltung der Alzheimer Gesellschaft Rheingau Taunus e.V. im EVIM-Seniorenzentrum

Petra Nägler-Daniel und Beate Heiler-Thomas von der Alzheimer Gesellschaft Rheingau Taunus mit Bürgermeister Manfred Kohl (v.l.n.r.).

Walluf. (mh) – Die Alzheimer Gesellschaft Rheingau Taunus hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Problembewusstsein und das Verständnis für dementielle Erkrankungen in der Region zu schärfen und einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssituation zu leisten. Um diese Zielsetzungen zu vermitteln, waren Erste Vorsitzende Beate Heiler-Thomas und ihre Stellvertreterin Petra Nägler-Daniel zu einer Informationsveranstaltung in das EVIM-Seniorenzentrum gekommen.

 

Wie beide Referentinnen zunächst mitteilten, wurde die Gesellschaft im November 2015 mit Sitz in Hohenstein gegründet. Nach dem Ausscheiden von Landrat Burkhard Albers habe Frank Kilian die Schirmherrschaft übernommen und dem Verein seine Unterstützung zugesagt.

Er habe, wie Kilian bei einem ersten Treffen mit Beate Heiler-Thomas und Petra Nägler-Daniel betonte, „sehr gerne diese Schirmherrschaft übernommen“. Handele es sich doch bei der Alzheimer-Krankheit um eine Erkrankung, die in ihrer häufigsten Form bei Personen über dem 65. Lebensjahr auftritt und durch zunehmende Demenz gekennzeichnet ist.

Im Zuge der demografischen Entwicklung werde „mit einer steigenden Zahl an Demenz Erkrankter gerechnet“. Damit komme eine große Aufgabe auf die ganze Gesellschaft zu. Daher sei es gut zu wissen, dass es mit der Häusliche Unterstützung für Alzheimer- und Demenzpatienten (HUFAD) im Rheingau und der Alzheimer Gesellschaft Rheingau Taunus zwei Einrichtungen gibt, in denen sich kompetente und fachlich versierte Personen ehrenamtlich engagieren. Da es sich beide zur Aufgabe gemacht haben, vor allem Angehörige von Betroffenen mit Rat und Tat zu unterstützen, unterstützten sie gleichzeitig auch die Arbeit des Kreises.

Der Verein ist, wie die Referentinnen weiter berichteten, Mitglied in der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und erhalte noch bis Ende 2018 Fördermittel des Kreises aus dem Programm „Rat und Tat kreisweit“ sowie aus dem Bundesprogramm „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“. Spenden seien willkommen.

Dem Wesen nach sei der Verein eine Selbsthilfeorganisation, der sich für die Verbesserung der Lebensqualität der Erkrankten und ihrer Angehörigen einsetzt. Dabei spielten das Expertenwissen der Betroffenen und die Fachkompetenzen der verschiedenen Berufsgruppen eine gleichwertige Rolle.

Im Sinne der Selbsthilfe seien die fachlich begleitenden Gesprächskreise für Angehörige von Menschen mit Demenz sowie das persönliche Beratungsangebot von zentraler Bedeutung. Weitere wesentliche Basisbausteine seinen Informationen zur Bildung und Qualifikation sowie Öffentlichkeitsarbeit.

Die Teilnahme an einem Gesprächskreis sei grundsätzlich kostenlos und auch nicht von einer Mitgliedschaft im Verein abhängig. Gleiches gelte für die Individuelle Beratung. Kreisweit gebe es fünf begleitende Angehörigengruppen. Die 90-minütigen Treffen fänden einmal im Monat statt.

Gesprächskreise MÜZE

Interessierte Wallufer können am Gesprächskreis für Angehörige im Mehrgenerationenhaus MÜZE in Eltville jeweils am zweiten Dienstag im Monat teilnehmen. Das Themenspektrum reiche vom Umgang mit Demenz, dem Bedürfnis nach Entlastung sowie der vielfältigen Gemütslagen von Trauer bis Wut, die bei der Begleitung eines Menschen mit Demenz aufkommen.

Zu den Gesprächskreisen eingeladen seien Angehörige von Menschen mit Demenz. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um pflegende Angehörige handelt oder um solche, deren Familienmitglied in einem Pflegeheim lebt. Teilnehmen könnten auch sogenannte „Zugehörige“, wie Freunde oder Nachbarn, die in Kontakt mit Menschen mit Demenz sind. Telefonische Beratung biete der Verein montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und mittwochs von 15 bis 17 Uhr an. Persönliche Termine erfolgten nach Absprache.

Im Selbstverständnis einer Fachstelle Demenz im Rheingau-Taunus-Kreis mit Vernetzungsfunktion leitet der Verein außerdem das Projekt „Netzwerk Demenz Rheingau-Taunus“. In Kürze werde die regionale Suchmaschine www.netzwerk-demenz-rtk online gehen.

Bürgermeister Manfred Kohl freute sich über die Durchführung der Informationsveranstaltung, „die jedoch angesichts dieses Themas einen besseren Besuch verdient hätte“. Handele es sich doch um ein Thema, „über das man nicht gerne in der Öffentlichkeit redet“. Nur wenn offener damit umgegangen werde, könnten Betroffene und Angehörige Hilfe erwarten.

Da wegen der voraussichtlichen Zunahme der Zahl an Demenz erkrankten Menschen große Herausforderungen auf die Gesellschaft zukommen, freue er sich über die Einrichtung einer Geschäftsstelle der Alzheimer Gesellschaft in Walluf. Gleichzeitig erinnerte Kohl an die HUFAD, die seit 2007 im ganzen Rheingau Menschen betreut, die an Demenz erkrankt sind.

Vor der sich anschließenden angeregten Diskussion wiesen die Referentinnen zunächst auf Symptome hin, die sich bei einer Erkrankung an Demenz zeigen. Dazu zähle vor allem der schnelle Verlust von Alltagskompetenzen oder der Wegfall bisher als ganz selbstverständlich ausgeübter Tätigkeiten.

Beide räumten ein, dass die Tests durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen insbesondere für die Betroffenen eine große Belastung darstellten. Dennoch seien sie ein Mittel, um eine Erkrankung an Demenz herauszufinden. Großes Lob sprachen sie allen aus, die ihre erkrankten Angehörigen zu Hause pflegen, „denn damit übernehmen Sie eine große Verantwortung“.

Da Ursachen und Auslöser des Nachlassens der Leistungen des Gedächtnisses dazu noch nicht erforscht sind, könnten zur Verfügung stehende Medikamente allenfalls zu einer Minderung der Krankheit beitragen. Statistisch erwiesen sei, dass Frauen von dieser Krankheit mehr als Männer betroffen sind. Weil jede Demenz anders verlaufe und „nicht nur Chaos“ bestehe, seien die Gesprächskreise das „Herzstück“ in den Selbsthilfegruppen.

Bei den Schilderungen der Erfahrungen aus dem Familienkreis der Teilnehmer wurde deutlich, dass von Demenz Betroffene bei der Herausnahme aus ihrer Umgebung schnell in Stresssituationen geraten. Einige räumten ein, dass sie bei der Einweisung eines Familienmitgliedes in ein Pflegeheim, und damit in eine fremde Umgebung, ein schlechtes Gewissen bekamen. Man müsse, wie ebenfalls zu hören war, Kranke auch fordern und nicht aus allem heraushalten. Und trotz allem Leid gebe es auch viele „schöne“ Momente.

Kritik wurde vor allem darüber geäußert, dass Kurzzeitpflegeplätze im Rheingau Mangelware sind. Es gebe zwar eine große Zahl an Adressen über solche Plätze. Diese seien im Bedarfsfall jedoch nicht zu finden. „Auch wir werden mit dem Thema Kurzzeitpflegeplätze immer wieder konfrontiert“, räumte Petra Nägler-Daniel ein.

Die ebenso informative wie erkenntnisreiche Veranstaltung endete mit dem Appell von Nägler-Daniel an interessierte Bürger, sich als Mitstreiter in der Alzheimer Gesellschaft Rheingau Taunus zu engagieren, „denn nur gemeinsam sind wir stark“.

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