Tango und Flamenco als krönenden Abschluss
Wallufer Sommer endete mit dem Auftritt von Alexander Kilian und Jan Pascal als Duo „Café del Mundo“

Zelebrierten Tango und Flamenco als krönenden Abschluss des Wallufer Sommers: Alexander Kilian und Jan Pascal als Duo „Café del Mundo“.

Walluf. (mh) – Da kann man der Kulturinitiative Alte Johanniskirche nur „herzlichen Glückwunsch“ zur Einladung von Alexander Kilian und Jan Pascal zurufen, denn mit dem Auftritt der beiden Gitarrenvirtuosen und preisgekrönten Ausnahmemusiker als Duo „Café des Mundo“ fand der Wallufer Sommer 2017 seinen krönenden Abschluss.

Alexander Kilian, Jahrgang 1987, erhielt multikulturelle musikalische Ausbildung bei Zaza Miminoshvili.

Als Gitarren-Wunderkind gewann er mit 15 Jahren seinen ersten internationalen Wettbewerb mit dem Stück „Guajiras de Lucia“ von Paco de Lucia. Es folgten zahlreiche Meisterkurse und internationale Konzerteinladungen nach Israel, Russland, Georgien, Spanien und Italien. 2011 bekam er das künstlerische Diplom im Fach Jazz-Gitarre.

Jan Pascal, Jahrgang 1975, entstammt einer Musikerfamilie. Er wächst bei seiner Großmutter, Sopranistin und Kirchenmusikerin, auf. Der Großvater in Spanien schenkte ihm eine Gitarre. Ein Onkel unterrichtete ihn. Im Musikinternat Münsterschwarzach lernte er Klavier, später Gesang, klassische Gitarre. 1996 gründete er sein eigenes Tonstudio. Flamencogitarrenunterricht hatte er bei Rafael Cortes und Mariano Martín.

Seinen musikalischen Partner hat Jan Pascal, erzählt er, vor zehn Jahren bei einem Workshop kennen gelernt, den er leitete. „Da kam ein junger Mann mit roten Schuhen, nahm die ausgelegten Partituren und spielte sie besser als der Workshop-Leiter.“ Dieser Mann war Alexander Kilian. Bereits mit 15 Jahren gewann er seinen ersten internationalen Wettbewerb. Pascal war beeindruckt, tauschte mit Jan Handynummern aus. Kurze Zeit später gründeten sie ihr Duo. Inzwischen feiern sie auch auf internationalen Bühnen große Erfolge.

Obwohl die beiden so gegensätzlich wie Feuer und Wasser sind, ergänzen sie sich dadurch zu einem Gitarrenduo auf Weltniveau. Jan Pascal spielt seine Flamenco Gitarre mit viel Passion und bringt damit seine spanische Spiel- und Lebensfreude zum Ausdruck. Dagegen brilliert Alexander Kilian durch seine überragende Technik und eleganten Handbewegungen. Bei ihrem gemeinsamen Spiel kommunizieren sie nur mit ihren Augen.

Dabei versetzten die beiden Ausnahmekünstler ihr Wallufer Publikum mit atemberaubendem Können, gepaart mit musikalischer Freiheit und Tiefe, mit ihren flirrenden Gitarrenklängen, rollenden Arpegien und rasanten Läufen von unglaublicher Präzision und glasklaren Tönen immer wieder ins Staunen und in Verzückung, das sich mit Szenenapplaus bedankte.

„Wir nutzen oft die vielen auf unseren vielen Reisen gewonnenen Eindrücke von Land und Leuten und lassen uns davon inspirieren“, erklärt Jan Pascal, während sein Partner eher schweigsam ist und sich auf wenige Gesten beschränkt. Dabei saugen wir, fährt Jan Pascal fort, „die Musik und deren Einflüsse auf Osteuropa, Arabien und Südamerika auf und entwickeln durch individuelle Gefühlslagen unser eigenes musikalisches Genre“.

Wie die Zuhörer zu ihrer großen Freude feststellen konnten, erzählen die Stücke von Café del Mundo große und kleine Geschichten, die sich, mal fetziger und mal nachdenklicher interpretiert, am südamerikanischen Tango- oder spanischen Flamenco orientieren.

Ihrem dankbaren Wallufer Publikum präsentierten sie neben Eigenkompositionen auch Stücke anderer Künstler, die sie selbst arrangieren. Begonnen hatten sie ihr Konzert, das wegen des vorangegangenen Regens nicht in der nach oben offenen Ruine der Johanniskirche stattfand sondern ins Zelt verlegt wurde, mit der Eigenkomposition „Una noche en Cadaques“ als Erinnerung an ihre Erlebnisse in diesem ehemaligen Fischerdorf an der Costa Brava.

Wie ein elektrischer Funke sprang ihre Eigenkomposition „Leon dormido“ über einen schlafenden Löwen als Sinnbild des Berges auf das Publikum über. Aber auch „Tico Tico no fuba“, die inoffizielle Hymne Brasiliens, wirkte wie elektrisierend. Als wahre Hörgenüsse erwiesen sich „La Fiesta“ von Chick Corea und vor allem der „Libertango“ von Astor Piazolla.

Zur Gehör brachten sie aber auch einen polnischen Tango, „den wir im Rahmen einer Tournee kennen gelernt haben“, so Jan Pascal. Dabei geht es um einen Mann, der bei einer Entscheidung seiner Liebsten zwischen zwei Männern nicht erwählt wurde. Das Lied voller süßer Melancholie trägt den Titel „Ein letzter Sonntag mit Dir“.

Nach dem Ende des offiziellen Konzerts waren die beiden sich gegenseitig anstachelnden Ausnahmemusiker allzu gerne bereit, sich mit drei Zugaben vom hellauf begeisterten Publikum zu bedanken, dass sie mit stehenden Ovationen verabschiedete. Als Erinnerung an diesen unvergesslichen Abend deckten sich viele der Besucherinnen und Besucher mit Tonträgern ein.

„Obwohl wir zwei Mal vom Wetter ausgebremst wurden“, zeigte sich Vorsitzender Frank Grevsmühl einer ersten Bilanz zum diesjährigen Wallufer Sommer zufrieden über das Besucherinteresse und fügte hinzu, „wir haben nichts zum Meckern“. Nun freue er sich auf den Auftritt des Salon Theaters Taunusstein mit der Komödie von Stephan Eckel „Alles über Liebe“ am 4. November im Vereinshaus Oberwalluf, „damit die Zeit bis zum nächsten Wallufer Sommer nicht zu lang wird“. Vom Kartenverkauf werde bereits rege Gebrauch gemacht.

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