Buchvorstellung
Fußballsprache unter der Lupe

Christoph Marx: Der springende Punkt ist der Ball. Dudenverlag, 208 Seiten, Preis: 10 Euro, ISBN: 978–3–411–73394–1.

Rheingau. (mg) – Vielleicht bietet sich das WM-Jahr an, den Fußball auch einmal literarisch zu betrachten und seine Begrifflichkeiten unter die Lupe zu nehmen. Das hat sich wohl auch Autor Christoph Marx gedacht, als er sein neues Buch „Der springende Punkt ist der Ball“ verfasste und sich dazu auch zugleich das Vorwort des Fußballers Marcell Jansen sicherte, der als dreifacher WM-Teilnehmer den Sport mit dem runden Leder gut kennt. Immerhin fing der schon mit vier Jahren in einem Mönchengladbacher Verein zu spielen an.

 

Fußballbegriffe, -phrasen und -metaphern haben Eingang in Politik und Kultur gefunden. Eine eigene Insider-Fußballsprache ist entstanden. Was aber ist das Besondere an der Fußballsprache? Dieser Frage widmet sich Christoph Marx im ersten Teil des unterhaltsamen Büchleins. Im zweiten Teil werden berühmte, bezeichnende, witzige und „philosophische“ Phrasen von Spielern, Trainern, Fans und Moderatoren auf ihren Hintersinn, Gehalt, Zusammenhang beleuchtet.

Und ganz nebenbei erfährt der Leser auch etwas über die Fußballgeschichte in Deutschland. Denn der Mann, der Ende des 19. Jahrhunderts das Fußballspiel in Deutschland einführte, war Deutschlehrer von Beruf.

Er hieß Dr. Konrad Koch und lebte und arbeitete in Braunschweig. 1874 warf er erstmals einen Ball unter seine Schüler, weil er wollte, dass deren Selbsttätigkeit an der frischen Luft „kräftig erweckt“ werde. Später machte er sich um die Eindeutschung der englischen Fußballbegriffe verdient. In seiner 1903 veröffentlichten Liste adäquater Ausdrücke standen unter anderem der Stürmer statt des ,,forward“, das Abseits statt des „off side“, der Strafstoß statt des „penalty kick“ und vor allem auch das Tor statt des „goal“, für das zunächst, vergeblich, das matte Wort „Mal“ erprobt worden war.

Und da es in dem Buch um Sprache geht, ist es nicht verwunderlich, dass sich der Duden Verlag des Themas angenommen hat.

208 Seiten hat das Buch insgesamt, mehr als 120 davon stehen unter dem Motto „Alle sprechen Fußball“. Alle, das sind Spieler, Trainer, Fans, Journalisten und andere aus dem „Medienzirkus“. Und wer Fußball spricht, der nimmt es mit der Grammatik und der Logik nicht immer genau.

„Die Realität sieht anders aus als die Wirklichkeit“, sagte Berti Vogts, als er noch Spieler war. Lukas Podolski weiß: „So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere.“ Und Horst Hrubesch, der heute interimsweise die Frauen-Fußballnationalmannschaft trainiert, „... lässt das alles nochmal Paroli laufen“. Natürlich darf in der Sammlung auch der Sprach- und Ballkünstler Lothar Matthäus nicht fehlen, wenn er selbstsicher auf Englisch feststellt: „I hope we have a little bit lucky.“

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