Buchvorstellung
Wenn ein Lehrer Schluss macht

Arne Ulbricht: Nicht von dieser Welt, 2016, 290 Seiten, KLAK VerlagISBN 978–3943767582, Preis: 14,90 Euro.

Rheingau. (mg) – Mobbing ist das moderne Wort für etwas, dass es eigentlich in der Gesellschaft schon immer gab, in verschiedenen Zeiten, verschiedenen Ausprägungen und ganz unterschiedlichen Auswirkungen – bis hin zum Tod.

In Zeiten moderner Technik und des Internets laufen aber noch ganz andere Prozesse ab, sind Existenzen mit wenigen Klicks vernichtet. Und keiner fragt nach der Wahrheit und nach den Ursachen – vielleicht, weil es so einfach ist und die Menschen, die die moderne Technik nutzen einfach sind.

 

Mit solchen Apsekten setzt sich das neue Buch von Arne Ulbricht unter dem Titel „Nicht von dieser Welt“ auseinander. Es ist sicher ein schockierender Roman, der an den Festen unserer Gesellschaft rüttelt und mit einem leistungsorientierten Schulsystem abrechnet. Erschienen ist das Buch im KLAK Verlag.

In dem Buch entwickelt sich eine Situation zwischen Schülern und Lehrer, die auf einen dramatischen Höhepunkt zusteuert – aber natürlich nicht unabhängig von den handelnden Personen und ihres mentalen Zustands.

Arne Ulbrichts Roman „Nicht von dieser Welt“ beginnt mit einem Knall, der den Leser mit voller Wucht in eine albtraumhafte Geschichte hineinzieht und das Ende quasi vorwegnimmt.

Die Geschichte berührt, schockiert und verstört – vor allem, weil es Möglichkeiten geben würde, dieses Ende zu verhindern. Denn so stringent und ausweglos ist die geschilderte Situation im Grunde nicht, wenn nicht alle Beteiligten an entscheidender Stelle schweigen würden.

In Frage gestellt wird dabei aber ein Schulsystem, wo vor allem Ehrgeiz, Karriere, Selbstbehauptung und Selbstvermarktung zählt.

Heinz Gödel ist der Protagonist in dieser Geschichte. Er ist 36 Jahre alt, lebt als Single mit seinem Hund Franz zusammen und kümmert sich liebevoll um seine schwer kranke Tante. Gödel ist ein Sonderling, ein sensibler Einzelgänger. Der Single liebt die Literatur von Karl May, Charles Dickens und David Foster Wallace. Ein Mann, der weder Handy noch Fernseher besitzt, nicht auf Facebook ist und sich nicht für Fußball interessiert, ist heute schnell ein Außenseiter. Dabei war es sein Lebenstraum, junge Menschen als Lehrer für Sprache und Literatur zu begeistern. Eigentlich hatte er mit seinem alten Berufstraum bereits abgeschlossen, als er doch noch das Angebot, an einem Gymnasium als Lehrer arbeiten erhält. Es ist der Tag, der sein Leben verändern wird – und das von anderen. Denn im Klassenraum eines Gymnasiums steht er der „Generation Selfie und WhatsApp“ gegenüber.

Ulbricht, der vor ein paar Jahren seine Stelle als verbeamteter Lehrer aufgegeben hat und somit „als der Mann, der kein Beamter sein will“ bekannt wurde, entspannt einen literarischen Psychothriller. In dessen Mittelpunkt steht ein Mann, der an den Ansprüchen und Anforderungen einer Gesellschaft im Selbstoptimierungswahn brutal scheitert. Verortet ist die Handlung eben an jenem Ort, der eigentlich den Grundstein dafür legen soll, sich in der Welt zurechtzufinden: der Schule.

Ulbricht macht aus diesem Ort ein Abbild einer Gesellschaft, die vergessen zu haben scheint, worauf es wirklich ankommt: auf Zwischenmenschlichkeit, auf Fairness, auf ein Miteinander, das auch Sonderlingen und Außenseitern einen Platz einräumt, an dem es sich zu leben lohnt. Gödel wird im Kampf mit sich selbst, mit dem Kollegium, mit Eltern und mit den Schülern zerrieben. Es entspinnt sich ein Teufelskreis, der in einer Katastrophe endet.

Im Laufe des Romans erlebt der Leser den Absturz des Protagonisten Gödel, der in einen Sog hineingerät, aus dem er sich alleine nicht befreien kann.

Und so wird sein Traumberuf „Lehrer“ zum Albtraum. Dabei dient das Internet als Werkzeug zur Demontage eines Menschen. Die „schöne neue Welt“ lässt grüßen.

Auch wenn sein Roman einen dramatischen Verlauf im Berufsleben eines Lehrers beschreibt, ist der Autor selbst wohl nicht gescheitert. Denn Arne Ulbricht, geboren 1972 in Kiel, ist heute noch als Lehrer tätig. In seinen viel diskutierten Büchern Lehrer: Traumberuf oder Horrorjob? (2013) und Schule ohne Lehrer (2015) setzt er sich kritisch mit dem Schulbetrieb auseinander. „Nicht von dieser Welt“ ist Arne Ulbrichts erster Roman.

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