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Großen Beitrag zum Gemeinwohl geleistet

Schwester Wilhelmine erhält hessischen Verdienstorden für ihr Lebenswerk

Auszeichnung für das Lebenswerk: Schwester Wilhelmine (rechts) erhielt sie aus den Händen von Staatssekretärin Petra Müller-Klepper.

Erbach. (jh) Beim Anstecken des Hessischen Verdienstordens am Bande war es dann doch mit der Contenance vorbei. Vor Freude, Rührung und Stolz vergoss Schwester Wilhelmine ein paar Tränchen und demonstrierte damit allen, das was man über sie in der Laudatio gesagt hatte: Sie ist ein Wirbelwind mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und hat immer den Menschen im Fokus.

Großer Bahnhof auf dem Gelände des Alten- und Pflegeheims Haus Wilhelmine. Die Gründerin dieses über den Rheingau hinaus bekannten Hauses wurde mit der höchsten Auszeichnung des Landes Hessens für ihr Lebenswerk geehrt. Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium hielt die Laudatio und überbrachte die Auszeichnung im Namen des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

"Frage nicht, was Dein Land für Dich tut, sondern was Du für Dein Land tun kannst!" Mit diesem Zitat von J.F.Kennedy leitete Müller-Klepper ihre Laudatio ein. Danach hat die ehemalige Rot-Kreuz Schwester Wilhelmine stets im Leben gehandelt. Vor 45 Jahren gründete sie in der Eltviller Landstraße das Haus Wilhelmine, ein vollstationäres Alten- und Pflegeheim, das 40 Menschen Platz bietet. In schöner Umgebung und mit persönlicher Ansprache können die Menschen hier ihren verdienten Lebensabend verbringen. Inzwischen ist die "Powerfrau" 85 Jahre alt und hat das Haus in eine gemeinnützige Stiftung überführt, deren Geschäftsführerin sie ist. Der Vorsitzende der gemeinnützigen Stiftung, Alexander Born, blickte zurück zu den Anfängen des Hauses, das nach wie vor eng mit dem Namen von Schwester Wilhelmine verbunden sei.

Mit der Auszeichnung, die im Rahmen einer Feier zum 45-jährigen Bestehen verliehen wurde, werde vor allem ihr soziales Engagement, aber auch ihr politisches Engagement gewürdigt, so die Staatssekretärin. "Ihr Leben ist geprägt vom Dienst an alten, kranken, schwachen und hilfsbedürftigen Menschen, von Fürsorge für den Nächsten und ihrem Eintreten für eine freiheitliche Gesellschaft."

Schwester Wilhelmine wurde 1927 im nordhessischen Solz in der Nähe von Bebra geboren. Nach dem Schulabschluss erlernte sie alles, was man für die erfolgreiche Führung eines Altenheims benötigt. Sie ließ sich zur Wirtschaftleiterin ausbilden, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und die Krankenpflegeausbildung, die mit dem Großen Staatsexamen beim Deutschen Roten Kreuz abschloss. Als Leiterin einer Station in den städtischen Kliniken sammelte sie umfassende praktische Erfahrungen in der Pflege in Führungsfunktion. 1967 war das Geburtsjahr des Hauses Wilhelmine. Ein Glücksfall für die Region, wie die Staatssekretärin bemerkte. Das Haus sei erfüllt mit menschlicher Zuwendung. Es ist das Werk einer Frau, die alte Menschen nicht als Last sieht, sondern das Alt-Sein als Lebensphase, das genauso gestaltet werden kann wie das Jung-Sein.

Darüber hinaus fand Schwester Wilhelmine aber immer noch Raum, um sich auch anderweitig für die Gemeinschaft nützlich zu machen. Sie gründete 1973 den DRK-Ortverband in Erbach und organisierte Konzerte mit namhaften Künstlern, um Spenden für den Verein zu bekommen. Außerdem gründete Schwester Wilhelmine einen Hilfsverein für seelisch Kranke, dessen Vorsitzende sie jahrelang war. 1972 trat sie in die CDU ein und prägte viele Jahre das kommunalpolitische Geschehen in Erbach, Eltville und darüber hinaus auf Kreisebene. Sie gründete die Frauen Union Eltville und den Kreisverband der Senioren Union.

Ihre Verdienste wurden 1982 durch die Verleihung des Ehrenbriefes des Landes Hessen und 1985 durch die Verleihung des Bundesverdienstordens am Bande gewürdigt. Schwester Wilhelme ist Trägerin der Silbernen und Goldenen Verdienstmedaille der Stadt Eltville.

Und dann wurde ihr der neue Orden angesteckt wie eingangs erwähnt mit Tränen der Rührung begleitet.