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"Dort helfen, wo Hilfe gebraucht wird"

Verein "Nachbarschaftshilfe Oberer Rheingau Eltville-Walluf-Kiedrich" gegründet

Der geschäftsführende Vorstand des Vereins Nachbarschaftshilfe Oberer Rheingau: Thomas Wieczorek, Thomas Eymann und Stefan Fleschner (v.l.n.r.).

Eltville. (mh) Sieben Personen haben den Verein mit dem Namen "Nachbarschaftshilfe Oberer Rheingau Eltville-Walluf-Kiedrich" gegründet. Der Verein hat seinen Sitz in Eltville.

Ziel und Zweck des neuen Vereins ist es, nach dem Motto "Bürger unterstützen Bürger" dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird und familienunterstützende Dienstleistungen anzubieten. Er ist selbstlos tätig und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke.

"Der Aufbau einer organisierten Nachbarschaftshilfe ist mir seit vielen Jahren ein großes Anliegen", begründete Thomas Eymann, Sprecher der Gründungsversammlung, die Initiative zur Bildung des Vereins. Als er sich nach zwei Jahren Pflege seiner Eltern völlig ausgepowert gefühlt habe sei er zu der Erkenntnis gekommen, dass sich eine Bevölkerung in gewissen Notlagen gegenseitig helfen müsse. Zumal er glaube, dass es vielen Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen ähnlich geht.

Eymann hat vor allem ältere, allein lebende, gesundheitlich eingeschränkte Menschen im Blick, um die sich keiner so richtig kümmert. Durch Nachbarschaftshilfe soll es ihnen ermöglicht werden, weiter in ihrem vertrauten Umfeld leben zu können, aus der Isolation heraus zu kommen und sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Als weiteres Betätigungsfeld für Nachbarschaftshilfe nennt Eymann Hilfeleistungen für in Notsituationen geratene Menschen. Aber auch für Alleinerziehende, wenn diese Unterstützung bei der Versorgung ihrer Kinder benötigen. Dies gelte auch für Familien, wenn eine Frau erkrankt ist und ihr Mann weiter arbeiten gehen müsse. Auch das Erledigen kleinerer Reparaturen zählte mit zum Angebot der Dienstleistungen.

Organisierte Nachbarschaftshilfe gebe es bereits in Geisenheim. In Oestrich-Winkel bilde sich eine solche im Mehrgenerationenhaus.

Keine Einbahnstraße

Bei der Suche nach einem geeigneten Modell für Nachbarschaftshilfen sei Eymann, auf das "tolle" Modell in Riedlingen an der Donau gestoßen, das seit über 22 Jahren bestens funktioniere. Dabei handele es sich um das Modell "Zeit oder Geld". Nach reiflicher Prüfung habe er sich für dieses Mischmodell entschlossen, "denn Hilfe zu leisten ist keine Einbahnstraße".

"Für jede Dienstleistung ist eine zeitabhängige Aufwandspauschale von zehn Euro pro Stunde zu entrichten", erläutert Eymann die Funktionsweise der Nachbarschaftshilfe. Jeder Dienstleister könne frei für sich entscheiden, ob er sich seinen Anspruch auf Aufwandsentschädigung auszahlen lässt oder ob er diesen bei der Nachbarschaftshilfe anspart.

Während bei der Auszahlung sämtliche Ansprüche als "abgegolten" gelten, können beispielsweise 100 angesparte Stunden zu jedem beliebigen Zeitpunkt abgerufen werden, ohne dafür eine Aufwandsentschädigung zahlen zu müssen. Eymann geht davon aus, dass sich vor allem ältere Helfer mit geringem Einkommen auszahlen lassen, um ihre finanzielle Situation zu verbessern. Aber auch Jüngere, "weil für sie eine Hilfe noch weit in der Zukunft liegt".

Nachdem die anwesenden Gründungsmitglieder einstimmig die Satzung gebilligt hatten, wählten sie Thomas Eymann zum Ersten Vorsitzenden. Sein Stellvertreter ist Stefan Fleschner, der in Personalunion auch das Amt des Schriftführers übernommen hat. Zum Kassierer wurde Thomas Wieczorek gewählt. Kassenprüfer sind Wolfgang Ernst und Helmut Baltrusch. Der jährliche Mitgliedsbeitrag wurde auf 24 Euro für Einzelpersonen und 36 Euro für Ehepaare festgesetzt. Schüler, Studenten sowie Sozialhilfe- und Hartz IV-Empfänger zahlen zwölf Euro.

Nachdem Staatssekretärin Petra Müller-Klepper, die Bürgermeister von Kiedrich Winfried Steinmacher und von Walluf Manfred Kohl sowie Christine Bösel im Vorfeld der Gründungsversammlung ihre Mitarbeit im Verein zugesagt hatten, wurden sie zu Beisitzern gewählt.

Um weitere Mitglieder zu werben, wurden Flyer gedruckt, die an stark frequentierten Stellen im Gebiet der beteiligten Gebietskörperschaften ausliegen. Interessenten können sich telefonisch unter 06123/503595, unter Nachbarschaftshilfe@gmx.net oder im Internet unter www.nachbarschaftshilfe- rheingau.jimdo.com informieren.