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22. Wein-Reimer-Tag im Schloss Schönborn / Motto "Alles Wild"

Günter Ringsdorf präsentiert Weine und passende Wildgerichte / Höchster Festtag der Geisenheimer Wein-Reimer

Nobles Ambiente und ein bestens aufgelegter Moderator waren die Basis für einen gelungenen Wein-Reimer-Tag.

Geisenheim. (hhs) Einen noblen Rahmen hatten sich die Geisenheimer Wein-Reimer für ihren "höchsten Festtag" im Jahresablauf ausgesucht. Zu ihrem Wein-Reimer-Tag trafen sich am vergangenen Samstag 66 Mitglieder und Gäste im Schloss Schönborn. Der Abend stand unter dem Motto "Alles Wild". Als fach- und sachkundiger Interpret der gereichten Weine wie auch humorvoller Jagdexperte erwies sich Günter Ringsdorf.

Es war mittlerweile der 22. Wein-Reimer-Tag, den die Weinbruderschaft beging. Nach ihrer Gründung im Jahr 1989 mit damals gerade einmal zwölf Mitgliedern nahm sie zunächst einen stürmischen Aufschwung, um sich mittlerweile bei gut 100 Mitgliedern zu stabilisieren. Auffällig ist das relativ hohe Durchschnittsalter. Michaela Eser, die unter ihrem Mädchennamen Hans Rheingauer Weinkönigin war, arbeitet an der Verjüngung.

"Viele haben eine falsche Vorstellung von unseren Aktivitäten", bedauert sie. Möglicherweise schrecke der Begriff "Weinbruderschaft" jüngere und vor allem weibliche Weininteressierte ab. Aber: "Wir sind kein antiquierter, und vor allem auch kein reiner Männer-Verein". Selbstverständlich werden auch Frauen aufgenommen Bedingung ist lediglich eine Identifikation mit den Zielen des Vereins.

Diese lassen sich zusammenfassen im Wahlspruch: "Für Geisenheim und seinen Wein einen Reim". Hinter diesem Slogan steht der Wunsch, im geselligen Kreis das Wissen um den Wein im Allgemeinen und um den Geisenheimer Wein im Besonderen zu vertiefen. Zum Aufnahmeritual gehört die Verfassung eines kleinen Gedichts, in dem die Begriffe Wein und Geisenheim enthalten sein müssen.

Durch gemeinsame Aktivitäten wollen die Wein-Reimer weitere Freunde für den Geisenheimer Wein und die Stadt Geisenheim gewinnen. In Anerkennung ihres Engagements für die Lindenstadt gewährt die Stadt den Wein-Reimern Gastrecht im Kulturtreff "Die Scheune", wo Besprechungen und Vorstandssitzungen abgehalten werden.

Für ihren großen Wein-Reimer-Tag reicht die "Scheune" natürlich nicht aus, so dass in ausreichend große, dem festlichen Charakter der Veranstaltung angemessene Räumlichkeiten ausgewichen werden muss. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Schloss Schönborn, das nach der aufwendigen Restaurierung unter der Regie des Damen-Trios von Rheingau-Exklusiv mittlerweile zur einer gefragten "Location" für hochwertige Veranstaltungen geworden ist.

Eine solche Veranstaltung war zweifellos der Wein-Reimer-Tag. Ober-Reimer Herbert Heise und seine Zeremonienmeisterin Donate Krappe hatten neun unterschiedlichste Weine ausgesucht, zu denen Wein-Reimer-Mitglied und Spitzenkoch Sébastien Loison die passenden Speisen kreierte. Bedingung des Vorstands waren gemäß dem Leitmotiv des Abends: Die Gerichte sollten Wild-Gerichte sein.

Mit dem Interpreten Günter Ringsdorf landeten die Wein-Reimer einen Volltreffer. Der letzte "Abt von Eberbach" ist rheingauweit als charmanter Plauderer und Weinexperte bekannt; bei den Wein-Reimern konnte Ringsdorf seine zweite große Leidenschaft, die Jägerei ausleben.

Den ganzen Abend über lieferten sich Zeremonienmeisterin Donate Krappe und Ringsdorf humorvolle Wortgefechte sehr zur Erheiterung der Gäste. Unter ihnen mit der Geisenheimer Weinkönigin Anja Will, ihrer Prinzessin Carina Eisenhuth und der Johannisberger Weinkönigin Alena Rodenbach gleich drei (wein-)gekrönte Häupter, sowie mit Reiner Klein und Alfred Staable die beiden Ehrenmitglieder.

In Doppelfunktion war Jürgen Fritz gekommen einerseits als ehemaliger Vorsitzender, andererseits als Vorstandsmitglied der "Gemeinschaft deutschsprachiger Weinbruderschaften", in der mehr als 50 Weinbruderschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verbunden sind.

Jäger aus Passion

"Meine große Liebe gilt dem Rheingau und seinem Wein, meine Passion ist die Jagd", erläuterte Günter Ringsdorf in seiner Begrüßung. Gerade die Jäger stünden oft ungerechtfertigt in der Kritik, nutzte Ringsdorf die Gelegenheit zur Imagewerbung für die Jägerschaft.

Es gelte aber zu unterscheiden zwischen Jägern aus Passion "die haben den Finger mehr gerade als krumm" und "Jagdscheininhabern", die nur formal, aber nur selten charakterlich die Eignung zur waidgerechten Jagd hätten. Im Laufe des Abends präsentierte Ringsdorf etliche Anekdoten aus seinem Jägerleben, wobei nicht immer klar war, ob alles echt erlebt war oder einiges vielleicht doch dem Jägerlatein zuzuordnen war.

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt fühlten sich die Gäste bestens unterhalten. Souverän stellte Ringsdorf die einzelnen Weine vor, wies auf die Geschmacksnuancen der dazu passenden Speisen hin und rundete das sensorische Erlebnis damit ab.

Wein-Reimer h.c.

Erstmals seit Jahren gab es keine Investiturfeier in Verbindung mit einem Wein-Reimer-Tag. Zwar hätten drei Weinfreundinnen bzw. -freunde die Aufnahmebedingungen erfüllt, erläuterte Oberreimer Heise. Doch da alle drei an diesem Abend verhindert waren, müssen sie noch ein Jahr auf die Aufnahme warten.

Dennoch gab es eine Neuaufnahme dies aber nur ehrenhalber. Denn traditionell wird den Geisenheimer Weinmajestäten während ihrer Amtszeit die Mitgliedschaft angeboten und auch gerne angenommen. So war es auch im Fall der neuen Weinprinzessin Carina Eisenhuth. Moralische Unterstützung ihrer "Chefin" Anja Will hätte die aus Fastnachtsitzungen des Geisenheimer Karnevalclubs öffentlichkeitserprobte Prinzessin eigentlich nicht gebraucht. Gleichwohl tat es allen wohl zu hören, dass man sich als Weinmajestät "bei den Wein-Reimern gut aufgehoben" fühlen könne.

Somit passte sich auch dieser Programmpunkt in den harmonischen Ablauf des Abends ein, den Günter Ringsdorf mit einem besonderen Geschenk beendete: "Mir hat das heute Abend richtig Spaß gemacht", war sein Fazit. Deshalb, so Ringsdorf, schenke er den Wein-Reimern auch jene vier Flaschen feinster 1976er Beerenauslese aus der Weinlage Geisenheimer Mäuerchen, die er zum Abschluss des Abends ausgeschenkt hatte.

Wein-Präsentation

Die nächste Aktivität der Wein-Reimer wird nicht lange auf sich warten lassen. Am 13. November findet die 8. Geisenheimer Wein-Präsentation im Kulturtreff "Die Scheune" statt. Schirmherr ist Bürgermeister Frank Kilian. Für einen Eintrittspreis von acht Euro im Vorverkauf bei allen Winzern oder zehn Euro an der Tageskasse haben Weinfreunde Gelegenheit, die Vielfalt der besten Weine der Geisenheimer Winzer zu kosten, alle Winzer "an einem Ort" zu erleben und mit Weinfreunden zu diskutieren.

In einer Blindverkostung haben die Teilnehmer Gelegenheit, ihren persönlichen Lieblingswein zu finden. Je Winzer wird ein trockener Riesling-Schoppenwein in einer Blindverkostung angeboten, damit die Besucher wieder ihre drei Favoriten auswählen können. Am Ende der Veranstaltung werden die ersten drei Winzer mit der "Geisenheim Trophy" ausgezeichnet. Unter allen teilnehmenden Weinfreunden wird ein Gewinnpaket ausgelost, das jeweils eine Flasche der blindverkosteten Weine erhält.

Teilnehmer der Wein-Präsentation sind die Weingüter Dillmann, Dr. Fehlow, Forschungsanstalt, A. Freimuth, George, Graf-Müller, Grimm, Hof Rheinblick, H. Jung, Klose_Werk2, Ostermühle, Sohns, Tannenhof sowie die Sektkellerei Bardong mit jeweils bis zu fünf ihrer besten Weine und Sekte.