75 Jahre Lennebergwald-Zweckverband

Ein Wald mit Geschichte, der Generationen miteinander verbindet

75 Jahre Lennebergwald-Zweckverband – das ist ein Anlass zum Zurückblicken, aber vor allem einer, um Danke zu sagen und nach vorn zu schauen. Am 26. August wurde das Jubiläum am Grünen Haus im Lennebergwald gefeiert. Im Mittelpunkt standen die Geschichte des Waldes, die Menschen, die sich seit Jahrzehnten für ihn einsetzen, und die Frage, wie dieser besondere Naturraum auch für kommende Generationen erhalten werden kann. Ein Wald ist etwas Langsames. Er wächst über Jahrzehnte, manchmal über Jahrhunderte. Und doch kann sich sein Gesicht innerhalb weniger Jahre verändern. Das macht den Lennebergwald zu einem besonderen Ort – und seine Geschichte zu einer Geschichte stetigen Wandels. Am 1. April 1951 gründeten die Stadt Mainz und die damaligen Landkreise Mainz und Bingen den Zweckverband zur Erhaltung des Lennebergwaldes. Die Entscheidung fiel in einer Zeit, in der die Folgen des Krieges noch deutlich spürbar waren. Der Wald war durch Krieg und Holzeinschläge stark beansprucht worden. Dennoch entschieden sich die Verantwortlichen dafür, die Flächen dauerhaft zu sichern. Eine Entscheidung, deren Bedeutung heute größer denn je erscheint. Denn der Lennebergwald ist längst weit mehr als ein Stück Wald vor den Toren der Stadt. Er ist Naturschutzgebiet, Erholungsraum, Lernort und Heimat. Rund eine Million Menschen besuchen ihn jedes Jahr. Sie gehen spazieren, joggen, fahren Rad, beobachten Tiere und Pflanzen oder kommen mit ihren Schulklassen hierher.

Ein Fest für viele Wegbegleiter

Beim Jubiläumsfest am Grünen Haus wurde deshalb nicht nur die Institution Zweckverband gefeiert. Es waren vor allem die Menschen, die über Jahrzehnte Verantwortung für den Lennebergwald übernommen haben. Bürgermeister Stephan Hinz begrüßte die Gäste und erinnerte daran, dass der Erhalt dieses besonderen Waldes nur durch das Engagement vieler Beteiligter möglich sei. Unter den Gästen waren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung ebenso wie Försterinnen und Förster, Forstwirte, Wissenschaftler, Naturschützer, Feuerwehrleute, Mitglieder der Zweckverbandsversammlung und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch Sponsoren und Unterstützer, die zur Entwicklung des Grünen Hauses und der neuen Ausstellung beigetragen haben, waren dabei. Damit wurde beim Jubiläum deutlich: 75 Jahre Zweckverband sind nicht allein die Geschichte einer Institution. Es ist die Geschichte vieler Menschen, die Verantwortung übernommen haben.

Vom Wiederaufbau zum Schutz der Natur

In seiner Festrede blickte Oberbürgermeister Nino Haase auf die Entwicklung des Lennebergwaldes zurück. Nach der Gründung des Zweckverbandes stand zunächst der Wiederaufbau des geschädigten Waldes im Mittelpunkt. Später veränderten sich die Herausforderungen. In den 1970er und 1980er Jahren waren Umweltbelastungen wie saurer Regen und Stickstoffeinträge große Themen. Gleichzeitig wuchs das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung des Waldes. Forschung, Naturschutz und die Frage nach einer nachhaltigen Bewirtschaftung gewannen zunehmend an Gewicht. Heute steht der Lennebergwald erneut an einem Wendepunkt. Trockenheit und Hitze, Stürme, Borkenkäfer und Waldbrände stellen den Wald vor enorme Herausforderungen. Die Erfahrungen der Jahre 2018 bis 2020 haben gezeigt, wie empfindlich das Ökosystem auf lange Trockenperioden reagiert. Die jüngsten Waldbrände haben diese Erfahrung noch einmal schmerzhaft bestätigt. Die Frage lautet deshalb nicht mehr nur, wie der Wald erhalten werden kann, sondern auch, wie er sich an eine veränderte Zukunft anpassen muss.

Eine Balance zwischen Mensch und Natur

Dabei darf eines nicht vergessen werden: Der Lennebergwald soll nicht nur ökologisch funktionieren. Er soll auch für die Menschen da sein. Rund eine Million Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr in den Wald. Diese Nutzung ist Teil seiner Bedeutung – sie bringt aber auch Verantwortung mit sich. Wege müssen gepflegt, Besucher gelenkt und sensible Bereiche geschützt werden. Gleichzeitig sollen Menschen die Möglichkeit behalten, Natur unmittelbar zu erleben. Naturschutz und Erholung stehen deshalb nicht grundsätzlich gegeneinander. Es geht darum, die richtige Balance zu finden. Und genau diese Balance wird eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre sein.

Das Grüne Haus bekommt ein neues Gesicht

Ein besonderer Bestandteil des Jubiläums war die Vorstellung des neugestalteten Grünen Hauses. Gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum wurde eine neue Ausstellung entwickelt, die den Lennebergwald und seine Besonderheiten verständlich und anschaulich vermittelt. Denn wer einen Lebensraum schützen will, muss ihn zunächst kennen und verstehen. Auch für Kinder und Jugendliche soll der Wald auf diese Weise stärker erfahrbar werden. Dazu gehört "LENNY", das neue Maskottchen des Lennebergwaldes. Entworfen wurde es von der Grafikerin Linda Söhn. Die dazugehörige Holzskulptur entstand unter den Händen der Forstwirtin Mareike Alk mit der Motorsäge. Für die Umsetzung der Ausstellung war außerdem der Schreiner Alexander Metz von Holz Impuls beteiligt. Beim Jubiläumsfest wurde LENNY erstmals offiziell vorgestellt. Anschließend wurde die Holzskulptur enthüllt – ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Lennebergwald nicht nur auf eine lange Geschichte zurückblickt, sondern gleichzeitig neue Wege geht.

Verantwortung, die weitergegeben wird

Besonders deutlich wurde beim Jubiläum auch, dass Waldarbeit immer Arbeit für andere ist. Wer heute einen Baum pflanzt, wird seinen ausgewachsenen Baum möglicherweise selbst nicht mehr erleben. Wer einen Wald schützt, tut dies immer auch für Menschen, die noch gar nicht geboren sind. Das macht den Gedanken der Generationenverantwortung im Lennebergwald besonders greifbar. Die vergangenen 75 Jahre haben gezeigt, dass sich die Aufgaben verändern können: vom Wiederaufbau über die Bewältigung von Umweltbelastungen bis hin zu Klimawandel und Waldbrandgefahr. Was bleibt, ist die Verantwortung für diesen besonderen Naturraum.

Ein Fest, das nach vorne blickt

Das Jubiläumsfest am Grünen Haus war deshalb mehr als ein Blick zurück. Es war ein Tag des Dankes an all jene, die den Wald über Jahrzehnte begleitet und geschützt haben. Und es war zugleich ein deutliches Signal für die Zukunft. Niemand kann heute wissen, wie der Wald in 25, 50 oder 75 Jahren aussehen wird. Sicher ist nur: Die Bedingungen werden sich verändern. Deshalb wird es darauf ankommen, den Wald weiter zu erforschen, ihn anzupassen, ihn zu schützen und gleichzeitig seine Bedeutung als Erholungsraum zu erhalten. Denn ein Wald wächst langsam. Was heute gepflanzt, gepflegt und geschützt wird, werden oft erst kommende Generationen erleben. Der Lennebergwald gehört keiner einzelnen Generation. Er verbindet die, die ihn vor 75 Jahren gesichert haben, mit denen, die ihn heute pflegen, und mit denen, die ihn morgen benötigen werden.

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