Barrieren sichtbar und erlebbar machen

Feier zum 25-jährigen Bestehen des Behindertenbeirats Budenheim im Bürgerhaus

Das 25-jährige Bestehen des Behindertenbeirates Budenheim wurde im Bürgerhaus mit einer Feier ganz im Zeichen von Teilhabe, Inklusion und Barrierefreiheit begangen. Zahlreiche Gäste waren trotz der hohen Temperaturen gekommen, um auf ein Vierteljahrhundert engagierter Arbeit zurückzublicken.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem praktischen Erleben von Barrieren. Dafür sorgte Jürgen Köhler vom TV Laubenheim, der gemeinsam mit seinem Team vor dem Bürgerhaus einen Rollstuhl-Parcours aufgebaut hatte. Interessierte Besucherinnen und Besucher konnten selbst in einen Rollstuhl steigen und ausprobieren, wie schwierig scheinbar alltägliche Wege werden können.

Bordsteine, Unebenheiten und andere Hindernisse, die im Alltag oft kaum wahrgenommen werden, stellten die Teilnehmenden plötzlich vor ganz neue Herausforderungen. Auf diese Weise wurde unmittelbar deutlich, wie wichtig eine barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Raums ist. Köhler und sein Team begleiteten die Besucher, gaben praktische Hinweise und standen für Fragen zur Verfügung.

Darüber hinaus berichtete Jürgen Köhler, wie er zum Behindertensport gekommen ist. Sein persönlicher Einblick machte deutlich, dass Sport nicht nur Bewegung und Gemeinschaft bedeutet, sondern auch ein wichtiger Weg zu mehr Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein und gesellschaftlicher Teilhabe sein kann. Der Auftritt des TV Laubenheim trug damit wesentlich dazu bei, das Thema Inklusion anschaulich und verständlich zu vermitteln.

Bürgermeister Stephan Hinz begrüßte die Gäste und würdigte die Arbeit des Behindertenbeirates als wichtigen Beitrag für das gesellschaftliche Miteinander in Budenheim. Glückwünsche übermittelten unter anderem Landrat Thomas Barth und die stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, per Videobotschaft. Auch Blütenkönig Ben Giovanni Brömmel gratulierte zum Jubiläum.

In seiner Festrede erinnerte der Vorsitzende des Behindertenbeirates, Arco Friedrich, an die Anfänge des Gremiums. Der damalige Behindertenbeauftragte des Landkreises Mainz-Bingen, Knut Jordan, hatte gemeinsam mit dem früheren Bürgermeister Rainer Becker bei einem Rundgang durch Budenheim auf zahlreiche Hindernisse aufmerksam gemacht. Daraus entstand der Entschluss, auch in Budenheim einen Behindertenbeirat zu gründen. Im Jahr 2001 nahm dieser seine Arbeit auf.

Seitdem hat sich in der Gemeinde vieles bewegt. Gebäude, Wege und öffentliche Einrichtungen wurden an verschiedenen Stellen verbessert. Zugleich ist das Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderung gewachsen. Dennoch, so Friedrich, sei der Weg zu einer vollständig inklusiven Gemeinde noch nicht abgeschlossen. Barrieren bestünden nicht nur aus Treppen, fehlenden Aufzügen oder hohen Bordsteinen. Auch Vorurteile, Unsicherheit und fehlende Rücksichtnahme könnten Menschen an der gleichberechtigten Teilhabe hindern.

Ein wichtiger Schritt war deshalb die Entwicklung des Aktionsplans „Unser Weg in eine inklusive Gemeinde“ zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Arbeiten daran begannen 2015. Der Aktionsplan wurde 2019 vorgestellt und 2023 überarbeitet und neu aufgelegt.

Im Foyer informierten außerdem verschiedene Institutionen und Organisationen über ihre Arbeit und ihre Unterstützungsangebote. Mit Infoständen vertreten waren der Behindertenbeirat, der Seniorentreff und Pflegestützpunkt, der VdK, die BSG, Commit cbf, die Firma Lebenslagen, der Pflegedienst Maniolas sowie die Firma Inselrhein Alltagshilfe. Die Gäste konnten sich dort über konkrete Hilfen, Beratungsangebote und Möglichkeiten der Unterstützung informieren.

Für einen weiteren besonderen Moment sorgte Blütenprinzessin Marie Haese, die kurzfristig für einen ausgefallenen Musiker einsprang und die Gäste mit einem Klaviersolo begeisterte.

Das Jubiläum machte deutlich, dass Inklusion keine Aufgabe ist, die eines Tages abgeschlossen sein wird. Sie muss im Alltag immer wieder neu umgesetzt werden. Der von Jürgen Köhler und dem TV Laubenheim betreute Rollstuhl-Parcours zeigte dabei auf eindrucksvolle Weise, wie wichtig es ist, Barrieren nicht nur zu benennen, sondern sie für alle Menschen sichtbar und erlebbar zu machen.

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