Budenheim. (rer) –
Ein Todesfall, eine Trauerfeier, ein Pfarrer in Zeitnot und eine Belegschaft in Schwarz. Gernot Steinfels, Gründer und Patriarch einer mittelständischen Firma für Feinwäsche, ist mit 94 Jahren friedlich eingeschlafen. Ein leiser Tod, ein würdiger Rahmen, alles wie bestellt. Auch der Kranz. Mit Schleife. Darauf steht: "In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter." Zack, ist alle Andacht dahin. Horst Bohne, Nachfolger in Startposition, hat den Text selbst formuliert und hält ihn für genauso angemessen, wie seine Trauerrede. Marketingleiterin Alina findet ihn unvollständig. Social-Media-Assistent Kevin übergriffig. Die Praktikantin für mindestens so veraltet wie den Verstorbenen. Binnen Minuten steht nicht mehr der Dahingegangene im Mittelpunkt, sondern die (Un-)Möglichkeit eines Sternchens auf einer Trauerschleife. Was folgt, ist eine Kettenreaktion atomaren Ausmaßes. Jeder Satz, der die Lage moderieren soll, beschleunigt die Spaltung. Zuerst geht es um das Gendersternchen, dann um das Betriebsklima und schließlich um alles, worauf das Unternehmen jahrzehntelang gebaut ist. Zwischen Trauerballons, Andachtsbildchen und Streuselkuchen im Tuppercontainer sprengt sich die Führungsetage mitsamt ihren Ansprüchen an männliche Vorherrschaft hier und gerechten Bedingungen dort selbst in die Luft. Irgendwann hat sogar der Pfarrer mehr als nur die Nase voll. Mit "Kalter weißer Mann" bringt der Theaterverein "Pank & Ratius – kleine bühne budenheim e.V." am 17. Oktober seine erste Produktion seit "Das perfekte Geheimnis" (2023) auf die Bühne. Das Stück stammt von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, dem Autorenduo hinter "Extrawurst". Beide schrieben unter anderem mit an Drehbüchern für "Stromberg", "Pastewka" und "Mord mit Aussicht". Uraufgeführt wurde "Kalter weißer Mann" im April 2024 am Renaissance Theater in Berlin, seither steht es bundesweit auf den Spielplänen. Das Stück nimmt keine Seite in Schutz. Misst aber jede an den eigenen Ansprüchen. Bis die Sekretärin, die leiseste Frage des Abends stellt: "Warum sind hier eigentlich alle so sicher, dass sie recht haben?" Am Ende fehlt die Antwort. Erstmals ist Pank & Ratius im Budenheimer Margot-Försch-Haus zu sehen. Für den Sommer 2027 sind Aufführungen von "Kalter weißer Mann" vor der Pankratiuskirche geplant. Es spielen: Dirk Horstmann, Lars Kern, Johanna Kreckel, Anja Kunz, Michaela Paefgen-Laß, Gerrit Pawliczak. Regie: Guido Paefgen, Assistenz: Stephan Schröder.
Aufführungen
Premiere ist am Samstag, 17. Oktober 2026, um 20 Uhr im Margot-Försch-Haus, Gonsenheimer Straße 41, Budenheim. Weitere Termine: 18. Oktober um 19 Uhr, 23. und 24. Oktober, jeweils um 20 Uhr, und am 25. Oktober um 19 Uhr. Abendkasse jeweils eine Stunde vorher. Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Kartenreservierung ab 11. September und alle Informationen unter www.pankundratius.com.
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