Zuhause bei den Buddenbrooks
Concerto Classico präsentierte stimmungsvolle Weihnachtslesung mit Musik

Es war eine Freude, dem Schauspieler Rainer Furch ins weihnachtliche Zuhause der Buddenbrooks zu folgen.

Eltville. (chk) – „Heute präsentieren wir Ihnen kein Konzert, sondern eine Lesung mit musikalischer Begleitung“, sagte Norbert Statzner, Veranstalter von Concerto Classico, als er das Publikum im Kurfürstensaal der Eltviller Burg begrüßte und die Künstler vorstellte. Unter dem Motto „Weihnachten (nicht nur) bei den Buddenbrooks“ las der Schauspieler Rainer Furch aus dem berühmten Roman von Thomas Mann die eindrückliche Schilderung des Weihnachtsfestes der wohlhabenden Lübecker Kaufmannsfamilie im 19. Jahrhundert.

Pianist Christian Strauß und die Sopranistin Marina Russmann präsentierten dazu Instrumentalstücke und Lieder, die zum Text passten. Stets im richtigen Moment machte Rainer Furch eine Pause für die Musik.

Mit „Knecht Ruprecht“ aus dem „Album für die Jugend op. 68“ von Robert Schumann leitete Christian Strauß den musikalischen Part virtuos ein. Es folgten weitere große Instrumentalstücke wie die „Zwölf Variationen über Ah, vous dirai-je, Maman, KV 265“ von Wolfgang Amadeus Mozart und die „Preludio religioso“ aus der „Petite Messe solenelle“ von Gioachino Rossini. Außerdem begleitete Strauß einfühlsam alle Lieder von Marina Russmann wie zum Beispiel „Weihnacht, Weihnacht“ von Nico Dostal, „Habanera“ aus „Carmen“ oder „Weihnachtsfriede“ von René Kollo.

Als bei den Buddenbrooks der Knabenchor „Tochter Zion“ sang, lud Marina Russmann das Publikum ein, dieses Lied mit ihr zu singen, ebenso auch „Stille Nacht, heilige Nacht“, und „O, Tannenbaum“, die auch bei Familie Buddenbrook zu Hause gesungen wurde. An dieser Stelle konnte man den Duft von angesengten Tannen riechen, den Thomas Mann beschrieb. Konsulin Buddenbrook ergriff die Hände ihrer Enkelkinder Hanno und Elisabeth. Hanno hatte sich ein Puppentheater gewünscht, seit er zum ersten Mal die Oper „Fidelio“ von Beethoven auf der Bühne gesehen hatte. Hanno war tief gerührt, als er das Puppentheater sah und spielte im Geiste nach, was er auf der richtigen Bühne gesehen hatte. Dazu spielte Christian Strauß „Mir ist so wunderbar“ aus „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven. Es war leicht, der angenehmen Stimme von Rainer Furch durch den Weihnachtsabend zu folgen. Er „transportierte“ die Handlung in den Kurfürstensaal, als wäre man bei den Buddenbrooks zu Hause. Sehr anschaulich wurde auch das Menü beschrieben – vom Karpfen in Butter, über gefüllte Pute mit gebratenen Kartoffeln und zweierlei Gemüse. Als Nachtisch wurden Eisbaisers gereicht. Die Erwachsenen tranken Wein, und dazu interpretierte Marina Russmann das „Schwipslied“ aus „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß, aber diesmal nicht mit einem Wein- oder Sektglas in der Hand, sondern mit Thermoskanne und Glühweinbecher.

Gerade an dem jungen Hanno hatte Thomas Mann kindliche Hoffnungen und Wünsche zu Weihnachten am plastischsten beschrieben und wahr werden lassen. Während der Junge mit schwerem Magen im Bett lag und im Halbschlaf noch einmal das Weihnachtsfest Revue passieren ließ, neigte sich die wunderbare literarisch-musikalische Weihnachtsreise dem Ende zu. Nach dem gemeinsam gesungenen Schlusslied „O du fröhliche“ verlangte das begeisterte Publikum noch eine Zugabe, die gewährt wurde. Noch einmal wurde gemeinsam „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen, nachdem Marina Russmann die erste Strophe in ihrer russischen Muttersprache dargeboten hatte.

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