Franzosen erwerben Erbslöh AG
Management sieht keine Nachteile für Standort Geisenheim

Geisenheim. (mg) – Das Unternehmen Erbslöh ist mit der Stadt Geisenheim so eng verbunden, dass es den Namen der Lindenstadt selbst im Schriftzug führt, seit es zur AG umfirmierte.

Nun hat die Erbslöh Geisenheim AG aber seit dem 1. Oktober einen neuen Eigentümer. Das Traditionsunternehmen, das erst in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feierte, gehört nun zu 100 Prozent dem Unternehmen Laffort aus Bordeaux.

Diesen Eigentümerwechsel durch Übernahme der Aktien wurde den Mitarbeitern am 4. Oktober im Rahmen einer Betriebsversammlung im Rheingau Atrium im Domzentrum vorgestellt.

Dr. Jörg Möller, Vorstand der Erbslöh AG sieht dabei positiv in die Zukunft. Es sei gut, dass man mit Laffort einen ähnlich strukturierten Familienbetrieb als neuen Eigentümer habe. Das werde von seiten des Managements begrüßt. Die Übernahme durch Laffort werde der Erbslöh AG, die als solche weiterfirmieren wird, eine Zukunftsperspektive geben.

Deshalb verbinde man die Übernahme durch das französische Familienunternehmen, in dem Duc Laffort die Geschäfte führt, mit positiven Erwartungen. Das französische Unternehmen hat eine fast ebenso lange Firmengeschichte und Tradition wie Erbslöh.

Für den Standort von Erbslöh in Geisenheim werde es keine negativen Auswirkungen haben, vielmehr erwarte man sogar eine Produktionsanstieg, erklärt Dr. Möller. Auch der Forschungsstandort Geisenheim bleibe bestehen. Zusammenlegungen seine keine geplant. Zudem gebe es keine Überschneidungen in der Produktion und auch die Geschäftstätigkeit sei regional durchaus unterschiedlich ausgerichtet. Während Erbslöh im deutschsprachigen Raum und in den ehemaligen GUS-Staaten im Osten stark vertreten ist, decke Laffort mit seinen Produkten eher den südeuropäischen Raum und die Staaten der „neuen Weinwelt“ ab.

Weltweit beurteilt Dr. Möller die Geschäftsaussichten beider Unternehmen, die auch weiterhin parallel auftreten, positiv. Auch für die Kunden werde sich durch den Eigentümerwechsel nichts ändern.

Für den Fortbestand des Unternehmen sei die Entscheidung der Familie Erbslöh zu begrüßen, zumal Laffort als Familienunternehmen hinsichtlich des persönlichen Interesses eine klare Zukunftsperspektive biete. Das Management und der Betriebsrat seine frühzeitig über den Schritt informiert worden. Und wie schon in der Vergangenheit, habe die Familie Erbslöh imSinne des Unternehmens genadelt.

Ursprünge im Bergbau

Am Anfang der Firma Erbslöh war das Kaolin und der Kauf von Kaolingruben in Geisenheim durch Carl Hugo Erbslöh 1892. Schon mit 26 Jahren gründete Carl Hugo Erbslöh in Düsseldorf die Firma C.H. Erbslöh, einen Großhandel für Chemikalien. Er belieferte unter anderem auch die Papier- und Keramikfabriken des Westens mit Kaolin, ein Mineral, das zu diesem Zeitpunkt zumeist noch von Großbritannien importiert wurde. Die Förderung des Kaolins im eigenen Land, sollte mehr Unabhängigkeit bringen. Die Wahl fiel auf die Geisenheimer Grube, weil sie verkehrsgünstig lag – lag nur einen Kilometer von der Bahnstation entfernt.

So wurde am 2. September 1892 die Geisenheimer Firma „Kaolinwerke Erbslöh & Co.“ gegründet und im Handelsregister eingetragen.

In den dreißiger Jahren kam der Durchbruch mit Bentonit; die Patentanmeldung zur Aktivierung des Minerals erfolgte. Der Anwendungsbereich von Bentonit war zu dieser Zeit der Einsatz als Formsandbinder in der Gießereiindustrie. Aus den USA kamen um 1940 erste Hinweise zur Anwendung von Bentonit zur Eiweißentfernung im Wein. So kamen erste Anfragen, ob Erbslöh Bentonite auch für die Weinherstellung zur Verfügung stellen könne. Ein neues Geschäftsfeld war geboren. Hierfür wurde im Jahre 1964 ein neues Unternehmen, die Erbslöh Geisenheim Getränketechnologie GmbH & Co. KG gegründet. Mit Bentonit, bekannt als „Geisenheimer Erde zur Weinschönung“ eroberte man nun die Getränkewelt.

Seit der Gründung des Bereichs Getränketechnologie 1964 behauptet Erbslöh Geisenheim seine führende Stellung im Bereich Forschung und Entwicklung. So brachte der Spezialist für die Verarbeitung und Veredlung von fruchtbasierten Getränken in den letzten 50 Jahren viele wegweisende, innovative Produkte hervor. Doch fortschrittliche Ideen waren im Familienunternehmen Erbslöh schon lange davor stets die treibende Kraft in Richtung Zukunft.

Mit dem Kauf von La Littorale Frankreich in Südfrankreich im Jahr 2003 sowie der Gründung von Erbslöh España S.L. und der Erbslöh Geisenheim Inc. in New York, wurde die internationale Ausrichtung und Kompetenz der Erbslöh-Gruppe erweitert. Heute zählt das Familienunternehmen 140 Mitarbeiter und ist in über 70 Ländern weltweit zu Hause.

Neuer Eigentümer

Gegründet im Jahr 1895 in Bordeaux, spielte Laffort, der neue Eigentümer von Erbslöh, eine fundamentale Rolle bei önologischen Entwicklungen. Eigene Entwicklungen erlaubten einen Fortschritt von einer chemischen Produkten hin zu einer präventiven Form der Önologie auf biotechnologischen Innovationen.

Laffort zeichnet sich aus durch sein großes Engagement in der angewandten Forschung sowie auch in der Grundlagenforschung und besitzt zahlreiche internationale Patente.

Dabei gibt man den Weinmachern Mittel für die Optimierung und den Erhalt der Qualität ihrer Weine an die Hand.

Zur Strategie von Laffort gehört es, „grüne Technologien“ voranzutreiben und exakte kellertechnische Lösungen zu entwickeln, die aus der Natur stammen und die Identität des Weins respektieren.

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