Premiere für die Junge Bühne Schlangenbad im Kulturtreff Scheune
Die Grönholm-Methode als Anstoß für Intrigen, Misstrauen und Rivalität

Noch voll Erwartungen an das bevorstehende Gespräch treffen die vier Bewerber nacheinander im Konzern ein.

Geisenheim. (ks) – Zum ersten Mal waren die Schauspieler, Regisseure und Dramaturgen der Jungen Bühne Schlangenbad zu Gast im Kulturtreff Scheune. Als „komödiantisch und satirisch mit einer großen Portion schwarzem Humor“ kündigte Horst Falker ihr aktuelles Stück „Die Grönholm-Methode“ an. Tragisch sei das Stück und dennoch nah an der Realität. Immerhin beruht die Handlung auf einer wahren Begebenheit.

Ein spanischer Journalist enthüllte das Ausschlussverfahren zur Stellenbesetzung einer spanischen Supermarktkette, indem er die Unterlagen der abgelehnten Bewerber unter die Lupe nahm. Vordergründig steht das von einem schwedischen Psychologen entwickelte Auswahlverfahren, das von multinationalen Konzernen angewendet wird, um Führungskräfte zu testen. Prüfungen in Form von Rollenspielen werden dabei verlangt, die für die Bewerber immer merkwürdiger und vor allem auch immer menschenverachtender werden.Der Autor des Theaterstücks, Jordi Galceran, hat sich mit dem ungewöhnlichen Bewerbungsprocedere befasst und mögliche Konsequenzen in seinem Theaterstück verarbeitet. Das Ergebnis ist eine schwarze Komödie über das ungleiche Machtverhältnis zwischen Bewerbern und Personalabteilung.Vier Bewerber, gespielt von Marcus Reichardt, Pierre Adrien, Joachim Klotz und Anne Sudmann, haben bereits einige erfolgreiche Runden des umfangreichen Bewerbungsverfahrens, den der Großkonzern Dekia durchführt, hinter sich gebracht.Zu dem letzten Gespräch werden sie alle vier zeitgleich zitiert, nur von Dekia scheint niemand da zu sein. Für die verwunderten Bewerber folgt eine Reihe seltsamer Aufgaben, die ihnen schriftlich mitgeteilt werden.Schnell kippt die Stimmung unter den vieren, es entsteht Rivalität, Mistrauen und eine Kette von Intrigen. Das Bühnenbild ist schlicht, lediglich vier Stühle und ein Garderobenständer stehen auf der Bühne. Umso auffälliger sind die einzelnen Charaktere. Der Aufdringliche, der Unhöfliche, die Frau, welche auf ihre Rechte besteht und der verschollene Studienfreund nehmen die Bühne für sich ein. Sie lesen Zeitung, telefonieren oder ziehen hastig an einer Zigarette. Unterhalten möchte sich zunächst niemand so richtig, bis sie vor die erste Aufgabe gestellt werden. Einer von ihnen ist kein Bewerber, sondern Mitglied der Personalabteilung Dekias. Wer aber von den vier Bewerbern schwindelt, das müssen die anderen drei herausfinden, sodass sie zum Gespräch gezwungen werden und bereit sind, in den dunkelsten vergangenen Geschichten der anderen zu graben, in der Hoffnung auf etwas zu stoßen, dass für die anderen von Vorteil sein könnte.Jede Bewegung, jedes genervte Augenrollen der Schauspieler zieht die Zuschauer tiefer in den Bann der faszinierenden Geschichte die auf einer wahren Begebenheit beruht.Nicht nur bei dem Rheingauer Publikum stößt das spannende Stück auf Begeisterung. Seit der Uraufführung vor zehn Jahren ist das skurrile Theaterstück zum Dauerbrenner auf europäischen Bühnen geworden. Seit 35 Jahren präsentiert die Junge Bühne Schlangenbad anspruchsvolle Produktionen im gesamten Rhein-Main Gebiet. Regelmäßig werden sie zu Gastspielen eingeladen, wie zuletzt im spanischen Kulturverein Frankfurt oder auch dem Kulturtreff Scheune in Geisenheim.Für gewöhnlich spielen die Stücke in der Alten Schule, die von der Gemeinde Schlangenbad zur Verfügung gestellt wird. Somit ist die Junge Bühne Schlangenbad hessenweit das einzige Amateurtheater mit eigenen Räumlichkeiten.Vier Regisseure und dreißig Schauspieler studieren mehrmals im Jahr ihre stetig wechselnden Rollen ein. Für viele der Amateurschauspieler ist die Junge Bühne Schlangenbad der Einstieg in ein Theater-Studium und eine erfolgreiche Karriere. Drei bis vier Produktionen präsentiert die Junge Bühne jährlich. Hinzu kommen zwei Theaterstücke für Kinder und Jugendliche. Neun Monate dauert es, bis ein Stück richtig sitzt, so dass die Schauspieler die Stücke parallel proben. Nach rund zwölf gelungenen Aufführungen, wird das aktuelle Stück gegen ein neues ersetzt. Das Repertoire der Jungen Bühne ist bunt. Von klassisch über zeitgenössisch, bis hin zu Boulevard reicht das Programm.Als Dramaturgin und Regisseurin sind Marita Mahrenholz-Pfannmüller und Ute Schmitz-Welkenbach hinter den Kulissen aktiv. Sie wählen die Stücke aus und gestalten das Schauspiel nach ihren Vorstellungen. Besonders gerne setzen sie sich mit sozialkritischen Stücken mit psychologischen Hintergründen auseinander.Wenn der Vorhang für die Grönholm-Methode fällt, können sich die Freunde der Jungen Bühne Schlangenbad im Mai auf die Aufführung „Yasmina Reza der Gott des Gemetzels“ freuen. Ab Juni werden die Schauspieler in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ zu sehen sein.

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

60 Menschen verlieren ihren Job
1 Woche 1 Tag
Dem Opernsänger Peter Parsch zum Gedenken
10 Wochen 5 Tage
Kathrin Palmen spielt jetzt im Hauptorchester
12 Wochen 1 Tag
Doro rockt – Rüdesheim schwitzt
29 Wochen 2 Tage
„Bunter Rheingau statt braune Suppe“
39 Wochen 9 Stunden


X