Lesung zu Mord und Totschlag
Josef Wilfling bot im Modehaus Arz einen Einblick in die reale Welt des Bösen

Mit seinem großen Erfahrungsschatz, aber auch Humor bot Josef Wilfing einen besonderen Einblick in die Welt der Mordermittlungen.

Ransel. (sw) – Zahlreiche Fälle darunter die bekannten Mordfälle Sedlmayer und Mooshammer hat der ehemalige Chef der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling, in seinen fast 50 Dienstjahren bearbeitet und das mit einer nahezu 100 prozentigen Erfolgsquote. Am vergangenen Samstag Abend gab er den Besuchern eines Lesungsabends im Modehaus Arz einen Einblick in seine Arbeit mit Verdächtigen, Mördern, Totschlägern und Opfern.

 

Unterschied zwischenRealität und Fiktion

Den Besuchern der Veranstaltung und den Lesern seiner insgesamt drei Bücher möchte er so einen Einblick in die Realität ermöglichen, den sie so sonst nicht erhalten. Dabei sei ihm besonders der Abbau von Klischees und Vorurteilen wichtig, erklärte er. Nach seiner langjährigen Tätigkeit in der Mordkommission habe er das Bedürfnis gehabt für die Öffentlichkeit den Unterschied zwischen der Realität und der beispielsweise im Tatort gezeigten Fiktion klar zu machen. Durch den Bekanntheitsgrad, den er zwangsläufig durch die Lösung von Fällen wie Sedlmayer und Mooshammer erlangt habe, seien auch immer wieder Menschen mit Fragen an ihn herangetreten, die er auch in seinen Büchern verarbeitet hat, so Wilfling. Von der Frage wie es dazu kommt, dass ein Mensch zum Mörder wird, welche Unterschiede und Probleme es bei der Auflösung des einzelnen Falles geben kann bis hin zu dem was passiert, wenn all das abgeschlossen scheint. “Viele Fälle begleiten einen noch lange nach der Ermittlung und einem gesprochenen Urteil”, erklärt Wilfling, „denn nach einem Mord gibt es niemals nur ein Opfer”, fügte er hinzu. Denn auch den entstehenden Narben und der Trauer auf Seiten der Angehörigen des Opfers, aber auch der Täter widmet er sich in einen Büchern. Trotz seiner erschienenen Trilogie spricht sich der ehemalige Ermittler selbst jedoch keine besondere Literalität zu, vielmehr legt er den Fokus auf die Richtigstellung der Fakten, im Unterschied zu dem was in TV und anderen Medien oft porträtiert werde.

Bei der Veranstaltung im Modehaus erwartete die zahlreichen Besucher dann ein Überblick über die Themen aus allen drei Büchern, sowie ein besonderer Einblick in die Arbeit und Erfahrungen des erfolgreichen Ermittlers. Eine klassische Lesung hatten diese aber nicht zu erwarten, er sei eher ein Erzähler, erklärte Wilfling, weshalb er auch an diesem Abend lieber frei aus Fällen und Statistiken berichtete.

Einblick in die Welt des Bösen

Als Josef Wilfling dann gegen 17 Uhr auf der kleinen Bühne in einem Sessel Platz nahm, hatten sich die Stuhlreihen bereits mit zahlreichen, gespannten Zuhörern gefüllt. Stephanie Arz-Corell begrüßte ihn an dieser Stelle offiziell im Namen des gesamten Teams, aber auch ihres Verstorbenen Vaters Karl-Heinz Arz. Dieser hatte über einen Freund Josef Wilfling bereits vor Jahren kennen gelernt und ihn zu einer Veranstaltung eingeladen. Auch Wilfling bedauerte, dass es erst jetzt geklappt habe, doch nun würde er mit großer Freude sein gegebenes Versprechen einer Lesung einlösen, erklärte er. Mit einem weiteren Versprechen, nämlich den Anwesenden einen Einblick in die reale Welt des Bösen zu gewähren , bannte er die Besucher von Anfang an auf ihre Stühle. Dennoch wolle er aber niemanden traumatisieren, sondern informieren, fügte er mit einem Lächeln hinzu.

Wie in der Realität begann Josef Wilfling im Folgenden auch in seinem Vortrag mit den Gründen aus denen jemand zum Mörder wird. Die in §211 des Strafgesetzbuches festgehaltenen Mordmotive seien dabei “Motive die den Menschen schon immer eigen sind und es wohl auch bis zum Ende der Menschheit bleiben werden”, so Wilfling. Dabei war es ihm jedoch wichtig klar zu stellen, dass Deutschland im weltweilen Vergleich mit einer Mordrate von 0,8 zu den sichersten Ländern gehöre. Bei diesen Taten spielen im Vergleich zu vielen anderen Ländern auch Waffen in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Gift sei aus der Mode gekommen und in die Tiefe gestürzt würden Menschen auch nur selten, auch wenn er an Hand eines Falles zeigte, dass es doch alles einmal gibt. Durch die Art seiner Erzählung schaffte er es trotz des an sich ernsten Themas sein Publikum immer wieder zum Lachen zu bringen.

Zuerst RosamundePilcher, dann Tatort

Was die eigentliche Aufklärung der Fälle angehe, habe besonders der DNA-Vergleich und die elektronische Datenbank für Fingerabdrücke zu vielen Erfolgen beigetragen. Auch nach Jahrzehnten konnten so Mörder gefasst werden, darunter auch ein Serientäter, der schließlich den Mord an sieben Frauen gestand. So komme man bei Tötungsdelikten mittlerweile auf eine fast 100 prozentige Aufklärungsrate, die Dunkelziffer unentdeckter Morde, sei dabei jedoch nicht mit eingerechnet, erklärte er. Vieles sei bei einer Früherkennung, besonders beim Schutz von Kindern noch zu tun, so Wilfling.

Doch auch auf die Frage, wo die größte Gefahr lauere umgebracht zu werden, hatte der erfahrene Ermittler die passende Antwort. Tatsächlich seinen Beziehungstaten statistisch gesehen am Häufigsten, wobei gerade die Ehemänner am gefährlichsten seien. Die meisten seien jedoch brav, und ertrügen ihr Schicksal in Ruhe, fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu. Doch oft sei es eben so, dass sich die Beziehungen „von Rosamunde Pilcher zum Tatort entwickeln und das in dieser Reihenfolge”. Auf die Frage warum einige Menschen zum Mörder werden, andere jedoch nicht, darauf hätten aber auch die großen Philosophen keine rechte Antwort gefunden. Das Geheimnis sei jedoch die Hemmschwelle aus Vernunft, Moral und Gewissen. Diese sei bei jedem Menschen unterschiedlich hoch und entwickele sich auch durch andere Umstände anders. Ein fehlendes Unrechtsbewusstsein führe dabei zu einem kompletten Fehlen dieser Hemmschwelle, erklärte er. Mordgedanken habe jeder einmal, auch er, zum Beispiel auf der Autobahn, doch eben diese Hemmschwelle halte die meisten Menschen von der Umsetzung ab, so Wilfling.

Bevor Josef Wilfling sich den Fragen seiner Zuhörer widmete, gab er ihnen abschließend einige Tipps mit,die er in den fast 50 Jahren bei der Polizei gelernt habe und fasste dabei noch einmal zusammen, was er bereits durch Statistiken, reale Fälle und Erfahrungen berichtet hatte.

Gerne nutzten die Besucher im Anschluss die Möglichkeit dem Ermittler noch einige Fragen zu Fällen und anderen Themen zu stellen. Und auch die Möglichkeit, das letzte seiner Bücher zu kaufen und sich signieren zu lassen, wurde zahlreich genutzt.

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