Hallgarter Zange immer noch trauriger Anblick
Aufforstung wird Millionen kosten / Kletterpark wird aufgebaut / Fußgänger sollten Absperrungen beachten

Ortsvorsteher Mayer und Mitglieder des Ortsbeirates diskutierten mit Bürgern.

Oestrich-Winkel. (sm) – Am 1. August diesen Jahres riss ein orkanartiger Sturm in weniger als einer Viertelstunde große Lücken in den Wald auf der Hallgartener Zange. Bäume stürzten um und wurden teilweise entwurzelt, der Regen tat ein Übriges und spülte tiefe Löcher in die Erde. Jetzt waren das Unwetter und seine noch nicht vollständig bilanzierten Folgen für die Stadtkasse und die Natur das Hauptthema bei der öffentlichen Sitzung des Ortsbeirates auf der Zange.

Auf der Tagesordnung standen die Nachbereitung der Punkte der letzten Sitzung, eine informativer Vortrag durch Stephan Kaller von der Revierförsterei Hallgarten, ein Bericht von Klaus Michelis vom Kletterpark Hallgartener Zange Nordwand GmbH & Co. KG über die Schäden und die Weiterentwicklung, eine Konzeptstudie für eine touristische In-Wertsetzung der Mapper Schanze und zum Schluss der bei Sitzungen übliche Punkt „Verschiedenes“ sowie eine Bürgerfragestunde. Geleitet wurde die Versammlung, zu der rund 30 Bürgerinnen und Bürger den Weg zu der höchsten Erhebung des Rheingaus gefunden hatten, durch Richard E. Mayer, Ortsvorsteher des Oestrich-Winkeler Stadtteils. Zunächst aber kam der Förster zu Wort. „Wir haben nicht wenige Sorgen“, begann Kaller und fuhr fort: „Im Jahr 2017 sind große Schäden an den bereits durch frühere Unwetter angegriffenen Bäumen zu verzeichnen, und zwar vor allem durch den Borkenkäfer. Zum Teil stillt er ja seinen Appetit an den entwurzelten und gefällten Bäume und damit haben wir ja noch 'Glück', denn diese werden sowieso bald abtransportiert.“ Für das kommende Jahr befürchtet man jedoch noch viel mehr Schäden, da noch etliches Schadholz übrig ist. Jetzt stehen auch Herbst und Winter stehen vor der Tür mit ihren üblichen Gewittern, Regengüssen und mehr. Noch nicht einschätzbar, so der Förster, seien die finanziellen Verluste, man vermutet, dass sie sich auf mindestens drei bis vier Millionen Euro belaufen werden. „Und das bei so vielen wunderschönen Baumriesen, die gut und gerne noch hundert Jahre hier hätten stehen können.“ Während der auf die Berichte folgenden Bürgerfragestunde kamen unter anderem auch Schäden in privaten Gartenanlagen zur Sprache und eventuelle Möglichkeiten, diese durch Versicherungen auffangen zu lassen. „Bisher sind wir mit der Bilanz noch nicht fertig“, sagte Richard Mayer, versprach jedoch, das Thema Privatschäden ins Sitzungsprotokoll mit aufzunehmen.

Klaus Michelis und sein Sohn Rick betreiben den beliebten Kletterpark auf der höchsten Erhebung des Rheingaus. „Als ich das erste Mal nach dem orkanartigen Unwetter hier hochfuhr, schossen mir die Tränen in die Augen“, gab Klaus Michelis zu und betonte gleichzeitig, wie dankbar er und sein Sohn den damals unermüdlich schuftenden Hilfskräften seien. Und auch den Kunden, die ihnen trotz der Verwüstungen treu geblieben seien – ferner den Musikbands, Hochzeitern und anderen Veranstaltern kultureller Ereignisse. Für alle haben die Michelis' eine gute Nachricht: Der Abenteuerspielplatz für Groß und Klein wird wieder aufgebaut. Der Kletterpark und die beschädigten Teile des Waldes sind nach wie vor gesperrt, trotzdem sieht man immer wieder Wanderer und vor allem Pilzsucher in das Durcheinander von umgestürzten Bäumen und aufgetürmten Holzteile schlüpfen. Diese mögen bitte daran denken, dass nicht nur sie selbst, sondern auch eventuell herbeizurufende Rettungskräfte sich in Gefahr begeben, rügte Mayer. Zuvor hatte Michelis der Versammlung in Erinnerung gerufen, dass seine Firma damals 120 Bäume von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen habe, zehn bis zwölf davon, also zehn bis 15 Prozent, müsse man jetzt als verloren betrachten. Die lobenswerte Konzeptstudie für die Mapper Schanze, die von den Studentinnen und Studenten aus dem Bereich Landschaftsarchitektur der Hochschule Geisenheim angefertigt wurden, würden sehr gute Vorschläge beinhalten, lobte anschließend der Ortsvorsteher. Gleichzeitig wies er jedoch darauf hin, dass bei einer Verwirklichung solcher Pläne eine große Menge Geld in die Hand nehmen müsste. Unter anderem wäre dann auch das Gebäude auf der Schanze zu sichern.

Der Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ erbrachte Hinweise auf eine aus der Sicht der Anwohner notwendige Entlastung enger Straßen und Gässchen, in denen mehr und mehr riesige Lastkraftwagen von Bauunternehmen fahren und dabei auch die Fassaden der Häuser schädigen. Ob man nicht vielleicht Einfluss ausüben könnte auf die Navis in den Lastautos, wurde gefragt. Ein Diskussionsteilnehmer wandte ein, Brummifahrer hätten meistens gar keine Navis sondern ließen sich von ihren Handys leiten. Zu guter Letzt rief ein älterer Hallgartener ein paar Lacher hervor indem er beklagte, die „auswärtigen“ Weinbauern würden „die Gass' nit kehren“. Was das den heißen solle, „auswärtig“, witzelten andere, Winzer aus Oestrich?

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