Hochwasser hielt Rheingau eine Woche in Atem
Stau in den Wingerten und Sonntagsspaziergang auf der Bundesstraße

Der Rhein nahm die B 42 zwischen Oestrich und Winkel und Winkel und Geisenheim komplett als Flussbett in Anspruch.

Rheingau. (sf) – Seit Donnerstag letzter Woche hielt das Rhein-Hochwasser den Rheingau in Atem und fast alle Bewohner der Region waren von dem vielfältigen Problemen mit dem durch die langen Regenfälle und Schnee-Schmelzwasser enorm gestiegenen Hochwasser betroffen: Die einen besonders schwer, weil ihre Keller voll Wasser liefen, die anderen durch die Sperrung der überschwemmten B42 und die Verkehrsumleitung. Ein Rückgang des Wassers war zunächst bis Montag nicht in Sicht: Besonders viel Geduld, Rücksicht und Zeit mitbringen hieß es also noch bis gestern.

 

Schon lange war klar gewesen, das der Rheingau diesmal nicht mit einem blauen Auge davon kommt und die Überschwemmung und Sperrung der Hauptverkehrsader der Region bevorsteht. Nach den umfangreichen Regenfällen der letzten Tage war laut Prognose des Regierungspräsidiums Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz undUmwelt davon auszugehen, dass die Meldehöhe in Mainz in der Nacht zum Samstag oder spätestens am Samstagvormittag überschritten werden würde. Und von einem weiteren Anstieg des Pegels bis zum Sonntag gingen die Hilfskräfte aus. Tatsächlich betrug der Höchststand des Pegel in Mainz dann auch am 7. Januar um 23 Uhr mit 6,39 den Höchststand, erst danach begann das Wasser zu fallen und das langsamer, als gehofft. In Oestrich war der Höchststand ebenfalls in der Nacht des 7. 1. erreicht, gemessen wurden 4,96. Wie langsam sich das Wasser zurück zog, zeigte der Pegelstand am Mittwochmorgen, als immer noch 4,36 Meter gemessen wurden. Mit nur einem Zentimeter pro Stunden zog sich das Wasser zurück in das Bett des Rheines. Es komme zwar nichts nach, das Wasser könne aber auch nicht abfließen, weil sich auch in der Mosel noch das Wasser staue, so die Polizei in Rüdesheim. Deshalb konnte die B 42 auch erst am Mittwochmittag gegen 12 Uhr wieder fast komplett frei gegeben werden, Teilstücke in Geisenheim und Lorch waren vorher schon befahrbar, doch der tiefste Punkt in Oestrich brauchte seine Zeit, hier wurde bis in den Nachmittag hinein mit Barken durch und um das Wasser auf der Fahrbahn umgeleitet. Wichtig war vor allem auch die Reinigung der Fahrbahn: „Die Leute sind hier sehr unvernünftig. Viele fuhren schon auf der B 42 während wir noch am reinigen sind, was uns die Arbeit enorm erschwert“, so Patric Scheu, Leiter der Straßenmeisterei Geisenheim, das sich für die Umleitungseinrichtung, Beschilderung und die Reinigung der Straßen nach dem Hochwasser verantwortlich zeigt. Viel Treibholz sei zwar diesmal nicht angeschwemmt worden, wohl auch weil die Schifffahrt schon frühzeitig nicht mehr fahren durfte, doch Schlamm und Dreck habe der Rhein wie stets mit sich gebracht und nach seinem Rückzug auf der Fahrbahn hinterlassen. Es sei wichtig, diesen zunächst zu beseitigen, bevor die Autos wieder fahren: „Der Schlick kann tückisch wie Glatteis sein“, so die Straßenprofis, die sich mehr Geduld und Rücksicht der Autofahrer gewünscht hätten und anmerkten, das man viel schneller die Fahrbahn am Mittwoch wieder hätte freigeben können, wenn die Reinigung störungsfrei verlaufen wäre. Schließlich hatten gerade sie auch eine harte Woche mit vielen Überstunden und nächtlichen Einsätzen bei der Einrichtung der Hochwasserumleitung hinter sich gebracht. „Bei fallendem Rheinpegel musste permanent das sinkende Wasser aufgewirbelt werden, damit sich der mitgeführte Schlamm nicht auf der Fahrbahn absetzen konnte. Hiermit wird erreicht, dass die Fahrbahn relativ schnell nach dem Rückgang des Wassers freigegeben werden kann, ohne vorher umfangreiche Reinigungsarbeiten durchführen zu müssen“, so Scheu, der berichtete, das ein Teil der Beschäftigten sich seit dem 5. Januar in Bereitschaft gehalten, um auf Veränderungen des Hochwasserstandes reagieren zu können. „Die Arbeit der Straßenmeisterei wird regelmäßig durch unvernünftige Verkehrsteilnehmer erschwert, die die bestehenden Sperrungen ignorieren und versuchen durch den gesperrten Bereich zu fahren, um drei Minuten schneller zu sein als die Verkehrsteilnehmer, die die ausgeschilderte Umleitung befahren. Es steht vielleicht kein oder nur noch sehr wenig Wasser auf der Straße, die Beschäftigten der Meisterei sind aber nach wie vor damit beschäftigt, die Fahrbahn zu reinigen, damit die Sperrung schnell aufgehoben werden kann“, so Scheu.

Chronologie

Schon am Donnerstag letzter Woche wurden in den Kommunen im Rheingau die ersten Vorkehrungen für das drohendes Hochwasser getroffen. Kreisbrandinspektor Joachim Dreier hatte an diesem Tag vorsorglich eine erste Lagebesprechung mit den Rheingauer Feuerwehren, der Polizei und dem Technischen Hilfswerk anberaumt.„Hochwasserlagen im Rheingau sind zwar nicht alltäglich, aber die zutreffenden Maßnahmen sind klar festgelegt und auch eingeübt. Wir sindfür den Ernstfall gerüstet. Alle für Hochwasserlagen zuständigenHilfseinheiten im gesamten Rheingau-Taunus-Kreis arbeiten gemeinsam undHand in Hand, um Gefahr und Schaden für die Bevölkerung abzuwehren“, sagte auch Landrat Frank Kilian. Zu diesem Zeitpunkt war die B 42 zwar noch nicht überflutet, man wusste aber bereits, das die im Laufe des Wochenendes geschehen würde. Am Samstag um die Mittagszeit wurde die B 42 dann zunächst zwischen Oestrich-Winkel, auch der Fährbetrieb zwischen Mittelheim und Ingelheim wurde eingestellt, konnte aber schon am Dienstag wieder aufgenommen werden.

Kurz darauf wurde auch die B 42 in Geisenheim sowie zwischen Rüdesheim und Lorch gesperrt. Die mittlerweile schon gut bekannte Umleitungsstrecke durch die Weinberge unterhalb von Hallgarten von Wiesbaden in Fahrtrichtung Rüdesheim und von Rüdesheim aus kommen ab Geisenheim über die B 42a durch die Ortschaften bis zur Oestricher Abfahrt EBS, wurde eingerichtet. „Mit Behinderungen ist zu rechnen“, kündigte Hessen Mobil an und die hatten es zum Teil wirklich in sich: Nicht nur die Wochenendausflügler fuhren durch die Weinberge, vor allem auch die Pendler, Busse und Sattelschlepper quälten sich am Anfang der Woche zu den Stoßzeiten morgens und Abend im Schneckentempo durch die engen Gassen der örtlichen Straßen und die Weinberg. Die Polizei Rüdesheim lobte jedoch das umsichtige fahren auf der Umleitungsstrecke, es sei zwar zu vielen Staus, vor allem auch durch Lieferverkehr, aber zu keinerlei Unfällen oder Zwischenfällen gekommen. Die Lage sei auch deshalb so entspannt, weil in Hessen noch Ferien sind, sich also deutlich weniger frühmorgens auf den Weg machten, meinte die Einsatzkräfte. Fast alle hätten sich auch an die Umleitungsausschilderung gehalten.

Und das Hochwasser hatte für einige auch schöne Seiten: Die autofreie B 42 mit den überschwemmten Fahrbahnen war dann aber auch für viele Rheingauer Familien am Wochenende eine echte Ausflugs-Attraktion. Mit Kinderwagen, Hunden, Rollern, Fahrrädern und Skateboards machten sich Eltern, Kinder, Großeltern und junge Leute in Scharen am Samstag- und Sonntagnachmittag auf, um auf der B 42 spazieren zu gehen und die so nahe gekommenen Fluten des Rheines zu beobachten.

Auch die Stadt Oestrich-Winkel hatte auch eindringlich davor gewarnt, dass der Aufenthalt im Hochwasser-Bereich sehr gefährlich sein kann und appelliert, das „vor allem Eltern, ihre Kindern nicht aus Schaulust durch „Ausflüge ins Wasser“ in Lebensgefahr bringen“, doch einen Spaziergang oder eine Fahrradfahrt auf der autofreien, nicht überschwemmten Fahrbahn wagten am Samstag und Sonntag viele Familie. „Das ist doch mal eine schöne Seite des Hochwassers, das man hier laufen kann“, meinte viele. Sogar ein Picknick mit Tischen und Bänken wurde auf der Fahrbahn abgehalten. „Natürlich gehen wir nicht ins Wasser und erlauben das auch den Kindern nicht“, erklärten Familien mit Kindern. Die Stadt Oestrich-Winkel hatte darauf aufmerksam gemacht, das auf der überschwemmten Fahrbahn Kanaldeckel fortgespült werden können und aus den Löchern im Boden t ein lebensgefährlicher Sog entstehe. Auch das die Fließgeschwindigkeit des Rheins mit dem Hochwasser sehr zugenommen hat, mahnte sie. Die Bürger nahmen diese Warnungen ernst, hatten aber trotzdem viel Spaß bei ihren Ausflügen auf die gesperrte Bundesstraße und es kam dank der Umsicht zu keinerlei Unfällen.

Weitere Artikelbilder:

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (1 Bewertung)

Neueste Kommentare

60 Menschen verlieren ihren Job
1 Woche 1 Tag
Dem Opernsänger Peter Parsch zum Gedenken
10 Wochen 5 Tage
Kathrin Palmen spielt jetzt im Hauptorchester
12 Wochen 1 Tag
Doro rockt – Rüdesheim schwitzt
29 Wochen 2 Tage
„Bunter Rheingau statt braune Suppe“
39 Wochen 9 Stunden


X