Vertonte Seelenwanderung zum großen Finale
Edward Elgars „Dream of Gerontius“ zum Abschluss des Rheingau Musik Festivals

Abschlusskonzert mit vertonter Seelenwanderung: Paul Mc Creesh am Dirigentenpult und seine Musiker.

Kloster Eberbach. (hhs) — Mit einem spannenden Werk fand am Samstag die Jubiläums-Spielzeit des Rheingau Musik Festivals ihr Ende. Edward Elgars „The Dream of Gerontius“ wurde zum ersten Mal beim RMF gespielt – irgendwo angesiedelt zwischen Oratorium und Filmmusik, und begleitet von dramatischen Umständen im Vorfeld.

Ursprünglich hatte Sir Jeffrey Tate das Abschluss-Konzert leiten sollen. Nach seinem plötzlichen Tod war Martyn Brabbins als Dirigent des Abschlusskonzerts gefunden worden, doch auch dieser musste absagen – „aus familiären Gründen“. Wie gut, dass mit Paul Mc Creesh ein Dirigent von Weltruf – und zugleich Elgar-Spezialist – gefunden wurde, der kurzfristig einspringen konnte. Mc Creesh hatte bereits im Juli Händels „Messiah“ in Kloster Eberbach geleitet und war seinerzeit begeistert gefeiert worden.

Bevor Mc Creesh aber das Konzert begann, erinnerte er in bewegenden Worten an Sir Jeffrey Tate – einen Freund und guten Kollegen, der am 2. Juni im Alter von 74 Jahren verstorben war. Irgendwie passte das Thema des Abschluss-Konzertes zu diesen Ereignissen. Denn Edward Elgar hatte in seiner zweiteiligen Komposition die Träume des Gerontius vertont, eines sterbenden alten Mannes.

Im ersten Teil spürt Gerontius (geron stammt aus dem Griechischen und steht für „alter Mann“) den Tod kommen – einfühlsam gesungen vom Tenor Brenden Gunnell, gestützt und getröstet von seinen Freunden, denen der britische „Philharmonia Chorus“ seine Stimme gab. Als weiterer Solist beeindruckte Bariton Markus Eiche, der den Sterbenden als Priester auf seinem letzten Weg begleitete.

Emotional

Der musikalische Leiter Mc Creesh hatte eingangs ausdrücklich darum gebeten, den ersten Teil nicht mit Applaus zu bedenken, sondern die fünfminütige Pause, die er vor dem zweiten Teil einlegte, schweigend zu verbringen. So legte sich eine seltsame, fast drückende Stimmung über die knapp 1.300 Besucher in der Basilika von Kloster Eberbach.

Im folgenden zweiten Teil des Konzerts war es dann der Dialog der Seele des Gerontius mit einem Engel – gesungen von der optisch wie stimmlich wahrhaft engelsgleichen Mezzosopranistin Kathryn Rudge – die den emotionalen Pegel im Publikum hoch hielten. Waren es im ersten Teil die Freunde des Gerontius, die mit Harmonie Trost spendeten, wurde der Chor nun zu einer wilden Horde von Dämonen, die die arme Seele im Fegefeuer erwarteten.

Lautmalerischer als diese Szenen kann auch eine Filmmusik kaum sein. Auch ohne jedes einzelne Wort des englischen Textes zu verstehen, wurde jedem Zuhörer doch die Dramatik der Geschehnisse offenbar. Im Kontrast dazu standen himmlisch schöne Engelschöre, durch Mark und Bein gingen die Donnerschläge, nachdem das Urteil über die Seele gefällt wurde – die den Weg ins Fegefeuer gehen musste.

Eindrucksvoll untermalt wurde die Handlung durch die Klänge des Orchesters der Symphoniker Hamburg, die nach dem Tod ihres langjährigen Leiters Sir Jeffrey Tate auch unter Paul Mc Creesh überzeugten.

Nach gut 100 Minuten durften die Konzertbesucher endlich ihren Gefühlen Raum geben – langer Applaus und stehende Ovationen beendeten die 30. Spielzeit des Rheingau Musik Festivals.

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