Die Wallufer Bucht ist ein Paradies für Störche
Dank der Storchengemeinschaft Schierstein haben 1.000 flugfähige Weißstörche hier das Leben erblickt

Der Vorsitzende der Storchengemeinschaft Kiedrich, Hubertus Krahner (links), mit Thomas Pfeffermann von „Hessenwasser“ beim Tag der offenen Tür.

Rheingau. (chk) – Am östlichen Rand des Rheingaus bevölkern Störche das Naturschutzgebiet in der Wallufer Bucht zwischen Walluf und Schierstein. Zu verdanken ist dies der Schiersteiner Storchengemeinschaft, die die Störche vor vier Jahrzehnten hier angesiedelt hat und sich auf dem Gelände des Wasserwerks liebevoll um „Meister Adebar“ kümmert. Etwa 23 Storchenpaare sind es in diesem Jahr, die auf dem Gelände ihre Jungen ausgebrütet haben.

Von den etwa 60 Storchenkindern haben schätzungsweise 35 überlebt; die andere Hälfte ist der Kälte und der Nässe in diesem Frühjahr zum Opfer gefallen. Noch sind viele kleine Jungvögel in ihren Nestern für den Betrachter nicht sichtbar – außer den „Kamerastörchen“. So wird die Storchenfamilie genannt, die von einer Videokamera beobachtet wird und sogar auf der Homepage www.schiersteinerstörche.de betrachtet werden. Dort finden sich auch viele Informationen über die Arbeit des Vereins.

„Leider sind vier der ausgebrüteten Störche im ‚Kameranest’ gestorben und nur einer hat überlebt“, erklärte Hubertus Krahner, Vorsitzender der Storchengemeinschaft Wiesbaden-Schierstein, beim Tag der offenen Tür. Da in diesem Jahr in der Natur vieles verspätet sei, hätten auch manche Storchenpaare später mit dem Brüten begonnen, und noch seien nicht alle Eier ausgebrütet. Wie sich das auf den Flug der Jungstörche nach Süden auswirken wird, ist noch nicht absehbar. „Normalerweise fliegen die Jungstörche im August von ihren Eltern weg nach Süden. Sie finden allein den Weg nach Frankreich, Spanien oder Nordafrika.“

Als der Verein 1972 – zunächst als Arbeitskreis – mit seinem ehrenamtlichen Engagement begann, gab es keine Störche mehr in Schierstein. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der vorher hier beheimatete Weißstorch aus. In den letzten vier Jahrzehnten hätten 1.000 flugfähige Weißstörche hier das Leben erblickt, berichtet Hubertus Krahner. 1982 wurde die Storchengemeinschaft als eingetragener Verein gegründete. Hubertus Krahner, ein Schiersteiner, der in Walluf wohnt, und Karl Deuter, sind seit 1972 dabei und opfern viel Zeit und Herzblut für die Störche, wie auch alle anderen ehrenamtlich Engagierten. Die Mitglieder kommen aus Wiesbaden, Mainz und dem Rheingau und sogar aus der weiteren Umgebung.

Das 1,2 Quadratkilometer große Wasserwerk-Gelände von „Hessenwasser“ ist ein ideales Biotop für den Weißstorch. „Das ist ein besonders geschütztes Gelände“, erklärte Thomas Pfeffermann von „Hessenwasser“, der den Tag der offenen Tür besuchte. „Seit 1899 wird hier Wasser gewonnen. Das ist aber nicht nur ein Wasserschutzgebiet, sondern auch ein Vogel- und Landschaftsschutzgebiet. Hier leben viele seltene Vögel, Libellen und Frösche.“ Weil nicht gedüngt werden darf, gibt es viele Fische Mäuse, Insekten und Regenwürmer, was wiederum Futter für die Störche bedeutet. Hubertus Krahner betont: „Wir sind dankbar, dass wir auf diesem Gelände sein dürfen, und was wir für die Störche tun, kommt auch allen anderen Vogelarten zugute.“

Die Mitglieder der Storchengemeinschaft Schierstein haben Konstruktionen für die Storchenhorste aufgestellt, und die Storchenpaare bauen sich ihre riesigen Nester auch in Bäumen und in den Strommasten. Soweit die noch nicht flüggen Störche in ihren Horsten erreichbar sind, werden sie beringt. Es gelingt natürlich nie, alle Jungstörche zu beringen. „Mit speziellen Ferngläsern, so genannten Spektiven, können wir Alter und Herkunft an den Ringen ablesen“, erklärte Krahner. „Wir haben hier neben Schiersteiner Störchen auch Störche aus Baden-Württemberg, Frankreich und Holland.“ Die Störche seien ähnlich wie Menschen, sie wechselten mal den Wohnort und manchmal auch den Partner, während sich einige Paare auch die Treue hielten. Der älteste gesichtete Storch sei über 30 Jahre alt gewesen.

Da der Tag der offenen Tür von heftigem Regen und Gewitter begleitet wurde, konnten die geplanten Rundwege nicht begangen werden. Dennoch hatte man auf dem sonst der Öffentlichkeit verschlossenen Gelände einen guten Einblick in den „Storchenalltag“, konnte einige Storchenpaare und eine junge Storchenfamilie beobachten. In Führungen über das Gelände konnten Hubertus Krahner und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter viele Interessenten für ihre Arbeit begeistern, mit der sie erreicht haben, dass die Weißstörche sich in ihrer einst angestammten Heimat in der Wallufer Bucht wieder angesiedelt haben und sich weiter verbreiten können.

Weitere Artikelbilder:

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)

Neueste Kommentare

Doro rockt – Rüdesheim schwitzt
12 Wochen 4 Tage
„Bunter Rheingau statt braune Suppe“
22 Wochen 2 Tage
Galakonzert im Kiedricher Bürgerhaus
26 Wochen 3 Tage
Bei 4,91 Promille kam die Wende
27 Wochen 5 Tage
Den traurigen Winter verkürzen
31 Wochen 5 Tage


X