Freudenschüsse über dem Rhein
Spektakuläres Böllerschießen am Niederwalddenkmal hat lange Tradition

Auf ein Zeichen feuerten die Schützen ihre Böller mit Hilfe von Handböllern, Standböllern und Kanonen ab.

Rüdesheim. (ks) – Ein lautes „Achtung“, bereitete die Zuschauer auf den bevorstehenden Krach vor. Hinter der Sicherheitsabsperrung schützten diese ihre Ohren mit den Händen.

Es folgte ein Schwank mit roter Fahne, woraufhin krachende Schüsse durch den gesamten Niederwald hallten und den Rhein für kurze Zeit mit rauchigen Dunstschwaden bedeckten.

Für zufällig vorbeigehende Touristen hätte dieses Szenario, das einige Male wiederholt wurde, sicherlich befremdlich gewirkt.

Die Zuschauer jedoch, die sich am Niederwalddenkmal eingefunden hatten, waren größtenteils gerade wegen dieses Spektakels gekommen.

Der Grund war das traditionelle Böllerschießen am Niederwald.

Unterhalb des Denkmals hatten Schützen aus Hattenheim, Michelbach, Lorch, Lindschied, Heftrich, Kriftel, Rudolstad/Thüringen und Kiedrich ihre Kanonen und Böller aufgebaut.

Vom Plateau des Denkmals aus, standen die Schützen am Rande der Absperrung. Dadurch war es ihnen möglich, über den Rhein hinweg zu böllern.

Das traditionelle Böllerschießen am Niederwald unterhalb der Germania ist ein Brauch, der bis in die Zeit vor dem dreißigjährigen Krieg zurückzuführen ist.

Damals verteilte der Schultheiß von Assmannshausen Schießpulver an die jüngeren Generationen, damit diese vor den Augen der Zuschauer, Freudenschüsse über den Rhein hinweg abfeuern konnten.

Das herbstliche Wetter hielt weder Schützen, noch Besucher davon ab, dem traditionellen Brauchtum zu Pfingsten, beizuwohnen.

Das Ehepaar Manfred und Ulrike Sumser waren sogar aus Pöttmes-Neuburg in Bayern angereist, um als Schützen an dem Böllerschießen am Niederwald teilzunehmen.

Durch den Wind verzog sich der durch die Schüsse entstandene Qualm recht zügig und die Kanonen, Hand- und Standböller, konnten von den Schützen erneut mit dem Schießpulver gefüllt werden.

Auf das Zeichen des Böllerreferenten Siegward Idstein, zündeten sie ihre Kanonen und Böller ein zweites Mal, woraufhin ein heftiger Rückstoß folgte.

Erneut stieg Qualm auf und nahm für einige Zeit die Sicht auf den Rhein und die andere Seite des Flusses.

Bernd Barnekow aus Eltville sorgte währenddessen mit seiner Drehorgel für die richtige Stimmung an der ohnehin schon sehr authentischen Kulisse.

Als die Luft wieder klar genug war, konnte man auf der anderen Rheinseite ein ähnliches Aufgebot an schussbereiten Böllern entdecken.

Auf das Kommando ihres Böllerreferenten vom Schützenkreis 72 Rheingau, antworteten die Binger Böllerschützen vom alten Binger Hafen aus, mit lautem Knall auf das Rüdesheimer Böllern.

Heute bekommen die Schützen ihr Schießpulver nicht mehr geschenkt.

Das Pulver muss von den Männern und Frauen selbst beschafft werden, da man dazu einen Sprengstofferlaubnisschein benötigt.

Dieser Schein muss im Rahmen eines speziellen Lehrgangs erworben werden. Zudem muss man Mitglied in einem Schützenverein oder einem Brauchtumsverein sein.

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