„Ich gehe mit einem weinenden und lachenden Auge“
Wallufer Weinkönigin legte ihre Krone ab, da sie als Rheingauer Weinkönigin kandidiert / Nachfolge noch offen

Bei ihrer Abdankung nahm Tatjana I. sich selbst die Wallufer Weinkrone ab.

Walluf. (mh) – Am letzten Tag des Wallufer Weindorfes hat Tatjana I. ihre Weinkrone abgelegt, weil sie bekanntlich für das Amt der Rheingauer Weinkönigin ins Rennen geht. Um sie aus der Queenie-Familie zu verabschieden, waren zahlreiche Rheingauer Weinmajestäten mit Stephanie Kopietz an der Spitze auf den La Londe-Platz gekommen.

„Jetzt ist der traurigste Moment in unserem diesjährigen Weinfest gekommen“, stellte Markus Mehl, Sprecher der Ausrichtergemeinschaft das Wallufer Weindorfes, sichtlich gerührt fest, „denn nach dreijähriger Amtszeit gibst Du die Wallufer Weinkrone ab“. In dieser Zeit habe Tatjana I. die Wallufer Winzer und ihren Wein bestens vertreten, „denn Du hast nur Positives über unsere Betriebe und ihre Erzeugnisse gesagt und uns dabei alle Ehre gemacht“. Wenn Tatjana nun mit der Rheingauer Weinkrone etwas Größeres anstrebe, habe sie die Wallufer Winzer mit Rat und Tat voll auf ihrer Seite.

Auch Hans-Josef Becker, Vorsitzender des Wallufer Weinbauvereins rief Tatjana I. ein herzliches Dankeschön für ihre großartige ehrenamtliche Arbeit zu. Dabei habe sie die Winzer kompetent und mit viel Sachverstand vertreten. Nun liegen, wie er hinzufügte, „alle Hoffnungen auf Dir, dass der Rheingau im nächsten Jahr wieder eine Deutsche Weinkönigin bekommt“.

„Heute ist der Tag gekommen, an dem ich mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge als Wallufer Weinkönigin verabschiede“, verkündete Tatjana mit fester Stimme. Das weinende Auge gelte den schönen Zeiten, „die ich in meiner Amtszeit erleben konnte“. Das andere Auge lache, „denn ich bleibe dem Wein verbunden und stelle mich mit der Wahl zur Rheingauer Weinkönigin einer anderen Aufgabe“.

Eine Aussage, die vom Publikum mit großem Beifall entgegengenommen wurde. Dabei erfuhr es auch, dass Tatjana ihre Winzerlehre mit der Bestnote von 1,3 beendet und mit dem Studium Weinbau und Oenologie begonnen hat. Damit die älteste Weinbaugemeinde im Rheingau nach ihrer Abdankung nicht ohne Weinkönigin dastehe, hoffe sie, „dass noch in diesem Jahr eine einvernehmliche Lösung gefunden wird.

In der sich anschließenden Verabschiedung mit viel Dank und Anerkennung durch ihre Kolleginnen wurde schnell deutlich, wie beliebt und anerkannt Tatjana in der Queenie-Familie war. Sie sei, hieß es unter anderem „unser großer Sonnenschein gewesen“. Weil sie immer ein Lächeln verschenkt und gute Laune versprüht hat habe, wurde sie liebevoll auch als „Pausenclown“ bezeichnet.

„Heute wird mir erst bewusst, dass ich nur noch wenige Wochen die Rheingauer Weinkrone tragen werde und diese dann abgeben muss“, bekannte Stephanie Kopietz freimütig mit einem etwas traurigen Unterton. Wie alle Ortsweinköniginnen auch, werde sie Tatjana fest die Daumen bei der Wahl zur neuen Rheingauer Weinkönigin drücken.

„Jetzt ist es soweit, dass wir unsere Weinkönigin Tatjana I. verabschieden müssen, bekannte auch Bürgermeister Manfred Kohl, „dass wir dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge tun“. Seit ihrer Krönung beim Wallufer Weindorf 2014 gemeinsam mit zwei Weinprinzessinnen habe das Trio den ausgezeichneten Ruf des Wallufer Weins vermehrt sowie die Wallufer Weinbaubetriebe und die Gemeinde Walluf bei zahlreichen Anlässen als unsere Botschafterinnen erfolgreich und charmant vertreten und über die Pforte des Rheingaus hinaus bekannt gemacht“. Für dieses Engagement sage er „Herzlichen Dank“.

Wenn Tatjana ihre Krone zurückgebe, „bedauern wir das einerseits sehr“. Auf der anderen Seite wisse man aber auch, „dass die Bewerbung um die Rheingauer Weinkrone der einzige Grund Deiner Abdankung ist“. Dafür wünsche er ihr viel Erfolg, „denn es wäre ganz toll, wenn die nächste Rheingauer Weinkönigin aus einem bekannten Wallufer Weinbaubetrieb käme“.

„Gerne hätten wir heute auch Deine Nachfolgerin gekrönt, aber leider waren wir auf der Suche von möglichen Nachfolgerinnen nicht erfolgreich und Lara und Lena haben zwischenzeitlich leider ihre Prinzessinnenkronen zurückgegeben“, so Kohl weiter. Vielleicht gelinge es durch gemeinsame Anstrengungen ja doch noch, eine neue Weinkönigin zu finden.

Bereits vor dem Wallufer Weindorf hatte Kohl verlautbart, dass Lara und Lena Schwed aus persönlichen Gründen für das Amt der Wallufer Weinkönigin nicht zur Verfügung stehen. Als ihre Eltern erfuhren, dass eine „Doppelspitze“ nicht erwünscht und eine potenzielle Nachfolgerin in Sicht sei, hatten sie „stinksauer“ die Kronen im Rathaus abgegeben.

„Damit wurde uns“, so Kohl, „die Entscheidungsmöglichkeit abgenommen“. Dies zu einem Zeitpunkt, zu dem noch keinerlei Entscheidung getroffen worden war. Am Tag zuvor habe er mit Lara und Lena sowie mit Tatjana und einer potenziellen weiteren Interessentin vereinbart, nochmals zu einem Gespräch zusammen zu kommen, um gemeinsam einen Lösungsvorschlag zu finden, den alle Beteiligten mittragen können.

Dabei hätten sich, wie Klaus Schwed sagte, seine Töchter Lara und Lena sehr darauf gefreut, dieses Amt zu übernehmen. Er empfinde es als ganz schlimm, „dass hier das Ehrenamt mit Füßen getreten wird“. Bei den Zwillingen seien „richtig die Tränen geflossen“. Es wäre schön gewesen, so Schwed, „wenn in dieser Angelegenheit ein offenes Gespräch geführt worden wäre“.

Hajo Becker hatte die Begründung des Bürgermeisters als ein „fadenscheiniges“ Argument bezeichnet. Wahrer Grund sei, dass man den Zwillingen die Übernahme des Amtes nicht zugetraut habe. Sowohl von Kohl wie auch vom überwiegenden Teil der Winzerschaft sei eine Doppelspitze nicht in Frage gekommen. Auch Becker hofft in der Frage der Nachfolge auf eine schnelle Lösung.

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