Der Arbeitsmarkt im Juli in Hessen und im Kreis
Negativtrend in Hessen verfestigt sich / Anstieg der Arbeitslosenzahlen auch im Rheingau-Taunus-Kreis
Rheingau. (rer) –
„In der Sommerzeit sehen wir regelmäßig einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der vor allem auf das Schul- und Ausbildungsende zurückzuführen ist. Viele junge Menschen sind auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz. Bis Oktober geht die Zahl junger Arbeitsloser aber wieder deutlich zurück“, so Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. „Sorge bereitet uns jedoch, dass die Arbeitslosigkeit in Hessen auch bereinigt um diese Effekte weiter gestiegen ist. Wirtschaftskrise und demographische Entwicklung zeigen deutliche Spuren in mehreren Branchen. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen geht in Anbetracht unsicherer Rahmenbedingungen weiter zurück. Der Arbeitsmarkt ist deswegen weniger aufnahmebereit. Die Beschäftigungschancen haben sich über alle Qualifikationsniveaus deutlich verschlechtert. Und junge Menschen haben es immer schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Der Trend geht derzeit in die falsche Richtung und eine Besserung ist nicht in Sicht.“
In Hessen waren im Juli insgesamt 215.021 Personen arbeitslos gemeldet. Gegenüber Juni ist die Zahl damit um 6.701 (3,2 Prozent) gestiegen, gegenüber dem Vorjahr um 5.978 (2,9 Prozent). Die Arbeitslosenquote betrug 6 Prozent und lag mit 0,2 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 5,9 Prozent. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betraf, wie im Juli üblich, vor allem Jugendliche unter 25 Jahren. Hier stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um 11,4 Prozent. Die Zugänge in die Arbeitslosigkeit sind gegenüber Juni um 27,2 Prozent bzw. 3.535 Personen sprunghaft gestiegen. Auch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies immer noch einem Anstieg um 5 Prozent. Rechnet man saisonale Einflüsse heraus, ist in Hessen ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Vormonat um weitere 1.000 Menschen (+ 0,7 Prozent) zu beobachten.
Anzahl freier Stellen bleibt saisonbereinigt konstant
Im Juli wurden den Arbeitsagenturen und Jobcentern von Betrieben aus Hessen rund 9.407 freie Arbeitsstellen gemeldet. Das waren 1.251 Stellen beziehungsweise 15,3 Prozent mehr als im Vormonat und 562 Stellen beziehungsweise 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwas anders ist die Entwicklung im Bestand: Auch hier gab es gegenüber Juni eine leichte Steigerung um 219 Stellen, im Vergleich zum Vorjahr aber einen Rückgang um 1.592 Stellen. Saisonbereinigt gab es weder beim Neuzugang noch im Bestand eine Veränderung. Betrachtet man die im Juli neu gemeldeten Stellen nach geforderten Qualifikationen, so wurden vorwiegend Fachkräfte gesucht (4.735), gefolgt von Experten und Spezialisten (2.497) sowie Helfern (2.175).
Tiefststand bei Ausbildungsstellen
Im Juli waren insgesamt 34.944 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Damit stieg die Zahl zum Vorjahr um 4,2 Prozent beziehungsweise 1.421 Personen. Von allen Bewerbern hatten im Juli 9.679 bereits eine Zusage für einen Ausbildungsplatz erhalten, während 12.259 junge Menschen noch keine Lehrstelle gefunden haben. Die Zahl der in Hessen angebotenen Lehrstellen ging dagegen auf 27.583 (-10,9 Prozent) zurück, von denen 9.632 im Juli noch unbesetzt waren.
Aktuell bieten Arbeitgeber in Hessen u.a. in den folgenden Berufen noch unbesetzte Ausbildungsplätze an: Kaufleute im Einzelhandel (1.447), Verkäufer/innen (863), Fachkräfte Lagerlogistik (299), Kaufleute für Büromanagement (277), Handelsfachwirt/innen (260), Zahn- und Medizinische/r Fachangestellte/r (215 + 206).
„Die gute Nachricht vom Ausbildungsmarkt ist das steigende Interesse junger Menschen an einer dualen Ausbildung. Immer mehr Abiturienten beginnen eine Ausbildung oder entdecken diese als Alternative zum Studium, unter anderem weil KI den Wunsch nach einer stabilen beruflichen Basis fördert. Die schlechte Nachricht: Die Zahl der Ausbildungsstellen bewegt sich auf einem Tiefststand der letzten Jahrzehnte. Wir werden im Herbst einen deutlichen Rückgang bei den Ausbildungsverträgen sehen. Insbesondere Handel und verarbeitendes Gewerbe haben ihre Ausbildungskapazitäten signifikant zurückgefahren und sind für die Hälfte der weggefallenen Ausbildungsplätze verantwortlich,“ so Martin. „Mehr Flexibilität und Kompromissbereitschaft würde helfen, die Situation für alle Beteiligten zu entschärfen. Unternehmen, indem sie trotz Wirtschaftskrise unternehmerisch und vorausschauend handeln und jetzt das Personal einstellen, welches sie in absehbarer Zeit dringend brauchen. Oder indem sie noch mehr Jugendlichen die Möglichkeit zu Probearbeit und Praktika bieten. Die Jugendlichen ihrerseits sollten proaktiv auch auf Betriebe zugehen, die keine Stellenanzeigen schalten, und auch außerhalb des Traumjobs suchen. Schließlich sind zehn Jahre nach dem Abschluss nur die Hälfte im ursprünglichen Ausbildungsberuf tätig. Viel wichtiger ist, dass sie überhaupt einen Berufsabschluss haben,“ so der Arbeitsmarktexperte weiter.
Der Arbeitsmarkt im Rheingau-Taunus-Kreis
Die Arbeitslosigkeit im Rheingau-Taunus-Kreis ist im Juli 2026 gestiegen. 5.228 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 79 Personen mehr (+1,5 Prozent) als im Juni und vier Personen bzw. 0,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 5,1 Prozent und war identisch zum Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie ebenfalls bei 5,1 Prozent.
Im Rechtskreis SGB III (Agentur für Arbeit) lag die Arbeitslosigkeit bei 1.996 Personen (92 Personen mehr als im Vormonat und 250 Personen mehr als vor einem Jahr). Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter) waren 3.232 Arbeitslose registriert (13 Personen weniger als im Vormonat und 246 Personen weniger als im Vorjahr). Durch die Träger der Grundsicherung (Jobcenter) wurden rund 62 Prozent aller Arbeitslosen betreut.
161 Stellen wurden im Juli neu gemeldet (42 mehr als im Vormonat, aber 42 weniger als vor einem Jahr). Die meisten freien Stellen gibt es aktuell in den Branchen Gesundheits- und Sozialwesen, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, verarbeitendes Gewerbe, Gastgewerbe. Aktuell befanden sich damit 764 freie Stellen im Bestand der Arbeitsagentur.
Der Ausbildungsmarkt im Rheingau-Taunus-Kreis
Im Rheingau-Taunus-Kreis waren bis Juli insgesamt 885 Interessierte als Bewerber und Bewerberinnen für eine Ausbildungsstelle oder ein duales Studium bei der Berufsberatung gemeldet. Das waren 81 Personen (+10,1 Prozent) mehr als im Juli 2025.
Aktuell suchen 257 Bewerber und Bewerberinnen aktiv nach einer Ausbildung oder einem dualen Studium. Alle anderen Bewerber bzw. Bewerberinnen haben sich bereits für ein Angebot entschieden oder eine andere Alternative für sich gefunden.
Diese Jugendlichen suchen schwerpunktmäßig noch eine Ausbildung bzw. ein duales Studium als Kaufmann/-frau - Büromanagement, Kraftfahrzeugmechatroniker/in - PKW-Technik, Verkäufer/in, Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r, Fachinformatiker/in - Systemintegration, Fachinformatiker / Anwendungsentwicklung, Anlagenmechaniker/in / Sanitär-/Heizung-Klimatechnik, Automobilkaufmann/-frau, Medizinische/r Fachangestellte/r und Elektroniker/in / Energie-/Gebäudetechnik.
Die regionalen Unternehmen haben bisher 494 Ausbildungs- und duale Studienplätze gemeldet (114 Stellen bzw. 19 Prozent weniger als vor einem Jahr). Rein rechnerisch kommen damit auf 100 Stellen 179 Bewerber bzw. Bewerberinnen. Aktuell sind 126 Ausbildungs- und duale Studienplätze frei, vor allem in den Berufen Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Verkäufer/in, Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r, Fachwirt/in / Handel und Koch/Köchin.


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