Wahl zum Rheingauer des Jahres 2021

Rheingauer/Rheingauerin des Jahres 2021

Kandidaten-Präsentation und Aufruf zur Wahl

Acht Nominierte für den Titel / Rheingau Echo-Leser sind zur Abstimmung aufgerufen

Rheingau. (chk) –  In diesem Jahr stellen sich drei Frauen und fünf Männer zur Wahl für die Rheingauerin oder den Rheingauer des Jahres. Sie wurden in den vergangenen Wochen von aufmerksamen Leserinnen und Lesern nominiert, die der Meinung sind, dass diese Kandidatinnen und Kandidaten etwas dafür getan haben, den Rheingau etwas lebens- und liebenswerter zu machen. Die acht Nominierten haben zur Verbesserung der Lebensqualität in der Region beigetragen, haben Spenden gesammelt, Menschen getröstet, aufgemuntert, geimpft oder getestet, was gerade in der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie von Bedeutung ist. Zuletzt hat noch die Flutkatstrophe an der Ahr mit dem Leid der geschädigten Menschen die Nominierten erschüttert und motiviert zu helfen. Bewundernswert ist, dass auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen ihre Fähigkeiten eingesetzt haben, um die Not anderer Menschen zu lindern.
Es ist das Ziel der Rheingauer Weinbühne von Wolfgang Junglas und dem Rheingau Echo, diese Beispiele in den Mittelpunkt zu stellen, weil sie für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander und ein funktionierendes Gemeinwesen im Rheingau und darüber hinaus unabdingbar sind. Die acht Nominierten, die im Rheingau auf vorbildliche Art und in unterschiedlichen Wirkungsfeldern ehrenamtlich oder beruflich Gutes tun, haben alle den Titel verdient, doch es ist wie bei der Oscar-Verleihung: Die Nominierung rückt die Akteure in den Vordergrund, macht auf ihre besonderen Talente und Verdienste aufmerksam und ist somit die eigentliche Ehre. Am 3. Oktober werden demnach drei Gewinnerinnen und fünf Gewinner auf der Rheingauer Weinbühne in der Brentanoscheune stehen, auch wenn nur eine Person die Trophäe mit nach Hause nehmen kann. Wer das sein wird, entscheiden die Leser nun mit ihrer Stimme. Die acht Nominierten, die sich bereit erklärt haben, sich der Abstimmung zu stellen werden nachfolgend vorgestellt..

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Per Postkarte oder Brief an die Rheingau Echo-Redaktion, Stichwort „RdJ 2021“, Industriestraße 22, 65366 Geisenheim, per Fax (06722/9966-10) oder per E-Mail (echoredaktion[at]rheingau-echo[dot]de) und natürlich im Online-Voting im Internet auf der Seite www.rheingau-echo.de kann ab sofort bis zum 26. September jeder seine Stimme abgeben und sich an der Wahl des Rheingauers oder der Rheingauerin des Jahres 2021 beteiligen. Den Titel erhält, wer die meisten Stimmen bekommt. Für die Online-Abstimmung muss man sich zunächst als Benutzer registrieren, um Zugriff auf das Abstimmungsformular im Internet zu erhalten. Die Rheingauerin oder der Rheingauer des Jahres wird dann am Sonntag, 3. Oktober, bei der Veranstaltung „Rheingau Live“ in der Brentanoscheune bekannt gegeben und mit der Trophäe belohnt.

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Direkt zur Abstimmung


Erschüttert von der Katastrophe an der Ahr
Stefan Dries umgibt sich gerne mit Menschen, mit denen er eine Vision verfolgen kann

Stefan Dries

Stefan Dries(chk) – Als Bäcker, Fastnachter, Mundart-Akteur, Leseförderer und Mitorganisator der Magic Bike Rüdesheim ist Stefan Dries (60) im Rheingau wohlbekannt. Was aber die Leute offenbar gerade am meisten beeindruckt, ist sein großes Engagement, das er seit Mitte Juli für die von der Flut heimgesuchten Menschen an der Ahr beweist. „Mein Opa war Schulleiter in Remagen-Kripp, wo die Ahr in den Rhein fließt. Als Kinder haben meine Geschwister und ich mit den Cousins und Cousinen die Ferien an der Ahr verbracht“, erinnert er sich. Zu der emotionalen Bindung an die Ahr-Region kamen am 14. Juli die Bilder der Flut-Katastrophe, die ihn ungeheuerlich erschüttert haben. „Wir haben in der Bäckerei 200 Brote gebacken und ich bin zwei Tage später, freitags, losgefahren – ganz ohne Kontakte“, erzählt er. „In Dernau war an der Schule eine private Pflegestation eingerichtet.“ Am nächsten Tag hat er wieder 200 Brote gebacken, hat einen Teil den Winzern und anderen Menschen an die Ahr mitgegeben und den größten Teil wieder nach Dernau gebracht.
Von da an ist er regelmäßig, meist dreimal in der Woche, an die Ahr gefahren, hat die Initiative „Rheingau hilft“ ins Leben gerufen und eine dazugehörige Facebook-Gruppe mitgegründet. „Wir haben uns Listen geben lassen von Dingen, die tatsächlich gebraucht werden und wurden dabei von vielen Privatleuten und Unternehmen im Rheingau unterstützt“, lobt Stefan Dries. „Wir haben am Anfang 1.200 Zahnbürsten, viele Hygieneartikel, Abdeckfolien, 5.000 Meter Verlängerungskabel und vieles mehr mit an die Ahr genommen. Irgendwann hat er auch wieder 1.000 belegte Brötchen und 500 Stückchen auf drei Hilfsmittel-Transportfahrzeuge verteilt.
Er ist selbst von der großen Hilfsbereitschaft der Menschen im Rheingau begeistert, wo neben Hilfsmitteltransporten ungeheuer viel praktische und handwerkliche Hilfe geleistet wurde und sich neue Netzwerke gefunden haben. Er hofft auf nachhaltige Patenschaften als Zeichen der Verbindung zwischen dem Rheingau und der Ahr-Region. „Das einzig Positive für mich ist, dass ich großartige Menschen kennengelernt habe, die ich sonst nicht getroffen hätte“, betont er. „Ich umgebe mich gerne mit Menschen, mit denen ich eine Vision verfolgen kann.“ Das funktioniere beim Rüdesheimer Carneval Verein, dessen Sitzungspräsident er seit 2008 ist, und das habe 20 Jahre lang bei der Magic Bike funktioniert, wo er große Musiker und Bands nach Rüdesheim holen konnte. Als Rüdesheimer Ortsvorsteher will er ein offenes Ohr haben für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger. Als Bäcker mit Leib und Seele ist er auch ein verantwortungsvoller Ausbilder. Auch deshalb engagiert er sich als Gründungsmitglied im Netzwerk Leseförderung Rheingau-Taunus. Seit er aktives Mitglied im Rheingauer Mundartverein ist, fühle er sich außerdem sehr viel mehr als Rheingauer denn als Rüdesheimer, versichert er. „Aber alles, was ich mache, geht nur, weil meine Frau Alexandra es mitträgt.“

Zeichen von Verbundenheit und Nächstenliebe
Selda Eigler hat mit ihren Wunschsteinen und Gewinnaktionen viele Menschen erfreut

Selda Eigler

Selda Eigler(chk) – Als Selda Eigler (52) im April vergangenen Jahres einen bemalten Stein vor ihrer Haustür fand, hat sie sich sehr gefreut und entschied sich, bei der Aktion „Rheingausteine“ mitzumachen, die innerhalb einer Facebook-Gruppe, aber auch außerhalb von Facebook läuft. „Das war noch ziemlich zum Beginn der Corona-Pandemie und viele Menschen hatten Probleme mit den Kontaktbeschränkungen; da fand ich es eine schöne Idee, mit solchen Steinen den Menschen eine Freude zu machen“, erklärt Selda Eigler. Als Jugendliche hat sie viel gemalt und gezeichnet und so fing sie an, Steine zu bemalen und sie auszulegen. Aber das war ihr nicht genug. Sie organisierte auch Malwettbewerbe und Gewinnspiele für Kinder, sogenannte „Kids-Gewinn-Aktionen“, an denen auch die Eltern beteiligt waren, die in der Facebook-Gruppe sind. „Ich habe viele Unternehmen angeschrieben und um Preise gebeten, die für Kinder und Familien geeignet sind“, erzählt sie. Sie war selbst überwältigt von Waren und Gutscheinen, die sie erhielt – und erst recht waren es die Kinder. Dazu gehörten Familientickets für Schiffsausflüge, für Schloss Freudenberg, das Senckenberg-Museum in Frankfurt oder für Minigolf und auch viele Sachgeschenke. Ganze Familien hatten Freude daran.
„Wenn ich ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zaubern kann, wenn sie für einen Moment glücklich sind, ist mir das genug“, sagt Selda Eigler. „Ich habe dadurch viele neue Freunde und endlich auch einmal alle Nachbarskinder kennengelernt.“ Sie machte im letzten Jahr auch eine Muttertags-Aktion, bei der fünf Gewinnerinnen einen Gutschein für ein Frühstück im Hotel Breuer’s Rüdesheimer Schloss gewannen. Außerdem rief sie vor Weihnachten zu einer Wunschstein-Aktion auf und bat, die Steine vor die Kirchentüren legen. „Wenn die Steine vor Gotteshäusern liegen, sind sie damit gesegnet – ganz gleich welcher Religion die Menschen sind, die sie hinlegen“, ist ihre Meinung. Die gesegneten Wunschsteine wurden zu Weihnachten an Pflegekräfte, Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen verteilt. „Diese kleinen Zeichen der Verbundenheit und Nächstenliebe haben in Zeiten von Lockdowns Großes bewirkt“, heißt es in der Nominierung für Selda Eigler.
Bei der Spendenaktion für die Opfer der Flutkatastrophe an der Ahr hat sie Plakate und Videos erstellt und die Aktion im Hintergrund unterstützt. In Zukunft sind weitere Aktionen geplant. In Kürze wird ein Workshop „Kinder für Kinder“ stattfinden um Maltechniken auf verschiedenen Materialien zu vermitteln. Selda Eiglers Wunsch ist es, diesen Workshop als inklusives Projekt zu gestalten, bei dem Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen mitmachen.
Seit 2008 wohnt sie mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und vier Katzen in Geisenheim, und ist als Finanzbuchhalterin tätig. Selda Eigler hat auch ein Herz für Tiere, engagiert sich durch Spenden und praktisches Tun auch in der Tierhilfe, speziell in der Katzenhilfe. Alle ihre Katzen kommen aus dem Tierheim.

Laufleidenschaft gepaart mit sozialem Engagement
Der blinde Stefan Herbst will nicht nur für sich selbst das Beste aus seinem Leben machen

Stefan Herbst

Stefan Herbst(chk) – Stefan Herbst (29) ist erst im April 2020 in den Rheingau gezogen und hat schon einiges bewegt. „RTK bewegt sich“ heißt auch die Initiative, die er mit seinem Lebensgefährten Thomas Schneider gegründet hat, der auch sein Lauf-Guide ist, denn Stefan Herbst ist blind. Sein Bestreben ist es, das Beste aus seinem Leben für sich und andere zu machen. So soll mit „RTK bewegt sich“ in jedem Jahr ein anderer gemeinnütziger Verein im Rheingau-Taunus-Kreis begünstigt werden. In diesem Jahr ist es der Ökumenische Hospiz-Dienst Rheingau, für den bereits 800 Euro zusammengekommen sind – und die Aktion geht noch bis zum Ende des Jahres.
Als Dreijähriger hatte er einen Unfall, der zur fast vollkommenen Erblindung führte. Nur auf einem Auge konnte er Schatten und Konturen erkennen, aber seit 2018 ist er vollkommen erblindet. Seit Ende August hat er seinen neuen Blindenhund nach etwa zwei Jahren ohne Blindenhund. Aufgewachsen ist Stefan Herbst in der Nähe von Alzey, hat das Blinden-Internat in Mannheim besucht und hat danach zehn Jahre in Flensburg gelebt. „Ich bin nach Rüdesheim gekommen, weil meine Mutter und meine Geschwister inzwischen hier leben“, erzählt er. So hat er eine gewisse familiäre Unterstützung zusätzlich zum Engagement seines Lebensgefährten, der mit ihm aus Flensburg in den Rheingau gezogen ist. Für beide ist ihre Initiative „RTK bewegt sich“ ein Ehrenamt, das von dem Leitgedanken getragen wird: „Gemeinsam ist man stärker!“ Stefan Herbst und sein Partner spenden für jeden gelaufenen Kilometer 0,50 Euro und rufen Menschen mit und ohne Handicap auf, sich zu beteiligen.
„80 bis 100 Menschen machen bei unserer Initiative mit; 20 sind sehr aktiv dabei“, erzählt Stefan Herbst. „Jeder macht es nach seinen Möglichkeiten.“ Laufen, Wandern, Walken, mit dem Rollstuhl unterwegs sein, Radfahren oder Schwimmen – alles ist möglich. „Wer nicht laufen kann oder will, kann auch einen literarischen oder künstlerischen Beitrag leisten.“ So können Autorinnen und Autoren auch Beiträge zum Thema „Tod und Sterben“ beitragen, die zum Schwerpunkt des ausgewählten Vereins in diesem Jahr passen. Auf den Hospiz-Dienst kam er, weil er bereits 2019 seine Laufleidenschaft mit einem guten Zweck verbunden hat. Innerhalb von drei Monaten lief er 1.000 Kilometer auf seinem Laufband und sammelte Spenden in Höhe von 500 Euro, die an den Bundesverband Kinderhospiz gegangen sind.
Stefan Herbst arbeitet als Schriftsteller, veröffentlicht Bücher, Kurzgeschichten und Gedichte im Eigenverlag. Außerdem wird er in Kürze eine Ausbildung zum Massage- und Wellnesstherapeut absolvieren. Darüber hinaus setzt er sich für Menschen mit Sehbehinderungen ein. Er steht in Kontakt mit dem Hessischen Blinden- und Sehbehindertenverband und will sich in Rüdesheim und anderen Rheingauer Kommunen für mehr taktile Gehwege einsetzen. Nun beginnt er auch, sich auf dem Gebiet der Paraleichtathletik zu engagieren und möchte für den Rheingau Erfolge erzielen.

"Impfen ist die einzige Maßnahme, die schützt"
Dr. Matthias Ott hat mit einem relativ kleinen Impf-Team in Lorch Großes geleistet

Dr. Matthias Ott

Dr. Matthias Ott

(chk) – „Es war klar, dass Impfen die einzige Maßnahme ist, die vor Corona schützt; alle anderen Maßnahmen dienen nur der Kontaktvermeidung“, sagt Dr. Matthias Ott (49) aus Lorch, der alles daransetzte, um zunächst die Lorcher Bürgerinnen und Bürger gemäß Priorisierung so schnell wie möglich zu impfen.“ Dennoch wirkte er überrascht und etwas skeptisch, als er erfuhr, dass er als Kandidat für den Rheingauer des Jahres nominiert wurde, dachte er doch, dass es als Arzt seine Pflicht sei, so viele Menschen wie möglich zügig vor einer Covid-19-Erkrankung zu schützen. Dass diejenigen, die ihn nominiert haben, sein enormes Engagement keineswegs als selbstverständlich ansehen, hat ihn bewogen, die Kandidatur anzunehmen. „Dr. Ott geht seit Monaten an seine Belastungsgrenzen, bewältigt über 20-stündige Arbeitstage zwischen Praxis, Impfung und Terminvereinbarungen. Er hat weit über Lorch hinaus mehr Menschen geimpft und geschützt als wir Einwohner haben“, fasst ein Unterstützer seine Beobachtungen in Worte. „Regelmäßig werden mit einem relativ kleinen Team Hunderte von Impfdosen an nur an einem Tag verabreicht – heute wieder 550 – ohne dass Qualität und Professionalität leiden.“
Matthias Ott schmunzelt, als er mit diesem Lob konfrontiert wird. „Das stimmt. Das war Mitte Juli unser Spitzenimpftag mit 551 Dosen – und es waren überwiegend Zweitimpfungen.“ Dass er in den letzten Monaten oft nicht mehr als vier Stunden Schlaf hatte, gibt er auch zu. „Aber zwischendurch gab’s natürlich auch Pausen.“ Als im April die Impfung bei den Hausärzten anlief, sei ihm schnell klar geworden, dass dies nicht während der normalen Sprechstunden in der Arztpraxis laufen könne. Er ist der Stadt Lorch dankbar, dass sie das Hilchenhaus anbot, wo er sein kleines „Impfzentrum“ aufbauen konnte, um seit April zügig zu impfen. „Im Mai hatten wir allen Lorcher Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot gemacht.“ Seit dieser Zeit impft er auch Impfwillige aus anderen Orten im Rheingau und inzwischen auch Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren. Ein Team aus Medizinischen Fachangestellten und zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern hat diesen Kraftakt über Monate mitgetragen. Alles Organisatorische hat er abends oder nachts vorbereitet. Sein Kollege in der Gemeinschaftspraxis, Dr. Michael Ohmer, habe ihm an den Impftagen den Rücken freigehalten, verrät er.
Dr. Matthias Ott ist in Karlsruhe aufgewachsen, hat in Frankfurt studiert und dort seine Frau, eine Lorcherin, kennengelernt. Seit 2005 wohnt die Familie mit ihren beiden Kindern in Lorch. Nach Stationen als Anästhesist, Schmerztherapeut, Notfall- und Intensivmediziner in Frankfurt und als Palliativmediziner in Wiesbaden schloss er im Rheingau seine Weiterbildung als Allgemeinmediziner ab und übernahm im vergangenen Sommer die Praxis von Dr. Brigitte Haschä in der Gemeinschaftspraxis Lorch. In seiner Freizeit engagiert er sich beim TTC Lorchhausen als Kassierer und ist auch aktiver Tischtennis-Spieler.

"Wo ich mit den Händen etwas tun kann, helfe ich"
Silvia Porth bringt ihr Talent, ihre Zeit und Kraft in die Gruppe "Rheingausteine" ein

Silvia Porth

Silvia Porth

(chk) – „Die Gruppe gibt es seit zwei Jahren, aber in der Corona-Zeit ist sie explodiert“, erklärt Silvia Porth (54), Hauptadministratorin der Facebook-Gruppe „Rheingausteine“. Von anfänglich 250 Mitgliedern ist sie inzwischen auf über 4.000 Mitglieder angewachsen. Auch durch die Flutkatastrophe an der Ahr sind einige neue Mitglieder zur Gruppe gestoßen. Das zeigt, dass Menschen in Krisenzeiten nach Netzwerken suchen, in denen sie sich gegenseitig unterstützen können. „Die Absicht war, mit den Steinen anderen Menschen eine Freude zu machen. Wenn man sie findet, soll man in Facebook ein Foto posten und sie dann wieder auslegen“, erklärt Silvia Porth. „Das ist aber keine Bedingung. Ich habe eine 80-jährige Frau kennengelernt, die nicht in Facebook ist, und die Steine sammelt.“ Die Frau habe erklärt, dass es ihr viel mehr Freude mache, spazieren zu gehen, seit sie die Steine finde.
Silvia Porth ist einige der fleißigsten Malerinnen. Zu Beginn der Corona-Zeit hat sie 120 Steine mit Schutzengeln für Pflegekräfte, Ärzte, Malteser und Rotes Kreuz gemalt. Dabei hat ihr vor 31 Jahren selbst einmal ein Schutzengel gefehlt. Als Ersthelferin bei einem Unfall raste ein Auto in die Unfallstelle; sie blieb als einzige Überlebende schwerverletzt zurück und musste sich vielen Operationen unterziehen. 15 Jahre lang war sie auf Gehhilfen und einen Rollstuhl angewiesen; in dieser Zeit wurden auch ihre beiden Kinder geboren. Ihren Beruf als Floristin konnte sie nicht mehr ausüben, so arbeitete sie nach einer Umschulung als Telefonistin bei einer Versicherung. Seit 16 Jahren kann sie wieder ohne Gehhilfen laufen, leidet aber weiterhin an Schmerzen und Beeinträchtigungen und seit dem vergangenen Jahr gilt sie als voll erwerbsgemindert.
Nach dem Unfall lernte sie in der Reha-Klinik die Seidenmalerei kennen; später hat sie auch Bilder gemalt und viele Ausstellungen gehabt. Außerdem konnte sie gut nähen und macht Patchwork und andere kreative Handarbeiten. „Ich habe früher auch Vorhänge und Kostüme für den Winkeler Carneval Verein genäht.“ Heute malt sie Steine – manchmal auch nachts, wenn sie nicht schlafen kann. „Viel Geld habe ich nicht, aber viel Zeit und Kraft, die ich in die Rheingausteine einbringe. Wo ich mit meinen Händen etwas tun kann, helfe ich.“
Ihre Steine sind echte Kunstwerke, die sie gemeinsam mit anderen Mitstreiterinnen aus der Gruppe bei verschiedenen Aktionen verkauft oder gegen eine Mindestspende abgibt. Auf diese Weise kamen 7.900 Euro zusammen, die Silvia Porth mit Anette Fabian, eine der Co-Administratorinnen der Gruppe, im September an die Lebenshilfe in Sinzig und den Waldorf Wald-Kindergarten in Schleiden jeweils zur Hälfte als Spende übergeben wird. „Nach dieser Aktion steht schon die nächste Spendenaktion für die EVIM Jugendhilfe an, die wir noch in diesem Jahr unterstützen wollen“, kündigt Silvia Porth an, die Kontakte zu vielen weiteren Glücks- und Wunschsteine-Gruppen in ganz Deutschland pflegt.

Lebensfroh und den Menschen zugewandt
Iris Schneider zeichnet sich beruflich, ehrenamtlich und privat für ihre Hingabe an Menschen aus

Iris Schneider

Iris Schneider

(chk) – „Was machst du so in deiner Freizeit?“, wird Iris Schneider (49) aus Assmanshausen gelegentlich gefragt, und wenn sie dann antwortet: „Ich bin Hospizhelferin“, reagiert ihr Gegenüber manchmal etwas betroffen. Für sie ist es jedoch eine wertvolle Zeit, die sie mit todkranken Menschen verbringt. „Ich weiß, wie wichtig es ist, dass Menschen in den letzten Wochen nicht alleine sind. Ich bekomme dadurch viel zurück und weiß alles Schöne im Leben noch mehr zu schätzen“, sagt sie. Nach einer elfmonatigen Ausbildung ist Iris Schneider seit sechs Jahren in der ehrenamtlichen Hospizarbeit tätig und begleitet überwiegend Menschen zu Hause, manchmal auch in Pflegeheimen.
Doch das ist nicht der eigentliche Grund, warum sie gerade in diesem Jahr nominiert wurde, sondern es ist ihre außerordentliche Bereitschaft gegen die Corona-Pandemie anzugehen. Als Medizinische Fachangestellte in der Praxis von Dr. Karin Kurreck in Rüdesheim hat sie schon im April 2020 das Testen von Patienten übernommen, zunächst mit PCR-Tests und inzwischen mit Schnelltests. In diesem Jahr darf seit April in der Praxis geimpft werden – und Iris Schneider trägt entscheidend zu einem reibungslosen Ablauf bei. „Die Organisation der Termine, das Aktualisieren der Impfwarteliste, die Impfstoffbeschaffung und die Informationsbeschaffung zu aktuellen Änderungen bezüglich Priorisierungen und Impftauglichkeiten hinsichtlich der Impfstoffvergabe sind ‚nur‘ zusätzlicher Arbeitsaufwand zu all ihren sonstigen alltäglichen Aufgaben als Medizinische Fachangestellte“, lobt ihre Chefin. „Frau Schneider ist nicht nur in meiner Praxis eine unverzichtbare Mitarbeiterin, sondern zeichnet sich auch insbesondere privat und ehrenamtlich durch ihre Hingabe für die Menschen im Rheingau aus.“
Neben ihrer Vollzeittätigkeit in der Rüdesheimer Hausarztpraxis war Iris Schneider an den Wochenenden nebenberuflich für einen Pflegedienst tätig – einerseits, weil die Zuwendung zu kranken Menschen zu ihrer Berufung gehört und andererseits, weil sie auf das Nebeneinkommen angewiesen war, denn sie war alleinerziehende Mutter, seit ihre heute erwachsene Tochter acht Jahre alt war. Damals konnte sie sich auf ihre Eltern verlassen, wenn es um die Betreuung ihrer Tochter ging, heute hingegen kümmert sie sich – mit ihrem Bruder – täglich um ihre Eltern, die in derselben Straße wohnen. Ihre Tätigkeit für den Pflegedienst hat sie deshalb vor wenigen Monaten aufgegeben, und auch, weil wegen Corona zu viele Überstunden fürs Testen und Impfen erforderlich waren.
Iris Schneider engagiert sich seit ihrer Jugend für die Sternsinger in Assmannshausen und ist ein überaus lebensfroher Mensch, liebt Gartenarbeit, gute Bücher, Reisen, Landschaft, Wein, war 1989/90 sogar Assmannshäuser Rotweinprinzessin. Das Ausgehen mit ihren Freunden hat sie in der Corona Zeit sehr vermisst. Seit neun Jahren ist sie voller Begeisterung Teil der Fastnachtsgruppe Höllenberg Engel vom Club der Carnevalsfreunde Assmannshausen.

"Die Region wurde dadurch aufgewertet"
Max Schönleber hat ein familienfreundliches Ausflugslokal mit Rheinblick geschaffen

Max Schönleber

Max Schönleber

(chk) – Max Schönleber (34) wurde als Kandidat vorgeschlagen, weil er Mut und Engagement bewiesen habe, um aus einem „Schandfleck“ am Rhein eine Location mit Urlaubsfeeling zu machen. „Unsere Region wurde dadurch sehr aufgewertet und hat mit ‚Allendorf am Rhein‘ ein Highlight mehr, auf das wir sehr stolz sein können“, heißt es in der Nominierung. Es sei eine Auszeit aus dem Alltag und aus dem „Corona-Chaos“ – für Kinder, junge und ältere Menschen gleichermaßen. Hervorgehoben wird auch die Andockstelle für Bootsfahrer, die an Land gehen können, um etwas zu essen und zu trinken.
Max Schönleber, Önologe und Kellermeister im Weingut seiner Familie, hört das gerne – hat es doch vier Jahre gedauert von der ersten Idee bis zur Eröffnung im vergangenen Sommer. „Das Ausmaß, wie es heute ist, hatten wir uns gar nicht erträumt“, erzählt er. „Das ist nach und nach gewachsen.“ Den Ort kenne er seit seiner Kindheit und er sei in den letzten Jahren tatsächlich sehr unschön gewesen. Als schon seit etwa drei Jahren nicht mehr auf der ehemaligen Kiesverladestelle gearbeitet worden sei, habe er den Kontakt zum Vorpächter gesucht. Das rund 3.000 Quadratmeter große Gelände hat er vom Wasser- und Schifffahrtsamt gepachtet. „Es war aufwendig, von allen Behörden die notwendigen Genehmigungen einzuholen“, berichtet er. Umso größer ist die Freude, dass „Allendorf am Rhein“ bei den Gästen gut ankommt. „Sylt am Rhein“ wird das Lokal gerne genannt.
„Natürlich machen wir das nicht nur aus karitativen Zwecken, sondern müssen auch Geld damit verdienen, aber wir ‚kannibalisieren‘ hier keine anderen Locations“, zeigt er sich überzeugt. „Wir haben etwas Neues geschaffen, was noch mehr Gäste in den Rheingau lockt. Das müssen wir auch in Zeiten des demographischen Wandels! Wir können uns nicht auf dem ausruhen, was war.“ Es ist ihm gelungen, ein neuartiges Ausflugslokal mit Rheinblick zu schaffen – und seiner Meinung nach hat man genau an dieser Stelle den schönsten Blick auf den Fluss. Deshalb ist er inzwischen von dem anfänglichen Konzept abgewichen, nach dem Hotelschiffe täglich anlegen durften. Nun dürfen sie es nur an den drei Ruhetagen. Von donnerstags bis sonntags sollen die Gäste das „Urlaubsfeeling“ mit freiem Blick auf den Rhein genießen dürfen.
Max Schönleber und seiner Frau Lena, selbst Eltern von drei Kindern, war es wichtig, einen kinderfreundlichen Ort zu schaffen, „Das ist eine gewisse bunte Begegnungsstätte für alle Generationen, für Winkeler, Rheingauer, Frankfurter, für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer“, betont er. „Und wir haben hier das beste Team, das man sich vorstellen kann.“ Er beschäftigt sechs feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und rund 40 Aushilfskräfte; sie wohnen in Oestrich-Winkel und der näheren Umgebung. Wenn Corona es zulässt, soll das Ausflugslokal ganzjährig geöffnet sein, was im ersten Öffnungsjahr wegen des Lockdowns nicht möglich war. Und auch das Hochwasser darf nicht zum Spielverderber werden.

"Ich lasse mich nicht leicht unterkriegen"
Nach einer Chemotherapie engagiert sich Andreas Winau als ehrenamtlicher Fahrer für die Ahrhilfe

Andreas Winau

Andreas Winau

(chk) – Für Andreas Winau (53) war es ein Schicksalsschlag, als er im vergangenen Herbst nach einer Notoperation die Diagnose „Krebs“ erhielt. „Aber ich war schon immer ein positiv denkender Mensch und lasse mich nicht leicht unterkriegen“, sagt er. Inzwischen hat er eine sechsmonatige Chemotherapie hinter sich, leidet noch unter gewissen Missempfindungen und Taubheitsgefühlen, führt aber wieder ein nahezu normales Leben, und alle Untersuchungsergebnisse lassen hoffen, dass er seine Krebserkrankung überwunden hat.
Seit der Flutkatastrophe an der Ahr betätigt er sich ehrenamtlich mit seinem Auto und Anhänger als Fahrer und „Zulieferer“ für die Hilfstransporte. „Leute, die etwas mitzugeben haben, vor allem ältere Menschen, die kein Auto oder keinen Anhänger haben, rufen mich an, wenn sie etwas abzuholen haben“, berichtet Andreas Winau. Er verfährt viel Sprit, weil er fast täglich Dinge von Kaub, Lorch oder Rüdesheim zu „Rheingau hilft“ nach Geisenheim fährt; anfänglich hat er auch Sachen nach Nastätten und Koblenz gebracht, und ins Ahrtal ist er auch schon gefahren. Inzwischen werde mit Listen gearbeitet, auf denen genau draufstehe, was an der Ahr benötigt werde „Ich freue mich, wenn ich helfen kann und den Leuten, die selbst nicht fahren können, ein gutes Gefühl gebe“, betont er. „Ich bin stolz darauf, dass so viele Rheingauer ihre Hilfsbereitschaft beweisen und dass ich dazu gehöre“, betont er.
Andreas Winau ist gebürtiger Rüdesheimer, der vor etwa 20 Jahren nach Lorch gezogen ist. Vor seiner Chemotherapie ist er zu seiner Freundin nach Kaub gezogen. „Aber wir wollen nächstes Jahr wieder nach Lorch ziehen – dort war ich sehr herzlich aufgenommen worden“, erzählt er. Er habe sich etwa drei Jahre als Rheinsteiglotse betätigt und vier Jahre war er Koch im „Kesselflicker“. In dieser Zeit hat er die Lorcher Rotwein-Lauch-Bratwurst erfunden, die Metzgermeister Bernhard Perabo nach seinem Rezept hergestellt hat und beiden einen Artikel in der Zeitschrift „Lust auf Landküche“ eingebracht hat. Anschließend haben sie als Gemeinschaftsprodukt auch noch die Lorcher Riesling-Bratwurst erfunden. In dieser Zeit, bis 2016, war er auch alleinerziehender Vater einer inzwischen erwachsenen Tochter. Der gelernte Garten- und Landschaftsbauer ist in den letzten Jahren als Wasserbauer beim Wasser- und Schifffahrtsamt angestellt und hofft, dass er nach der Krankheitsphase seine Arbeit nun bald wieder aufnehmen kann.
Auch während der Chemotherapie hat er selbst Eierlikör hergestellt und den Erlös für die Kinderkrebshilfe gespendet. Auch am Geburtstag oder zu anderen Anlässen bittet er um Spenden für den Verein, seit das Thema „Krebs“ sich in sein Leben gedrängt hat. Er geht offen mit der Krankheit um und will andere Menschen ermutigen, nach einer Krebsdiagnose nicht aufzugeben. Vor allem in Internetforen tauscht er sich mit Betroffenen aus. Er hat selbst schon Hilfe durch diesen Austausch erhalten und will diese nach seinen Möglichkeiten weitergeben.

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