Mit 90 Jahren immer noch Weinkommissionär

Mit 90 Jahren immer noch Weinkommissionär
Gustav Bildesheim blickt auf 66 Jahre Weinbau und Weinversteigerungen zurück

Josef Bildesheim ist der lebende Beweis dafür, dass Wein jung hält.

Hallgarten. (sf) – Mit 22.000 DM für eine Flasche 1893er Steinberger Riesling Trockenbeerenauslese Cabinet, ist das der teuerste Wein seiner bereits 66 Jahre andauernden Karriere, den der Hallgartener Weinkommissionär Gustav Bildesheim bei einer Versteigerung in Trier am 19. November 1985 für einen Kunden in Japan ersteigert hat. Und es ist natürlich längst nicht die einzige: Tausende Flaschen edelster Rebensäfte hat Josef Bildesheim schon im Auftrag vieler Weinkunden aus der ganzen Welt bei den großen Versteigerungen in Kloster Eberbach und ganz Deutschland ersteigert.

Und kein Ende in Sicht: Auch in seinem 90. Lebensjahr ist der Hallgartener Weinkommissionär immer noch aktiv und das mit spürbarem Spaß. Denn dem Wein gehört sein Leben und das nicht erst, seit er 1953 sein eigenes Weingut in der Eberbacher Straße 11 gründete. Als jüngstes von sieben Kindern des Hallgartener Winzers Bildesheim wurde der Jubilar am 5. April 1929 in der Rosenthalstraße geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Hallgarten erlernte er zunächst den Beruf des Schuhmachers bei einem Meisterbetrieb in Winkel. Trotz Bestnoten im Gesellenbrief übte Gustav Bildesheim den Beruf jedoch nie aus. Stattdessen pflanzte er auf vier Hektar Acker, die er im Hallgartener Weinbaugebiet Jungfer erwarb, eigenhändig Rieslingreben und eröffnete seinen eigenen Winzerbetrieb mit Weinhandel. Zunächst bewirtschaftete er noch alles alleine, mit zunehmendem Erfolg als Weinkommissionär holte er sich später den Hallgartener Kellermeister Karl Röser in den Betrieb, der auch am vergangenen Freitag zu den zahlreichen Gratulanten zählte. Die beiden Zeitzeugen erzählten wunderbare Geschichten aus dem Alltag in Hallgarten vor vielen Jahrzehnten. So erinnerte sich Gustav Bildesheim vor allem auch an seinen Vater, der als Winzer, Sprengmeister und Fleischbeschauer ein vielbeschäftigter Mann war. „Ich hab im meim Lebe so viel Wein getrunke, do könnt glatt ein Köln-Düsseldorfer Dampfer drin wende“, soll Vater Bildesheim einst gesagt haben und beim Bau der Hallgarter Zange habe er auch mitgeholfen: „Vier Pferde sind damals beim Transport der Steine auf die Zange hinauf „krepiert“, erinnerte sich Gustav Bildesheim an die Erzählungen seines Vaters.

Er selbst ist auch Vater von zwei Söhnen und stolz darauf, dass Sohn Stefan den väterlichen Weinbaubetrieb mit der gleichen Liebe und Sorgfalt fortführt, die auch der Jubilar dem Wein entgegenbringt. Und natürlich wurde mit einem Glas Hallgartener Wein auch auf den 90. Geburtstag des rüstigen Jubilars angestoßen. Überaus zahlreich waren die Gratulanten gekommen, um Gustav Bildesheim alles Gute zu wünschen, darunter auch der kleine, vierjährige Enkelsohn, der zusammen mit einer Enkelin die jüngste Generation der Familie darstellt. Die Glückwünsche der Stadt Oestrich-Winkel, des Rheingau-Taunus-Kreises und des Landes Hessen überbrachte Bürgermeister Heil.

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