„Opa Hanns ist nun unfassbare 100 Jahre alt“
Hanns Söhn feierte seinen runden Geburtstag im Kreise vieler Gratulanten

Im Kreise seiner Familie feierte Hanns Söhn seinen 100. Geburtstag.

Winkel. (sf) – „Wer das hohe Alter erlebt, ist meistens eher in der Irrenanstalt. Aber unser Opa ist geistig noch total auf der Höhe. Die große Frage, die sich nun jedem von uns hier stellt: „Wie zum Teufel werde ich denn auch 100 Jahre alt?“ Wie ihr merkt, Opa hat es raus, denn sein Geist ist noch fit und munter, auch wenn das Körperliche wird Tag für Tag etwas bunter.

Doch an seine wichtigsten Lebensregeln hat er sich Tag für Tag gehalten, ich möchte sie euch zum Ende jetzt nicht vorenthalten: „Habt Gottvertrauen, seid ehrlich und das für alle Zeit, und dazu noch eine große Portion an Genügsam- und Zufriedenheit.“ Mehr bleibt nicht zu sagen, Opa bleib einfach weiterhin so wie du bist!“, mit einem wunderschönen Gedicht, in dem sie sein ganzes Leben Revue passieren ließen, gratulierten die acht Enkelkinder und vier Urenkel des rüstigen Jubilar Johann Heinrich Söhn zum 100. Geburtstag.

Am 5. Juli 1918 erblickte Söhn in Oestrich das Licht der Welt: „Und war für Mutter Barbara und Vater Heinrich der allergrößte Held. Es war das 4. Jahr des 1. Weltkrieges zu dieser Zeit, ich brauch euch nichts erklären, darüber wisst ihr alle Bescheid. Für die kleine Familie war die Kriegszeit sehr schwer, das Geld reichte vorne und hinten nicht mehr. Die Mutter musste Kartoffeln und Gemüse im Garten sähen, und ab und an den Bauern um 1 Schoppen Milch für den kleinen Hanns anflehen“, dichteten die Enkel dazu. Hanns selbst erinnert sich bis heute sehr gut an seine Kindheit. Er sei zwar ein Einzelkind gewesen, jedoch mit vielen Freunden in der Nachbarschaft: „Die freie Natur war unser größter Spielplatz, wir spielten Räuber und Gendarm und Klicker. Mein Lieblingsspielzeug war eine Burg und Soldaten aus Zinn und eine Eisenbahn, die die Verwundeten abfuhr“. Der katholische Glaube sei für die Familie das A und das O gewesen, jeden Sonn- und Feiertag ging man in die Kirche. „Damals wurde auch kein Geburtstag gefeiert, wie es heute üblich ist, der Namenstag des hl. Johannes am 24. Juni wurde bejubelt und zwar jährlich“, erinnert sich der Jubilar. Am 1. April 1924 wurde Hanns in die Volksschule in Oestrich eingeschult: „Mit meinem besten Freund Hans Moos habe ich auch so manchen Streich ausgeheckt“, so der 100-Jährige, der noch genau weiß: „Heinrich Steinmetz saß links und Kurt Scheffler rechts an meiner Seite“. Etwas ernster sei es dann in der Berufsschule gewesen. Denn nach der Schulausbildung hatte er den Beruf des Maschinenschlossers bei der Maschinenfabrik in Geisenheim erlernt. Im Jahr 1936 legte er nach 4 Jahren die Gesellenprüfung ab: „Im Theoretischen mit „Sehr gut“ und im Praktischen mit „Gut“. Während Hanns mit dem Fahrrad nach Geisenheim zur Maschinenfabrik fuhr, kochte seine Mutter für ihn Zuhause seine Lieblingsgerichte: Sauerbraten, Makkaroni, Soße und Vanillepudding. Was er nie mochte sei Hering, Limburger Käs‘ und Sauerkraut gewesen. „Der schönste Tag der Woche war immer der Zahltag gewesen, da wurde der leere Geldbeutel mit 2 DM gefüllt“.

Auch an den 2. Weltkrieg erinnert sich der Zeitzeuge noch genau: Im April 1939 wurde der damals 21-Jährige zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und nach der Ausbildung im Fliegerausbildungsregiment kam er nach Bad Fallingbostel zur Fallschirmausbildung und danach als Infanterist nach Estland.

Im März 1945 wurde er durch einen Granatsplitter durch den Stahlhelm am Hinterkopf verletzt und er kam ins Lazarett. Doch auch danach musste er wieder an die Front: „Doch nur noch acht Tage, denn am 8. Mai 1945 war der Krieg zu Ende“. Söhn kam jedoch für vier Jahre nach Estland in Gefangenschaft und kehrte erst am 24. Juni 1949 wieder nach Oestrich zurück: „Mit allerletzter Kraft“.

Zurück in seinem Beruf als Schlosser in der Johannisberger Maschinenfabrik fand er bald wieder in sein altes Leben. Als ihn dann ein ehemaliger Kriegskamerad zur Oestricher Kerb besuchte, sprach er eine Bekannte an, ob sie mit einer Freundin ihn und den Kameraden zum Kerbetanz begleiten wolle. Diese Freundin war die Frau, in die Hanns sich sofort verliebte, wie er sich heute noch erinnert: „Ich sprach in ihrem Elternhaus hier in Winkel vor und die Mutter sagte: „Da draußen steht jemand für Dich“. Im Dezember 1950 heiratete er Berta aus Winkel standesamtlich und nach einer langen Odyssee für die damalige Kriegswitwe durfte sich das Paar auch am 24. Juni 1951 kirchlich das Jawort geben und war über 50 Jahre bis zum Tod von Ehefrau Berta glücklich verheiratet. Fast exakt ein Jahr nach der Eheschließung kam Stammhalter Heinz-Norbert auf die Welt und am 26. August 1958 erblickten die Zwillinge Rainer und Gisela das Licht der Welt. Man vergrößerte für die Kinder das Haus in der Bischof-Dirichs-Straße und Schlosser Hanns Söhn konnte fast alle Arbeiten selbst erledigen. Neben seiner Tätigkeit in der Maschinenfabrik arbeitete er auch viele Aufträge in der kleinen Werkstatt ab, die er sich eingerichtet hatte.

Doch nicht nur dem Handwerk hatte sich der Jubilar verschrieben, in seiner Freizeit sang er in der Winkler Sängervereinigung als Tenor und brachte sich hier auch ehrenamtlich als 1. und 2. Vorsitzender ein. Viel Freude machen ihm auch die Enkelkinder Michael, Thorsten, Sabrina, Alex, Swantje, Saskia, Nina, Nadja und noch ein Michael. Vor allem seit Opa Hanns 1982 nach 50 Jahren in der Maschinenfabrik in den Ruhestand getreten war, genießt er sein Dasein als Großvater und vierfacher Urgroßvater bis heute sehr. Auch im Seniorenclub „Frohsinn“ und in der Brunnenmeisterschaft ist der gesellige Jubilar bis heute Mitglied.

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