Ein Zeichen von Solidarität und Gemeinschaft

Ein Zeichen von Solidarität und Gemeinschaft
Hungertuch-Wallfahrer machten Station in Eltville, Geisenheim und Aulhausen

Die Pilgergruppe, die aus Eltville kam, wurde in Geisenheim empfangen und übergab im Dom das Hungertuch an die nächste Gruppe, die sich auf den Weg nach Aulhausen machte.

Rheingau. (chk) – Von Worms nach Köln führte die Hungertuch-Wallfahrt in diesem Jahr. Im Rheingau waren Eltville, Geisenheim und Aulhausen die Stationen, wo das Hungertuch von einer Gruppe an die nächste gegeben wurde. Vier Gruppen waren unterwegs, um das Tuch abwechselnd zu tragen – auch nachts. Es ist ein Bestandteil der jährlichen Misereor-Fastenaktion. Das Motto in diesem Jahr, „Mensch, wo bist du?“, zielt als Frage in den Kern der Verantwortung des einzelnen Menschen.

„Dieses Jahr bleiben wir mit dem Hungertuch am Rhein“, erzählte Elke Hildebrand, Misereor-Mitarbeiterin aus Aachen und Organisatorin der Wallfahrt, nachdem die Gruppe vor der Abenddämmerung am Geisenheimer Dom eingetroffen war. In Eltville hatte diese Gruppe das Hungertuch an der Pfarrkirche St. Peter und Paul Rheingau mit dem Reisesegen von Pastoralreferentin Anke Jarzina übernommen und sich am Rhein entlang auf den 14 Kilometer langen Weg nach Geisenheim gemacht. Pastoralreferentin Sonja Haas-Wessendorf von der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau nahm die Gruppe in Eltville „entgegen“ und begleitete die Pilgerinnen und Pilger mit einigen Rheingauern nach Geisenheim.

Für die gesamte Route gibt es einen ausgeklügelten Streckenplan, um sicherzustellen, dass jede Gruppe ihre Anschlussgruppe am vereinbarten Ort trifft und mit dem Hungertuch weiterpilgern kann. Die Wegstrecken in der Nacht seien oft eine besondere Herausforderung, die aber im Wechsel von jeweils einer Gruppe gemeistert werde, erklärte Elke Hildebrand. Dazwischen liegen Übernachtungen und Wegstrecken, die mit Hilfe von zwei Kleinbussen zurückgelegt werden, die auch die Schlafsäcke der Pilger transportieren. „Wir sind meist mit 60 Pilgerinnen und Pilgern unterwegs. In diesem Jahr sind wir 54, weil einige krank geworden sind“, erzählt die Organisatorin weiter. Mit den „Umwegen“ in die Gemeinden legen die Gruppen 320 Kilometer zurück. Jede Gruppe läuft „bei Wind und Wetter“ fünf Etappen von insgesamt 80 bis 90 Kilometern. Ein großer Teil ist seit vielen Jahren dabei, aber in jedem Jahr schließen sich auch neue Wallfahrer an. „Unsere jüngste Teilnehmerin ist 21, der älteste ist 80“, berichtete Elke Hildebrand.

Nachdem die Pilger vor dem Dom von ihrer Anschlussgruppe begrüßt worden waren, wurde kurz danach das Hungertuch in einer kleinen Zeremonie im Dom übergeben. Mit einem kurzen Bericht über die Eindrücke auf dem Weg, mit einem Lied und dem Reisesegen von Sonja Haas-Wessendorf wurde die Gruppe in die Abenddämmerung hinein auf den Weg nach Aulhausen geschickt – begleitet von den Firmlingen der Pfarrei Heilig Kreuz. Dort wartete im St. Vincenzstift bereits eine andere Gruppe auf das Hungertuch und hatte unterdessen am Aschermittwochsgottesdienst mit Altbischof Dr. Franz Kamphaus teilgenommen. Die Übergabe am Abend fand in der Marienkirche statt, als die Gruppe aus Geisenheim eintraf.

Gastfreundschaftin Geisenheim

Die Gruppe von Elke Hildebrand wurde gastfreundlich im Pfarrzentrum Heilig Kreuz aufgenommen und von Helferinnen der Gemeinde bewirtet. Die Gruppe blieb bis zum folgenden Morgen, verbrachte die Nacht auf Matten und Schlafsäcken im Gemeindesaal, nachdem sie sich bei einem gemeinsamem Abendessen gestärkt und am Abendgottesdienst zum Aschermittwoch im Dom teilgenommen hatte. Dazwischen blieb etwas Zeit für Gespräche, beispielsweise mit Karl-Heinz Metzger aus Würzburg. Er ist zum dritten Mal dabei. „Vor zwei Jahren ging die Hungertuch-Wallfahrt in Würzburg los und zwei Freunde haben mich motiviert, mich anzuschließen“, erinnert er sich. „Da ich gerade in den Ruhestand gegangen war, ließ ich mich gerne darauf ein. Motivation ist für mich auch die politische Aussage des Hungertuchs, auf die Armut und die Ungerechtigkeit in der Welt hinzuweisen. Die westliche Welt muss da viel mehr tun, aber anfangen kann jeder bei sich selbst.“ Wichtig ist ihm auch die Gemeinschaft mit den anderen Pilgern. „Ich habe mich darauf gefreut, diese tollen Menschen wiederzusehen und auch neue Pilger zu treffen, die ich sonst nie kennengelernt hätte.“ Manche Pilger nehmen an ihrem Arbeitsplatz Urlaub, um die Hungertuch-Wallfahrt zu begleiten, andere gehen mit trotz gesundheitlicher Einschränkungen. Davon erzählte ein Teilnehmer aus der Gruppe während des Aschermittwoch-Gottesdienstes im Dom.

„Dass wir in Gottesdiensten über das Anliegen der Misereor-Aktion sprechen, auf Armut und Nord-Süd-Unterschiede hinweisen, ist Teil des Bildungsauftrags, der mit dem Hungertuch verbunden ist“, sagt Elke Hildebrand. „Uns ist es wichtig, unterwegs in Gespräche zu kommen. Manchmal stellen die Gemeinden auch Kontakte zu Schulklassen her, wo wir unser Anliegen vorstellen können.“ Aus diesem Grund geht die jeweilige Gruppe mit dem Hungertuch nicht über Wanderwege außerhalb der Ortschaften. „Fuchs und Hase brauchen unsere Botschaft nicht, sondern die Menschen in den Städten und Gemeinden“. Pastoralreferentin Sonja Haas-Wessendorf, die für die Betreuung und Begleitung der Gruppe in Geisenheim zuständig war, zeigte sich beeindruckt. „Mich hat es sehr gerührt, dass Menschen sich so einsetzen, auch Urlaub dafür nehmen, und Menschen auch mit Fußproblemen und anderen leichten gesundheitlichen Einschränkungen mitpilgern.“

Von Aulhausen ging es weiter über Rüdesheim mit der Fähre nach Bingen, über mehrere Etappen nach Koblenz und schließlich, am fünften Tag, nach Köln, wo am vergangenen Sonntag die Misereor-Fastenaktion 2019 eröffnet wurde.

Der Künstler Uwe Appold aus Flensburg hat in diesem Jahr das Hungertuch gestaltet mit der Frage: „Mensch, wo bist du?“ Er hat mit Erde aus Jerusalem gearbeitet; sie trägt den goldenen Ring und das „gemeinsame Haus“ mit der offenen Tür. Das Kunstwerk soll aussagen, dass im Zentrum die Zusage Gottes steht und dass seine Liebe besonders die Ausgegrenzten mitten hinein holt. Das Hungertuch der Wallfahrt ist ein „Original“-Druck dieses Kunstwerkes. Darüber hinaus gibt es kleinere Hungertuch-Nachdrucke, die mit Begleitmaterialien für die Bildungsarbeit in Gemeinden und Schulen zur Verfügung stehen. Mehr dazu unter www.misereor.de.

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