„Auswendiglernen ist nicht unser Ding!“

Impro-Theater „Restrisiko“ bescherte dem Publikum einen heiteren Open-Air-Abend

Stefanie Börner begrüßte das Publikum, während die „Whiskeymixer“ bereits auf der Bühne standen.

Nicht nur „ohne Gewähr und doppelten Boden“ trat die Wiesbadener Impro-Theatergruppe „Restrisiko“ auf dem Rauenthaler Kirchplatz auf, sondern auch ohne Dach über der Bühne, denn das allerbeste Open-Air-Wetter barg an diesem Abend kein Restrisiko. Veranstalter war wieder das Kultur- und Tagungshaus (KuTa) und als Stefanie Börner vom KuTa-Team das Publikum begrüßte, stand bereits die „Boyband“ des Theaterensembles hinter ihr auf der Bühne. „The Three Whiskeymixers“ wurden verstärkt durch Tobias Krell auf dem Cajón. Der Musiker kommt, wie auch Ensemble-Mitglied Barbara Dittmann, aus Ransel. Mit eigenen Stücken und Coversongs, wie „The Great Song Of Indifference“ von Bob Geldof begeisterte die Band das Publikum, bevor das eigentliche Impro-Theater begann.

Rasant startete danach die Theatervorstellung, in die, wie versprochen, das Publikum eingespannt wurde als Stichwortgeber für die improvisierten Szenen. Die Anregungen sammelte Sybille Schröpel, die als Moderatorin, Kommentatorin und Auftraggeberin für die Darstellerinnen und Darsteller fungierte und jederzeit Verbindungsfrau zwischen ihnen und dem Publikum war, das sich rege beteiligte. Eine Dose Nüsse aus der Handtasche einer Zuschauerin wurde auf der Bühne zum Heiligen Gral von Rauenthal, zu Globuli, Oblaten und mehr. Für das zweite Spiel sammelte Sybille Schröpel im Publikum Begriffe wie Angst, Hunger, Freude, Kirche und leitete sie ans Ensemble weiter. Ein köstlicher Dialog entwickelte sich zwischen Barbara Dittmann, die sich als Protestantin in die katholische Kirche verirrt hatte, und Mara Finsterwalder als katholische Pfarrerin, die gerne Messwein trank, Oblaten aß und das Geläut der Glocken spontan als Ansprache des Herrn deutete. Dazu spielte Stephan Schröpel, der alle Szenen auf dem E-Piano begleitete, fromme Orgelmusik. Auch die vier Herren, André Albach, Tobi Durst, Martin Hitz und Bastian Rittinghaus, standen ihren „Mann“ in den turbulenten Szenen, doch manchmal lag einer auch auf dem Boden, wenn er beispielsweise gegen Mara Finsterwalde im spannenden Toilettenputz-Wettkampf unterlag.

Ein Interview zu Schildkröten aus Mauritius, das in Gebärdensprache übersetzt wurde, tapezieren, nach Alphabet, Blind Dates mit multiplen Persönlichkeiten – all das kam zustande durch Interaktionen zwischen Publikum und Ensemble. In einer Persiflage auf James Bond rettete der Titelheld die Welt beziehungsweise Rauenthal vor der Reblaus – und für dieses gefährliche Unterfangen waren Stunt-Doubles unbedingt erforderlich. Auch wenn Nonsens erlaubt war, verlangten die Improvisationen den Schauspielerinnen und Schauspielern eine hohe mentale und körperliche Flinkheit ab. Doch unisono versicherten sie: „Auswendiglernen ist nicht unser Ding!“. Immerhin hatten alle eine Strophe zu dem Lied „Die Gedanken sind frei“ auswendig gelernt – allerdings einen eigenen Text, den sie nacheinander vorsangen. Das Publikum ging die ganze Zeit aufmerksam und amüsiert mit, lachte und spendete viel Beifall und bedankte sich für den unbeschwerten Abend mit langanhaltendem Schlussapplaus.

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