„Sie beherrschen die Sprache des Himmels“

„Sie beherrschen die Sprache des Himmels“

Triangelis-Gemeinde verabschiedete ihren langjährigen Organisten Armin Ott

Erbach. (chk) – Die Triangelis-Gemeinde Eltville-Erbach-Kiedrich hat am Sonntag feierlich ihren langjährigen Organisten Armin Ott verabschiedet. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Aufsicht über die Orgeln in den drei Kirchen in Erbach, Kiedrich und Eltville. Zu den musikalischen Glanzleistungen zählt die Gemeinde eine Klangcollage, die er im Gedenken an Prinzessin Marianne zusammengestellt hat. Den Bibeltext – passend zum letzten Sonntag nach Epiphanias, volkstümlich Maria Lichtmess genannt – und die Lieder im Abschiedsgottesdienst hatte Armin Ott selbst ausgesucht.

„Und so folgen wir seinem kundigen Rat und verzichten darauf, zu diesem Anlass selber einen Text auszusuchen, den wir für passend halten. Und wir vertrauen darauf, dass der Geist Gottes schon etwas Passendes für uns bereithält“, sagte Pfarrer Lothar Breidenstein in seiner Predigt. „Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“ Den dazugehörigen Text aus dem Lukas-Evangelium hatte zuvor Joachim-Christof Schulze, Vorsitzender des Kirchenvorstands, gelesen. „Wie passend ist es, wenn zum Abschied von einem Musiker ein Lied der Predigttext ist: Der Lobgesang des Simeon und der Hanna. Das war Ihnen auch sehr wichtig, lieber Herr Ott, denn allzu oft wird diese Prophetin neben dem greisen Simeon ja vergessen“, sprach Breidenstein den Organisten in seiner Predigt direkt an. Musik und Gesang seien die Sprache des Himmels. „Und vielleicht ist es ja so: Wenn unserer Zeit die Sprache des Glaubens immer mehr verloren geht, so kann die Musik doch, der Arche Noah gleich, vielleicht aufbewahren, was der Glaube zu sagen hat.“ Musik finde statt im Hier und Jetzt, in Zeit und Raum, aber sie habe Anteil an der Ewigkeit. „Und wenn wir heute Sie, lieber Herr Ott, aus dem Dienst in den Ruhestand entlassen, dann sind wir gewiss, dass in uns und auch in Ihnen dieses Lied nicht verstummen wird. Denn Sie sind jemand, der diese Sprache des Himmels beherrscht.“

In diesem Gottesdienst wurde die Freude an Musik und Gesang und am Lob Gottes zelebriert von der Gemeinde und den Mitwirkenden auf der Empore, wozu die die ausgewählten Lieder, wie „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“, der Kanon „Lobe den Herrn, meine Seele“ oder „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ gut passten. Die Lieder wurden vom Posaunenchor unter der Leitung von Andreas Sauerteig begleitet, und die Orgel spielte ein langjähriger Wegbegleiter Armin Otts, Professor Martin Lutz, der zum Auftakt den majestätischen „Prince of Denmark’s March“ von Jeremiah Clarke gewählt hatte. Der Singkreis unter der Leitung von Marlene Schober sang einige Lieder im Wechsel mit der Gemeinde. Nach Otts Aussegnung durch Pfarrerin Bianca Schamp und Pfarrer Lothar Breidenstein brachte der Singkreis das Lied „Sei behütet auf all deinen Wegen“, von Clemens Bittlinger dar.

Mit 14 Orgelspielen gelernt

In seiner Abschiedsrede hatte sich Pfarrer Breidenstein zu einem weiteren „gesprochenen Lobgesang“ hinreißen lassen und die wichtigsten Stationen in dessen Leben und Wirken vorgestellt. Armin Ott, der Katholik, der sich selbst als Hochliturgiker bezeichnete, war von Geburt an ökumenisch geprägt, denn seine Mutter war evangelisch. Er wuchs in Frauenstein auf und konnte es durchsetzen, dass die Eltern ein gebrauchtes Klavier anschafften, als er zehn Jahre alt war. „Ihre Klavierlehrerin war die Pfarrsekretärin in Frauenstein, und das zeigt schon deutlich, dass für Sie Musik und Glaube von Anfang an eng verbunden waren“, berichtete Breidenstein. „Mit 14 haben Sie das Orgelspiel begonnen; auch damals schon nicht zum eigenen Vergnügen, sondern weil jemand auf der Orgelbank gebraucht wurde. Tag und Nacht haben sie Choräle geübt, so dass Ihre Eltern Ihnen das Essen an die Orgel brachten.“

Mit 14 habe an seiner Schule – einer ganz normalen Volksschule – ein Aushilfslehrer, der auch Kapellmeister war, die Zauberflöte mit ihm inszeniert. „Was für ein wunderbarer Lehrer muss das gewesen sein, der Sie zu Tamino und Papageno zugleich werden ließ!“ Ott absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und war nebenberuflich als Organist tätig. 1978 zog er nach Erbach, wo er seine Frau Christiane kennenlernte. Ein Kantor in Eltville ermutigte ihn, Kirchenmusik zu studieren und Armin Ott nahm den nicht ganz einfachen Weg auf sich, machte das Abitur am Ketteler-Kolleg in Mainz nach und studierte Kirchenmusik in Frankfurt, Regensburg und Rom. „Sie waren vielfältig aktiv, als Organist wie auch als Chorleiter und als Sänger. Als Sänger sind Sie auch Professor Lutz und der Schiersteiner Kantorei begegnet, eine Verbindung, die bis heute trägt“, kommentierte Breidenstein den Werdegang. „Orgel, Chorleitung, Gesang – zu diesen drei Standbeinen kam dann noch das Unterrichten hinzu und dann auch die Organisation: Die Agentur ‚pro musica‘, mit der Sie in Wiesbaden und im Rheingau bis heute den Orgeldienst für Beerdigungen stellen.“ Wenn jemand gebraucht wurde, sei er da gewesen. „Und so kamen Sie dann 1997 – gerade waren Sie zum vierten Mal Vater geworden – auch zu unserer Gemeinde, und wir verdanken Ihnen nicht nur viel Musik, sondern auch viel orgelbauerischen Sachverstand.“

„Wir wollen dir von Herzen danken, Gott, für den reichen Segen, mit dem du das Leben und das Wirken von Armin Ott überspannst. Er ist dir ein treuer Diener, der mit seinen Mitteln deine frohe Botschaft in die Herzen der Menschen pflanzt. Wir bitten dich für ihn und seine Familie: Begleite sie mit deinem reichen Segen, und lass sie deine Güte schmecken“, formulierte Pfarrerin Bianca Schamp ihre anschließende Fürbitte.

Nach dem Gottesdienst richtete der Kirchenvorstand einen Empfang im Foyer der Kirche aus und Joachim-Christof Schulze hatte noch einige Grußworte zu moderieren. Die Weggefährten, die mit Ott viele Jahre auf der Empore gemeinsam musiziert haben, meldeten sich zu Wort und überreichten Präsente. Heiko Sundermann, Vorsitzender des Singkreises, und Remo Schubbach vom Vorstand des Posaunenchors drückten ihre Wertschätzung aus, ebenso Bianca Schamp, die neben einem Geschenk der Triangelis-Gemeinde auch noch ein besonderes „Schild“ eingerahmt und verpackt hatte. Darauf stand: „Kein Zutritt! Arbeitsbereich des Organisten!“ Selbst die Klebestreifen, mit denen das Schild befestigt war, waren mit eingerahmt – eine Erinnerung daran, wie Ott seinen Bereich „verteidigt“ hatte. Professor Martin Lutz betonte nach den Grußworten, dass er mit Ott besonders dessen Treue verbinde. „Wenn du einmal ‚ja‘ gesagt hast, ist es ja.“ Armin Ott bedankte sich sichtlich gerührt für die würdige Abschiedsfeier. In wenigen Wochen wird er 66 Jahre alt. Er ist zwar Rentner, nun auch nicht mehr vertraglich gebunden, aber er rechnet nicht mit dem totalen Ruhestand. Zu viel gibt es im Rheingau zu tun für willige und fähige Organisten. Auch Kollege Tobias Gahntz hofft auf gelegentliche Vertretungsdienste an den Triangelis-Orgeln.

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