„Brückenbauer zwischen den Kulturen“

Völkermühle als Zoom-Videokonferenz zur interkulturellen Sensibilisierung

Dr. Moustafa Selim hat Einblick in die Unterschiede der arabischen und in der deutschen Kultur.

„Interkulturelle Sensibilisierung im Arbeitsleben“, lautete der Titel des Vortrags, den Dr. Moustafa Selim in der Reihe „Völkermühle am Rhein“ hielt. Zum zweiten Mal fand die Reihe als Videoübertragung über Zoom statt, bei der das Publikum live zugeschaltet war, Fragen stellen und Kommentare abgeben konnte.

„Normalerweise werden Sie von Rolf Lang begrüßt, aber aus gesundheitlichen Gründen ist er heute nicht dabei“, sagte Moderator Ulrich Bachmann, dem Gaby Roncarati, Geschäftsführerin der Philipp-Kraft-Stiftung, zur Seite stand. Der Vortrag von Moustafa Selim zielte auf die Fähigkeit ab, sensibel auf Unterschiede zu reagieren, die im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen aufkommen können – seien es Kollegen, Geschäftspartner oder neu Zugewanderte. Er greift auf seine eigenen Erfahrungen zurück, erinnert sich, wie fremd für ihn alles war, als er vor 15 Jahren nach Deutschland kam. Er ist Nubier; seine Eltern stammen aus dem Süden Ägyptens, zogen vor seiner Geburt nach Kairo, wo er aufgewachsen ist. und er kam zunächst mit einem Stipendium für nur ein Jahr. Er blieb, schloss ein Masterstudium ab, promovierte an der Uni Gießen und ist seit acht Jahren Wissenschaftler für Phytomedizin an der Hochschule Geisenheim. Er ist außerdem Integrationsbeauftragter der Hochschule und wurde 2016 mit dem Demografie-Preis des Rheingau-Taunus-Kreises in der Kategorie „Integration durch Eigeninitiative“ ausgezeichnet. Seit dem vergangenen Jahr ist er zudem „Leiter Kulturvermittlung“ der Philipp-Kraft-Stiftung.

2015 und 2016, als viele Flüchtlinge kamen, hat er sich als Dolmetscher und Flüchtlingshelfer engagiert und für Flüchtlinge und für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer Leitfäden und Vorträge entwickelt, um Missverständnisse zu vermeiden und Verständnis füreinander zu wecken. So verfasste er einen „Kniggekurs für Flüchtlinge“, der den hier Angekommenen die Integration in die deutsche Gesellschaft erklären und erleichtern soll. Das war die Basis für seine heutigen Seminare und Vorträge und das Weiterbildungsangebot, das er in Zusammenarbeit mit der Philipp-Kraft-Stiftung für Betriebe entwickelt hat. Darüber gab er an diesem Abend einen Überblick. Dazu gehören spezielle Vorträge für Krankenhäuser, Betriebe, Jugendämter, Polizei, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Vereine und Kommunen.

„In Deutschland ist man sehr direkt“, stellte er fest. Im arabischen Kulturkreis werde etwas mehr drumherum geredet und auch Kritik in der Öffentlichkeit werde als Blamage oder Respektlosigkeit aufgefasst. Verhandeln und Kompromisse finden werde hingegen als Höflichkeit empfunden und trage dazu bei, das Gesicht zu wahren. Auch sei die Unpünktlichkeit der Araber ein Problem für Deutsche, doch gerade bei privaten Terminen sei dies Ausdruck von größerer Gelassenheit im Umgang mit der Zeit und kein Zeichen von Unhöflichkeit. Auch dass Menschen ihrem Gegenüber beim Reden nicht in die Augen, sondern auf den Boden schauen, sei eher ein Zeichen von Respekt und gutem Benehmen, weil in vielen orientalischen Kulturen direkter Augenkontakt als aufdringlich empfunden werde.

„Standard-Rezepte“ gebe es nicht, doch es sei wichtig zu wissen, dass viele unverständliche Verhaltensweisen kulturell geprägt seien und deshalb sei es hilfreich, ein interkulturelles Bewusstsein zu erlangen. Vorsicht sei auch geboten, wenn Dolmetscher oder Privatpersonen aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzen, denn gewisse arabische Wörter und Redewendungen hätten in verschiedenen Ländern komplett unterschiedliche Bedeutungen.

Anschließend gab es noch einige Wortmeldungen und Ulrich Bachmann las Kommentare aus dem Chat vor: „Ich habe sehr viele gute Anregungen und Beispiele erhalten. Hervorragend illustriert übrigens. Vielen Dank!“, schrieb eine Teilnehmerin. Und eine andere hinterließ den Kommentar: „Mich freut es sehr, Herrn Selim als Brückenbauer zwischen den Kulturen zu erleben!“ Barbara Lilje, Amtsleiterin für Wirtschaftsförderung der Stadt Eltville bedankte sich ebenfalls für den sehr guten Vortrag und regte an, in einer Umfrage zu thematisieren, ob in Unternehmen in Eltville und im Rheingau Bedarf nach interkultureller Beratung bestehe. Ulrich Bachmann wies darauf hin, dass Dr. Moustafa Selim über die Philipp-Kraft-Stiftung gebucht werden könne.

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