Eltville bekennt sich zu Agenda 2030-Zielen

Eltville bekennt sich zu Agenda 2030-Zielen
Resolution feierlich unterzeichnet / Top 3 der nachhaltigsten deutschen Kleinstädte

Bürgermeister Patrick Kunkel unterschreibt mit Erstem Stadtrat Hans-Walter Pnischek (links) und Stadtverordnetenvorsteher Ingo Schon (rechts) die Resolution zur Agenda 2030.

Eltville. (chk) – „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Das passt gerade gut auf die Stadt Eltville, deren Schritte sie am vergangenen Freitag in Düsseldorf auf die Bühne der Top 3 von Deutschlands nachhaltigsten Kleinstädten brachten. Dieser Erfolg wurde am Montag gewürdigt, als sich die Stadt zudem bei einem feierlichen Empfang im Kurfürstensaal offiziell dem deutschlandweiten Netzwerk „Global nachhaltige Kommune“ anschloss.

Damit verpflichtete sich Eltville als bisher dritte Stadt in Hessen – nach Gießen und Dieburg – gezielt nachhaltige Maßnahmen zu planen und umzusetzen. Dazu erklärte Bürgermeister Patrick Kunkel: „Eltville gehört zu der ‚einen Welt‘ und wir übernehmen vor Ort Verantwortung. Wir Kommunen müssen der Motor für die gesellschaftlich-nachhaltige Entwicklung sein, um den Wandel zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft zu gestalten.“

„Wir sind eine Stadt, die wenig Geld hat, die aber viel macht, weil es eine große Motivation bei uns gibt“, sagte Kunkel weiter, bevor er gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Ingo Schon und dem Ersten Stadtrat Hans-Walter Pnischek die Resolution zur Agenda 2030 unterschrieb. Hinter dem vollen Titel, „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“, steht der Grundgedanke der 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Agenda mit 17 Nachhaltigkeitszielen, die für alle Länder dieser Welt gleichermaßen gelten. Diese Ziele erfordern es, die Kommunen in die Umsetzung einzubeziehen. „Die zukünftige Entwicklung der Stadt Eltville an den Zielen der Nachhaltigkeit auszurichten ist für mich eine der wichtigsten Herausforderungen an eine verantwortungsvolle Stadtentwicklung“, betonte Kunkel. „Bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele kommt es auf die Kommunen an. Ohne das konkrete Engagement der Städte und Gemeinden bleibt das Thema Nachhaltigkeit ein frommer Wunsch – davon bin ich überzeugt!“ Dem ging ein einstimmiger Beschluss der Eltviller Stadtverordnetenversammlung im September voraus, der als ein deutliches Bekenntnis der Politik gewertet wurde, den Prozess der weiteren Stadtentwicklung immer auch an den Zielen der Nachhaltigkeit zu messen.

Durch die Unterzeichnung der Resolution und durch die Teilnahme an bundesdeutschen Netzwerken und Kompetenztreffen erhöht die Stadt die eigene Kompetenz, Verantwortung zu übernehmen und den gesellschaftlichen Wandel mit zu gestalten, der bereits in der eigenen Verwaltung begonnen hat. Als Beispiele nannte Kunkel u.a. den Verzicht auf Glyphosat auf allen städtischen Flächen, die Kampagne zur Fairtrade-Stadt, Initiativen zur fairen Beschaffung und zur plastikfreien Stadt, die Unterstützung für den Eltviller Tisch, das Mehrgenerationenhaus Müze und viele weitere gesellschaftliche Maßnahmen im Rahmen der „Familienstadt Eltville“.

Das Netzwerk wird von der Servicestelle der „Kommunen in der Einen Welt“ (SKEW) betreut, die als Teil der „Engagement Global gGmbH“ im Auftrag der Bundesregierung und des Deutschen Städtetags arbeitet. Von dort, aus Bonn, war Annette Turmann gekommen, um nach der Unterzeichnung dem Bürgermeister die Urkunde mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 zu überreichen. Doch zuvor stellte sie den Hintergrund und die bisherige Entwicklung im Bereich der global nachhaltigen Kommunen vor. 196 Staaten hätten die Agenda 2030 vor zwei Jahren unterschrieben. „Eines der 17 Nachhaltigkeitsziele nimmt explizit die kommunale Ebene in die Pflicht“, erklärte Annette Turmann. „Ziel 11 fordert, Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu machen.“ Die Vision einer nachhaltigen Entwicklung werden von fünf „P“ beschrieben: People, Planet, Prosperity, Partnership, Peace, übersetzt: Menschen, Planet, Wohlstand, Partnerschaft und Friede. „Nachhaltigkeit wird immer mehr zur Marke“, betonte Turmann, die auch auf kommunale Klimapartnerschaften insbesondere mit afrikanischen Kommunen hinwies. Als Beispiel nannte sie Hamburg und Daresalam. Die Servicestelle in Bonn betreut nicht nur die Kommunen mit Beratung und Fachwissen, sondern schreibt auch Wettbewerbe aus, die mit ansehnlichen Geldpreisen dotiert sind. Auch zu einzelnen Aktionen und Veranstaltungen können Zuschüsse beantragt werden. So wurde auch das anschließende Essen – italienischer Salat und italienisches Gebäck mit Kaffee – von der Servicestelle spendiert.

Was Partnerschaften mit afrikanischen Städten angehe, gebe es in Eltville schon erste Kontakte mit Jakiri, einer Stadt im Nordwesten Kameruns, berichtete Kunkel im Nachgang zu Annette Turmanns Vortrag. Außerdem leite seine Cousine eine Schule in Gambia, wo eventuell auch noch Kontakte geknüpft werden sollen. Anschließend bat er Dr. Sebastian Muschter ans Mikrofon, der seit elf Jahren in Eltville lebt und der Stadt wertvolle ehrenamtliche Unterstützung zuteil werden lässt. Dabei schöpft er aus seiner langjährigen Erfahrung als Berater bei McKinsey. Zwischenzeitlich war er Krisenmanager beim LaGeSo in Berlin, kommt nun als Berater der Bertelsmann-Stiftung „viel rum“ und sieht, was in vielen Städten abgeht. „Ich wollte Ihnen nochmals in Erinnerung rufen, wie glücklich wir in Eltville sind, auch wenn wir sicherlich nicht komplett sorgenfrei sind“, betonte er. Für ihn sei es faszinierend zu sehen, wie der Bürgermeister durch eine Kombination aus Volksnähe und der Fähigkeit, für seine Ziele andere zu motivieren ans Werk gehe. „Diese Auszeichnung als nachhaltige Stadt regnet nicht vom Himmel. Viele hätten sich gern beworben – aber Eltville hat es gemacht.“ Im sozialen Zusammenhalt der Familienstadt Eltville sieht er eine große Chance. „Wir können das ‚Ding‘ noch gewinnen, wenn wir dranbleiben.“

Als sich später alle beim Essen und einem Glas Wein austauschten, erläuterte Muschter im persönlichen Gespräch noch einmal, was er Besonderes an seiner Wahlheimatstadt Eltville im Vergleich zu vielen anderen Städten findet. „Ich habe es so noch nicht erlebt, dass ein Bürgermeister, der ein Ziel hat, so nach vorne geht und gemeinsame Sache mit den Amtsleitern macht, die sich auch untereinander unterstützen.“ Und er erweitere sein Team um die Ehrenamtlichen. „Er hat uns – beispielsweise Rolf Lang, Ulrich Bachmann, Sophie Gräfin zu Eltz, mich und andere – sozusagen ehrenamtlich dienstverpflichtet.“ Sebastian Muschter freut sich auf die weiteren Herausforderungen und ist sicher, dass es noch spannend weitergeht mit der Wirtschafts- und Stadtentwicklung in Eltville.

Beim lockeren Austausch erzählte das Team, das in Düsseldorf war, noch von der Teilnahme am zweitägigen Kongress zum 10. Deutschen Nachhaltigkeitstag mit vielen interessanten Rednern, Foren, Inhalten und Netzwerken. Der Abend des 8. Dezember stand ganz im Zeichen der Preisverleihungen. Ausgezeichnet wurden Kommunen, Unternehmen, Produkte, Ideengeber und Start-ups; dazu gab es „Jubiläumspreise“ im zehnten Jahr und auch Gäste, die einen Ehrenpreis für ihr Engagement erhielten. Zur Delegation aus Eltville gehörten neben dem Bürgermeister noch Michael Stutzer, Barbara Lilje und Birgit Roßkopf. Auch ein Eltviller Unternehmen beteiligte sich aktiv an dem nachhaltigen Geschehen: Die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien sponserten den Sektempfang mit ihren Mumm-Produkten an der Abendgala. Für diesen Einsatz in Düsseldorf drückte Kunkel dem Unternehmen seinen „großen Dank“ aus. Schon vor dem Ausgang des Abends hatte er sich mit seinen Bürgermeister-Kollegen aus Saerbeck und Nettersheim darauf verständigt, dass sie sich als „Top 3“ vernetzen wollen, um gemeinsam Ziele der Nachhaltigkeit in ihren Städten zu erreichen. Gewonnen als nachhaltigste deutsche Kleinstadt hat schließlich Nettersheim.

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Betrieb im Kindergarten Ranselberg geht weiter
18 Wochen 6 Tage
60 Menschen verlieren ihren Job
39 Wochen 6 Tage
Dem Opernsänger Peter Parsch zum Gedenken
49 Wochen 3 Tage
Kathrin Palmen spielt jetzt im Hauptorchester
50 Wochen 6 Tage
Doro rockt – Rüdesheim schwitzt
1 Jahr 15 Wochen


X