Fachliche Kompetenz und Menschlichkeit

Das Bethanien-Zentrum für Entwicklung und Weiterbildung steht auch Externen offen

In der denkmalgeschützten Villa im Bethanien Kinderdorf ist das neue Zentrum für Entwicklung und Weiterbildung untergebracht.

Erbach. (chk) – Das Bethanien Kinderdorf hat ein eigenes Zentrum für Entwicklung und Weiterbildung gegründet. Die Angebote sind auf die Aufgaben der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderdorfs zugeschnitten und viele davon stehen auch Externen offen. „Schon jetzt, kurz nach der Gründung, hat sich herausgestellt, dass das Angebot noch einmal deutlich auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kindertagesstätten eingehen wird, da es in diesem Bereich im Rheingau wenige Angebote gibt, die Erzieherinnen und Erzieher nutzen können“, erklärt Sabine Eberhardt, seit Oktober des letzten Jahres Personalreferentin und zuständig für die Entwicklung des Weiterbildungsbereichs.

„So ist beispielsweise die Nachfrage bei Externen gerade im Kursus ‚Praxisanleitung‘ hoch“, erklärt sie. Das Bethanien-Zentrum für Entwicklung und Weiterbildung hat seinen Sitz in der von weitem sichtbaren, um 1900 erbauten und denkmalgeschützten Villa auf der Erbacher Marienhöhe, die viele Jahrzehnte den Dominikanerinnen von Bethanien als Schwesternhaus diente. Auf der Straßenseite von Weinbergen umgeben, liegt die Villa in einem parkähnlichen Gelände, in das das ganze Kinderdorf eingebettet ist. Bei manchen Seminaren kann die schöne Umgebung mit Zugang zur Natur sogar aktiv einbezogen werden, was Sabine Eberhardt als zusätzlichen Pluspunkt sieht, und sie freut sich auf die Zeit, wenn das wieder möglich ist. Unter den aktuellen Corona-Kontaktbeschränkungen können keine Präsenz-Seminare stattfinden; die Preise werden in dieser Zeit entsprechend reduziert, weil keine Verpflegungskosten anfallen.

„Da jedoch die Fort- und Weiterbildung im sozialen Bereich unverzichtbar ist, stellt in Zeiten von Corona das Online-Format eine gute Alternative dar“, erläutert Sabine Eberhardt. Für die Kurse wird die Plattform Zoom genutzt. „Bei diesem Anbieter haben wir die Möglichkeiten, dass die ganze Gruppe in einem ‚virtuellen Klassenzimmer‘ sitzt und wir theoretische Inhalte ähnlich wie in Präsenz über PowerPoint oder ein ‚Whiteboard‘ präsentieren können.“ Es gebe dort auch die Möglichkeit, sich zu melden, miteinander zu chatten, Dateien zu teilen, gemeinsam an einem Dokument zu arbeiten oder sich in den Pausen in kleinen Räumen zu treffen. „Ich habe schon viele Zoom-Seminare für andere Anbieter gemacht und finde die Qualität, die man damit herstellen kann, sehr überzeugend“, versichert Sabine Eberhardt. Sie ist Theologin, systemische Beraterin, Traumapädagogin und traumazentrierte Fachberaterin. In vielen Seminaren wirkt sie als Referentin mit und zu ihrem Aufgabengebiet im Kinderdorf gehört außerdem, dass sie Bedarfsabfragen für jede Gruppe macht und auch mit den Leitungen in einem engen Austausch steht über die von deren Seite gewünschten und geforderten Angebote. Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den Bedürfnissen und Aufgaben des Kinderdorfs fortzubilden, sei es hilfreich, Fort- und Weiterbildung auch genau darauf zugeschnitten anbieten zu können, denn das Zentrum für Entwicklung und Weiterbildung ist Teil des gesamten Personalentwicklungs-Konzeptes des Kinderdorfs. Begrüßt wird auch die Teilnahme von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Bethanien Kinderdörfern in Bergisch Gladbach und Schwalmtal.

HumanistischesMenschenbild

„Starke Kinder brauchen starke Begleitung. Diese Stärke ist von fachlicher Kompetenz und Menschlichkeit geprägt. Nicht zuletzt aber auch von der Bereitschaft, alte Muster immer wieder zu hinterfragen und Neues zu lernen.“ So beschreibt Kinderdorfleiter Thomas Kunz das Motiv für die Gründung und Ausrichtung des Bethanien Zentrums. Dazu ergänzt Sabine Eberhardt: „Daraus lassen sich folgende Werte ableiten: Unserer Arbeit liegt das humanistische Menschenbild zugrunde, das darauf fußt, dass Menschen die Kompetenz haben, sich ein Leben lang zu entwickeln. In der Kinder- und Jugendhilfe haben wir es mit kleinen und oder größeren Menschen zu tun, die oft schon sehr viele schwierige Lebenssituationen gemeistert haben und deshalb fremd untergebracht sind. Unsere Arbeit nicht nur im Zentrum ist davon geprägt, dass wir diese Lebensleistung achten und respektieren und als Versuch sehen, sie zu meistern.“ Daraus folge eine hohe Wertschätzung, ebenso wie eine Ressourcenorientierung, die jeden Menschen unter dem Aspekt betrachte, welche Fähigkeiten er erworben habe und worauf aufgebaut werden könne. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Transparenz. Wenn sie ein Motto für die Arbeit im Fort- und Weiterbildungsbereich finden sollte wäre das „Auf die Stärken kannst du bauen“ und „Spaß, Freude und Humor sind die Würze des Lebens und immer hilfreich“, erklärt Sabine Eberhardt. Neben ihr sind drei weitere erfahrene Referentinnen in den Seminaren und Kursen eingesetzt: Ulrike Berger-Schmitt, die im psychologischen Fachdienst tätig ist, Michaele Gabel, Diplom-Sozialarbeiterin, und Anke Lingnau-Carduck, Diplom-Sozialpädagogin, jeweils mit einschlägigen Zusatzqualifikationen.

Die bereits genannte Weiterbildung zur Praxisanleitung, die für Externe von großem Interesse ist, erstreckt sich über fünf Module – in diesem Jahr zwischen dem 30. März und dem 15. September – und schließt mit einem Zertifikat ab. Dies sei in Rheinland-Pfalz eine anerkannte Weiterbildung mit genau vorgegebenen Inhalten, erläutert Sabine Eberhardt. Sie qualifiziere die Teilnehmenden dazu, Praktikantinnen und Praktikanten anzuleiten, mit ihnen deren Arbeit zu reflektieren und gegebenenfalls Unterstützung anzubieten. „Diese verantwortungsvolle Aufgabe braucht eine Kenntnis über das, was von Seiten der Ausbildungsinstitutionen gefordert ist, zumal wenn es ein Ziel ist, die in Ausbildung befindlichen jungen Menschen für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe zu interessieren – auch über das Praktikum hinaus.“. Andere Kurse, die sich auch an Externe aus allen Erziehungsbereichen wenden, haben beispielsweise die Einführung ins traumapädagogische Arbeiten zum Inhalt, biografisches Arbeiten, gelingende Elternarbeit oder gute Gesprächsführung im Alltag.

Sabine Eberhardt nennt noch einen weiteren Grund, ein eigenes Institut zu gründen: Der liege darin, mit anderen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen sowie weiteren Kooperationspartnern, wie Jugendämtern und Schulen, in einen fachlichen Austausch zu kommen, gemeinsame fachliche Plattformen zu vertiefen, gute Beispiele zu reflektieren und für die eigene Praxis nutzbar zu machen. Weitere Informationen: www.bethanien-kinderdoerfer.de/kinderdoerfer/eltville/.

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