„Es geht um Teilhabe und positive Vielfalt“

„Es geht um Teilhabe und positive Vielfalt“
Eltville arbeitet an einer Vielfalts- und Integrationsstrategie / „Stimmungsbild“ vorgestellt

Ute Diemer von Fresko stellte die bisherigen Ergebnisse der Veranstaltungen und der Online-Umfrage vor.

Eltville. (chk) – Eltville und Geisenheim sind zwei der insgesamt 16 Kommunen in Hessen, die sich in diesem Jahr Landesmittel über das WIR-Programm für die partizipative Entwicklung von Vielfalts- und Integrationsstrategien gesichert haben. Der Verein Fresko unterstützt sie dabei mit fachlicher Prozessmoderation. Bei einer Informationsveranstaltung in der Mediathek wurden die bisherigen Ergebnisse für Eltville vorgestellt.

„Integration in diesem Sinne betrifft nicht nur Migranten und Ausländer, sondern soll auch Alteingesessene, Zugezogene und Menschen aller Generationen einschließen“, betonte Hubert Rahn, Mitglied des Magistrats und Experte für soziale Angelegenheiten, der als Schirmherr dieses Prozesses für Eltville fungiert. Diese Aussagen unterstrich auch Ute Diemer, die als Beraterin von Fresko gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Lara Sigwart die bisherigen Beteiligungsformate begleitet hat. „Es geht um die aktive Teilhabe aller Menschen in der Stadtgesellschaft – es geht um eine positive Vielfalt.“ Als Beispiele für Vielfältigkeitsmerkmale nannte sie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Weltanschauung und Religion, sexuelle Orientierung, Aussehen, psychische und physische Fähigkeiten. Die Förderung der Vielfalt sei kein Selbstzweck, es gehe auch nicht darum, sie beliebig zu erhöhen, sondern bestehende Vielfalt im Sinne des Gemeinwohls zu nutzen und zu gestalten. Aus der Sicht der Stadt bedeute dies, alle Bevölkerungsgruppen zur Mitwirkung an der gemeinsamen Gestaltung der Stadtgesellschaft zu motivieren.

Ute Diemer erinnerte an die Auftaktveranstaltung Mitte August im Mehrgenerationenhaus, der zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus der Kommunalpolitik und -verwaltung und Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft gefolgt waren. Dazu zählt sie Vereine, Stiftungen, Mitarbeitende in sozialen Institutionen, ehrenamtlich Tätige und Alltagsexpertinnen und -experten unterschiedlichster Art, die in Workshops relevante Themen erarbeitet hatten. Mitte Oktober trafen sich wiederum zahlreiche Engagierte, um weiter an der Vielfalts- und Integrationsstrategie mitzuwirken. Dabei sei festgestellt worden, dass es in Eltville bereits viele Initiativen gebe, die untereinander noch besser vernetzt werden müssten. So stellte Sozialamtsleiterin und Netzwerkerin Bettina Behrens beispielsweise fest, dass Vitos in ihrem umfangreichen Netzwerk bis dahin noch nicht enthalten war. Ute Diemer zeigte auf dem Smartboard die beeindruckende Vielfalt der Maßnahmen, Projekte und Initiativen in Form einer Blüte mit beschrifteten Blütenblättern von Ausbildungslotsen über Mitfahrbänke bis Völkermühle. Das Bethanien-Kinderdorf, Pflegeheime, der Eltviller Jugendtreff und das Seniorenbüro sind ebenfalls enthalten. „Aber die Auflistung ist noch lange nicht vollständig“, betonte sie.

Teil des Beteiligungsprozesses ist auch eine anonyme Online-Umfrage zum Thema „Was bedeutet Vielfalt in Eltville für Sie persönlich?“ Daraus geht hervor, dass 83 Prozent der Umfrage-Teilnehmer Vielfalt in Eltville eher gut finden und nur acht Prozent das eher nicht gut finden. Der Rest gab an, sich noch keine Gedanken darüber gemacht zu haben. In der Umfrage ist auch Raum für Vorschläge. Als wesentliche Themen wurden Barrierefreiheit, bezahlbarer Wohnraum und Quartiersvielfalt genannt. Gewünscht wurde auch eine stärkere Vernetzung in der Vereinslandschaft und eine Förderung der Inklusion im Freizeit-, Sport- und Kulturbereich. Neben vielen „Allgemeinplätzen“ gab es auch konkretere Hinweise zu Fragen, die eine Erläuterung zulassen. So äußerten alteingesessene Eltviller ihren Eindruck, dass ihre Interessen hinter denen der Touristen und Neubürger zurückstehen müssten.

Die Antworten und Vorschläge sind teilweise aufschlussreich, aber da erst 143 Teilnehmer gezählt werden konnten, sind die Ergebnisse auf die ganze Stadt bezogen noch nicht repräsentativ. „Es ist aber ein Stimmungsbild“, urteilte Ute Diemer und war sich einig mit Hubert Rahn und dem Publikum, dass die Aussagekraft durch eine höhere Beteiligung verdeutlicht werden sollte. Die Umfrage soll nun stärker beworben werden, insbesondere auch in Schulen, wo Jugendliche online teilnehmen können. Darüber hinaus sollen die Fragebögen auch ausgedruckt in bestimmten Geschäften und in der Mediathek ausgelegt werden, um Menschen zum Antworten zu bewegen, die nicht oder nur ungern auf das Internet zugreifen. Eltviller Bürgerinnen und Bürger, die sich online beteiligen wollen, können noch bis Ende des Jahres mit geringem Zeitaufwand anonym acht Fragen beantworten unter www.surveymonkey.de/r/eltville.

„Ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass wir so eine große Vielfalt zusammenbekommen“, sagte Hubert Rahn, der Ute Diemer für die Vorstellung der Ergebnisse dankte. „Die Beteiligung muss aber noch höher werden. In einer Stadt mit 17.500 Einwohnern müssen wir es schaffen, diese Vielfalts- und Integrationsstrategie umzusetzen, damit die Menschen sich wohlfühlen. Es geht um Lebensqualität oder ‚Nicht‘-Lebensqualität.“

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