„Hygieneständer am Eingang werden wir in Zukunft beibehalten“

Auswirkungen der Maskenpflicht und des zweiten Lockdown auf Einzelhändler in Eltville

Susanne Schlier und Mitarbeiter Julien Beffart.

Eltville. (jh) – Gerade ist bekannt geworden, dass die Maskenpflicht in den Fußgängerzonen im Rheingau über den 15. November hinaus bestehen bleibt. Das betrifft auch Eltville. Das Rheingau Echo hörte sich bei Einzelhändlern in der Kernstadt um, wie sich die Maskenpflicht und der zweite Lockdown light speziell auf ihren Betrieb auswirkt.

Monika Scherer, Inhaberin der Modegeschäfte No.

24 und Anziehend: „Die Maskenpflicht, die übrigens nicht nur in der Fußgängerzone gilt, sondern auch hier in der Rheingauer Straße, wird von unseren Kunden angenommen, aber vielfach wird über das Tragen gestöhnt. Diskussionen haben wir vereinzelnd – und das mag erstaunen – mit älteren Personen führen müssen. Es ist schon vorgekommen, dass wir von unserem Hausrecht Gebrauch gemacht haben und diese uneinsichtigen Personen, denen wir sogar eine Maske offerierten, des Ladens verwiesen haben.

Festgestellt haben wir, dass die Auslieferfahrer der Paketdienste ohne Masken die Läden betreten. Sie haben noch nicht einmal eine „lose“ irgendwo am Handgelenk oder tragen eine um den Hals. Unser Postbote wirft die Post nur noch in den Briefkasten. Vorher kam er ins Geschäft.

Als schwierig empfinde ich, dass die Umsetzung der Corona-Beschränkungen unterschiedlich gehandhabt werden – in der Fußgängerzone X geht es ohne Maske, in anderen wird das Nichttragen geahndet.

Die zweite Welle hat uns das Öffnen der Geschäfte mit zahlreichen Auflagen (Beschilderungen, die auf die AHA-Regeln hinweisen, definierte Kundenzahl im Geschäft, Desinfektionsspender und und) erlaubt, aber die Frequenz ist eingebrochen. Zwar haben wir noch Stammkunden, aber es fehlt der Tourismus (Stichwort: Urlaub in Deutschland) und die geschlossenen Gastronomiebetriebe machen sich ebenfalls beim Umsatz bemerkbar. Ich musste meine Beschäftigten (insgesamt elf Personen) leider in Kurzarbeit schicken.

Kollegen haben sich auf den Online-Handel fokussiert. Das kam wegen unserer Betriebsgröße nicht in Frage. Beispiel: Ein Online-Kunde bestellt ein T-Shirt in zwei Größen. Ein Kunde im Geschäft benötigt aber genau dieses T-Shirt. Sollte der Online-Kunde die beiden Shirts zurücksenden, ist mir der Vor-Ort-Umsatz verloren gegangen. Mir und meinen Mitarbeitern ist der persönliche Kontakt und die Beratung des Kunden wichtig. Das werden wir beibehalten. Auch wenn die Zeiten zur Zeit alles andere als rosig sind.

Der Duft von Blumen fehlt

Es ist die Jahreszeit für Gestecke, weihnachtliche Pflanzen und vorweihnachtliche Tischdekorationen. Das sind umsatzstarke Wochen für die Blumenläden und Gärtnereien. Dazu Inhaber Steffen Müller von Rosen Müller: „Nach dem ersten harten Lockdown haben wir in einen Luftfilter investiert, der innerhalb einer Stunde die Luft dreimal umwälzt. Auf ein weiteres Gerät warten wir noch. Leider hat der Filter einen Nachteil: Der sonst in unserem Geschäft bestehende Blumenduft fällt dem Filter ebenfalls zum Opfer. Doch die Gesundheit meiner (vier) Mitarbeiter und meinen Kunden geht vor. Die Maskenpflicht wird in der Regel von unseren Kunden eingehalten. Maskenverweigerern wird der Zutritt verwehrt. Wer den Laden nicht betreten möchte, kann seine Wünsche vor dem Eingang äußern oder telefonisch seinen Auftrag durchgeben. Wir stellen dann das Gewünschte zusammen bzw. zur Abholung vor die Tür. Dass bedeutet für meine Angestellten und mich viel Lauferei. Da immer nur drei Kunden in das Geschäft dürfen, haben wir überlegt, überdachte Sitzgelegenheiten anzubieten. Da sind wir noch in der Ideenfindung.

Wir stehen vor dem Weihnachtsgeschäft. Daher rechnen wir mit erhöhter Nachfrage nach Adventsgestecken u.ä.. Darum habe ich für meine Mitarbeiter auch keine Kurzarbeit angemeldet. Wir arbeiten in zwei Schichten und haben unsere Öffnungszeiten angepasst.

Doch die Angst der Kunden ist zu spüren. Und auch bei uns. Es geht um die Existenz. Wir hoffen, dass es keinen erneuten harten Lockdown gibt.

Bessere Beschilderung

Susanne Schlier ist Inhaberin des Gastronomiebetriebes und Fein-schmeckergeschäftes „Kostbar“ in der Fußgängerzone. Sie spricht über ihre Erfahrungen im zweiten Lockdown: „Uns fehlen ganz eindeutig die Touristen, die ad hoc bei uns zu einem Frühstück, Kaffee oder anderen kleinen Speisen einkehrten. Nun bieten wir einen Service „to go“ an. Dabei legen wir großen Wert auf Nachhaltigkeit. Unsere Behältnisse sind nachhaltig, z.B. liefern wir in leicht abbaubaren Erzeugnissen oder auf wiederverwendbaren Schiefer-Platten. Gerne akzeptieren wir auch mitgebrachtes Geschirr oder Thermobecher für Heißgetränke. Denn hier gibt es leider keine nachhaltige Alternative. Wir haben schon vor geraumer Zeit einen online-shop – inklusive Beratung – eingerichtet. In dem findet sich ein großes Angebot für Präsente u.ä.. Das hilft jetzt ein wenig. So müssen wir unsere acht Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken.

Nach dem ersten Lockdown haben wir viel investiert, um die Corona-Vorschriften einhalten zu können. Wir sehen das als Investition in die Zukunft. Beispielsweise haben wir Virenfilter installieren lassen und unsere Heizkörper durch Infrarot-Strahler ersetzt. So können wir jetzt ganzjährig die Eingangstür geöffnet lassen. Die Hygieneständer am Eingang werden wir auch in Zukunft beibehalten.

Die Maskenpflicht in der Fußgängerzone wird unterschiedlich akzeptiert. Viele nehmen die Masken nach dem Besuch in einem Geschäft ab. Sicher aus Unachtsamkeit, aber auch aus Unwissenheit. Wer seitlich (von der Steingasse) in die Fußgängerzone einbiegt, der kann das blaue (!) Hinweisschild schnell übersehen. Hier wäre Abhilfe nötig. Wer unser Geschäft betritt, muss einen Mund-Nasenschutz tragen – anderenfalls erhält er keinen Zutritt. Den „Vergesslichen“ geben wir selbstverständlich gerne eine Einmal-Maske.

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