Im Martinsthaler Wallufbachtal entsteht ein kleines Paradies

Im Martinsthaler Wallufbachtal entsteht ein kleines Paradies
Bach-Renaturierung und Gestaltung des Wiesentals sind Stadt und Land 1,47 Millionen Euro wert

Corinna Diehl leitet die überparteiliche Arbeitsgruppe Wiesental und erläutert hier die Planung für die Renaturierung der Walluf und die Neugestaltung des Geländes.

Martinsthal. (chk) – Eltville, Erbach und Hattenheim haben ihr Rheinufer, Rauenthal hat seine Bubenhäuser Höhe – und Martinsthal hat die Bundesstraße 260. Aber nicht nur. Denn Martinsthal hat das Wiesental entlang der Walluf, das schon heute ein beliebtes Naherholungsgebiet ist, wo nicht nur die verkehrsgeplagten Martinsthaler Freizeit, Natur und Wein genießen. Bis 2021 soll es durch neue naturnahe Angebote noch attraktiver werden, und dabei werden auch „Schönheitsfehler“ wie aufgeschwemmte Bachufer und matschige Wege behoben. Die Gesamtkosten liegen bei 1,47 Millionen Euro. Die Renaturierung der Walluf wird mit 80 Prozent durch Landesfördermittel bezuschusst, was einem Betrag von 727.000 Euro entspricht.

 

Ein kleines Paradies könnte es werden entlang einer Strecke von 400 bis 500 Metern auf beiden Seiten der Walluf. Das Nebeneinander und Miteinander aller Generationen könnte durch die Wegsanierung und neue naturnahe Freizeitangebote beflügelt werden. Rund um den Martinsthaler Weinprobierstand befinden sich bereits der Spielplatz, eine Tischtennisplatte, eine Boulebahn, ein Fitness-Parcours und zwei Bolzplätze. Auf dieser Höhe – am Pegelhäuschen – soll noch in diesem Jahr die Renaturierung des Wallufbaches beginnen. „Was für uns Priorität hat, ist der Weg am Bach entlang“, sagt Corinna Diehl, der das ganze Projekt sehr am Herzen liegt. Die Martinsthalerin leitet die überparteiliche Arbeitsgruppe Wiesental, in der zwölf bis 15 Teilnehmer mitwirken. Inzwischen hat die Gruppe vier Mal getagt und Vorschläge für die Gestaltung des Geländes entlang der Walluf eingebracht. „Wenn wir das machen, muss gewährleistet sein, dass nach der Renaturierung noch genügend Mittel für den Weg vorhanden sind.“ Der Weg ist bei Regen matschig und wird im weiteren Verlauf sogar durch Wildschweine aufgewühlt, so dass er nur noch schwer begehbar ist. Die Sanierung und der Ausbau zum Rundweg mit zwei Brücken ist für 2020 vorgesehen; die Mittel dafür hat Bürgermeister Patrick Kunkel bereits 2016 bereitgestellt. Im Jahr 2021 soll die Erweiterung des Spiel- und Freizeitgeländes erfolgen.

Der Ortsbeirat, dem Corinna Diehl als CDU-Mitglied ebenfalls angehört, steht voll hinter der Neugestaltung des Wiesentals. „Ich freue mich darauf“, betonte Ortsvorsteher Hartmut Gläser, als vor der letzten Ortsbeiratssitzung im Dezember das Konzept vorgestellt wurde. Claudia Uhle und Christoph Russ von der Planergruppe ASL aus Frankfurt präsentierten die Pläne. Diese Ausführungen ergänzte Kerstin Rudloff, die bei der Stadt für die technische Betreuung der Grünflächen, Feldwege, Gewässer und Spielplätze zuständig ist. Sie ging auch auf Fragen der Zuhörerschaft ein und erklärte, dass die vorgelegte Planung sich aus eigentumsrechtlichen Gründen auf den Bereich des Wiesentals bis zur Höhe der Einmündung der Feldwegekreuzung „Im Wiesenrech“ beschränke. „Es werden nur Bereiche einbezogen, die der Stadt gehören und von der Flurbereinigung nicht berührt werden“, betonte sie. Die Flurbereinigung in Martinsthal läuft bereits seit 30 Jahren und ist in diesem Bereich derzeit zurückgestellt worden, so dass der Weg, der im weiteren Verlauf auf Privatgrundstücken liegt, noch nicht in die Planung einbezogen werden kann.

Renaturierung der Walluf

Beklagt wurden in der Versammlung die ausgeschwemmten Ufer der Walluf, wo sich die zur Befestigung verlegten Natursteine größtenteils gelöst haben. Dadurch wird auch der Weg immer mehr abgeschwemmt. Das Bachwasser wird aufgrund einer langen Strecke durch die Verrohrung und das befestigte Bachbett bis zum Pegel Martinsthal stark beschleunigt. Dieses Problem soll nun durch die Überführung des Gewässers in ein zweites, naturnahes Gerinne im Rahmen der Gewässerrenaturierung gelöst werden, wie es bereits beim Sülzbach gelungen sei, erklärte Kerstin Rudloff. Diese Maßnahme ist innerhalb der städtischen Wiesen an der Walluf denkbar, wo auch eine Anlage mit einer Stillwasserzone und einem Teich entstehen soll. Ein gewisses Fließen innerhalb der Stillwasserzone sei allerdings erforderlich, um zu verhindern, dass sich der kleine Teich zu einem stinkenden Tümpel entwickle. Damit würde der Walluf unterhalb des Martinsthaler Pegels die Möglichkeit gegeben, sich zu entschleunigen und zu verbreitern, um sie dann weiter unterhalb wieder in das bestehende Gewässerbett zurückzuführen. Die weggeschwemmten und noch vorhandenen Steine zu beiden Seiten des Ufers sollen neu verlegt und durch weitere Natursteine ergänzt werden. „Einige Gehölze am Bach werden entfernt. Der Bach soll lichter und erlebbar werden“, kündigte Christoph Russ an, der außerdem darauf hinwies, dass es sich bei der vorgestellten Planung um einen Entwurf und nicht um eine Ausführungsplanung handele.

„Das Land hat ein großes Interesse an der Gewässer-Renaturierung, deshalb werden solche Maßnahmen mit 75 bis 85 Prozent Landesfördermitteln bezuschusst“, betonte Kerstin Rudloff und versicherte außerdem, dass die Stadt sich verpflichte, den Bach zukünftig zu pflegen, weil dafür Fördermittel fließen. Von den geplanten Gesamtkosten in Höhe von 909.000 Euro übernimmt das Land Hessen 727.000 Euro.

Wege, Pfade und Brücken

Um den renaturierten Teil der Walluf wird 2020 ein knapp ein Kilometer langer Rundweg entstehen, der nach dem Vorschlag der Arbeitsgruppe Wiesental mit Rollator und Kinderwagen begehbar sein soll. Er soll zu diesem Zweck mit einer wassergebundenen Decke aus einem bewährten Naturbaustoff versehen werden. Der Weg entlang der Walluf soll über eine Fußgängerbrücke ins Wiesental und über eine weitere Brücke über den „See“ geführt werden und weiter oben über die bestehende Brücke auf der Höhe des Spielplatzes zurück zum Parkplatz. Ergänzt wird der Rundweg durch einen Naturerlebnispfad oder Naturlehrpfad, Ruhebänke, eventuell Kräuterbeete, Kräuterspiralen und weitere Trimm-Dich Stationen. Corinna Diehl kann sich vorstellen, dass sich auch Sponsoren für Bänke und andere Accessoires finden. Für den Rundweg, einschließlich Planungskosten, sind 285.000 Euro vorgesehen.

Sport, Spiel, Freizeit

Um die Kosten gering zu halten, wird der Spielplatz nicht verlegt. Rund um den Spielplatz, in der Umgebung des Weinprobierstands, sollen weitere Spielmöglichkeiten geschaffen werden, wie beispielsweise ein Gräser-Dschungel, ein Weiden-Tunnel, Sitzbühnen und Spielhügel. Laut Claudia Uhle tragen die Hügel zur Kostenreduzierung bei, weil weniger Erde abgefahren werden muss. Kerstin Rudloff zeigte außerdem Bilder mit Kisten und Fässern, die sich als natürlich gehaltene Spielideen in das Konzept integrieren würden. Vorgesehen ist auch ein „Familientisch“ mit einer höheren Ebene für die Erwachsenen und einer niedrigeren für die Kinder. Einer der beiden Bolzplätze soll einem Volleyballfeld weichen, das derzeit in der Wiese gegenüber liegt, wo es zu feucht ist. Auch die Boulebahn soll verlegt werden, aber darüber besteht noch keine Einigkeit. Corinna Diehl könnte sich am Bolzplatz eine Art „Tribüne“ vorstellen, auf der man sitzen und miteinander reden oder den Spielen zuschauen kann. Da dieser Teil der Gestaltung erst in 2021 verwirklicht werden kann, ist noch Zeit, die Ideen zu sortieren. Für den Umbau und die Erweiterung der Spiel- und Bolzplätze sind 278.700 Euro geplant.

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